Einige investieren in digitale Innovationen, andere zögern

Die Digitalisierung könnte für die deutsche Wirtschaft besser laufen

| Redakteur: Ulrike Ostler

„Deutsche Unternehmen sind gespalten, Die zwei Gesichter der Digitalisierung“ betitelt Tata Consultancy die Studie, die Bitkom Reserach im Auftrag der Unternehmensberatung erstellt hat.
„Deutsche Unternehmen sind gespalten, Die zwei Gesichter der Digitalisierung“ betitelt Tata Consultancy die Studie, die Bitkom Reserach im Auftrag der Unternehmensberatung erstellt hat. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Die Digitalisierung stellt für die deutsche Wirtschaft eine der größten Chancen dar. Das erkennen nahezu alle Entscheider, die Tata Consultancy Services für eine Studie durch Bitkom Research befragt hat. Dennoch: Das Potenzial digitaler Innovationen könnte viel stärker ausgeschöpft werden.

Deutsche Unternehmen zeigen in Sachen Digitalisierung zwei Gesichter: Die einen investieren proaktiv in Innovationen für die Digitalisierung, die anderen warten ab. Automobil-, Chemie- und Versicherungssektor sind laut der Studie am weitesten in der Digitalisierung fortgeschritten. 68 Prozent der befragten Automobilunternehmen planen, digitale Ansätze schnell und umfassend zu implementieren.

In der Chemie- und Pharmabranche planen 59 Prozent proaktiv digitale Initiativen. 57 Prozent der Finanz- und Versicherungsunternehmen treiben bereits aktiv Digitalisierungsprojekte voran.

Insgesamt aber gilt: Deutsche Unternehmen erkennen zwar die strategische Bedeutung digitaler Innovationen, schlagen aber nicht umfassend Kapital aus den sich daraus ergebenden Chancen. Das gilt insbesondere für den Mittelstand, das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Die Hälfte der Studienteilnehmer bewegt sich noch nicht entschlossen genug in Richtung digitaler Transformation.

Mehr Initiative wäre wünschenswert

Die Studienergebnisse kommen in einem günstigen Augenblick angesichts der „Digitalen Strategie 2025“ der Bundesregierung. Diese zielt darauf ab, die führende Position Deutschlands im Bereich der modernen, integrierten Fertigungstechnologie weiter zu stärken.

Die „Digitale Strategie 2025“ bildet als Teil der Industrie-4.0-Initiative das Herzstück des Entwicklungsplans für die deutsche Industrie. Sie setzt in hohem Maße die Fähigkeit voraus, digitale Technologien einzusetzen – vom industriellen Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) bis hin zu Künstlicher Intelligenz (KI) und Automatisierung, unterstützt von neuen Entwicklungen in cloudbasierten Services und mobilen Anwendungen.

Sapthagiri Chapalapalli, Vice President Central Europe bei TCS Deutschland, erläutert: „Die Studie hebt hervor, dass Unternehmen jeder Größe proaktiver über ihre digitale Zukunft nachdenken und so schnell wie möglich damit beginnen müssen, entsprechend zu planen und Strategien zu entwickeln. Noch ist ‚Made in Germany‘ ein weltweit anerkanntes Gütesiegel, aber die Unternehmen riskieren, vom Wettbewerb abgehängt zu werden, wenn sie nicht handeln. Die Chancen sind ungeheuer spannend, es gilt jetzt, die Herausforderung anzunehmen.”

Insbesondere bestehen laut Studie in drei Schlüsselbereichen noch Herausforderungen:

  • 1. Digitalisierung ist selten ein integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie: Nur 20 Prozent der Unternehmen planen, digitale (Geschäfts-)Plattformen zu entwickeln und bereitzustellen.
    Eine Ausnahme bildet das Marketing: 75 Prozent der Befragten nutzen bereits Datenanalysen für gezielte Kundenkampagnen. In der übergreifenden strategischen Ebene vieler Unternehmen dagegen scheint die Digitalisierung noch schwach verankert zu sein – 78 Prozent der Befragten gaben an, dass Digitalisierungsinitiativen in erster Linie von der IT-Abteilung oder dem CIO vorangetrieben werden, statt umfänglich in die Unternehmensstrategie integriert zu sein. Das aber ist entscheidend, wenn es darum geht, die digitale Transformation sinnvoll zu gestalten.
    44 Prozent der Befragten sehen Kundenservices als Top-Priorität. Mehr als ein Drittel der Unternehmen will zusätzliche virtuelle oder digitale Services anbieten.
  • 2. Das Potenzial sozialer Medien wird nicht voll ausgeschöpft: Die Unternehmen fokussieren ihre Social-Media-Aktivitäten in der Regel auf Kundenservice, Vertrieb und Marketing, seltener dagegen auf HR und Recruitment – zwei Bereiche, die in Zeiten zunehmend Social-Media-affiner Bewerber immer wichtiger werden.
    Darüber hinaus haben nur zehn Prozent Crowdsourcing-Initiativen in sozialen Netzwerken gestartet, um die spezifischen Wünsche von Kunden direkt in die Produktentwicklung einfließen zu lassen oder Innovationen zu fördern. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Unternehmen dieses enorme Potenzial erst noch erschließen müssen, wenn sie sich stärker vom Markt differenzieren und Wettbewerbsvorteile erzielen wollen.
  • 3. Nur ein Drittel (37 Prozent) der untersuchten Unternehmen sieht sich in der Lage, Big Data zu analysieren: Den Unternehmen sind organisatorische und administrative Aufgaben wichtiger als die potenziellen neuen Services und Geschäftsmodelle, die durch Big Data möglich werden.

"Transformation geht anders" - aus der TCS-Studie „Deutsche Unternehmen sind gespalten, Die zwei Gesichter der Digitalisierung“
"Transformation geht anders" - aus der TCS-Studie „Deutsche Unternehmen sind gespalten, Die zwei Gesichter der Digitalisierung“ (Bild: TCS)

Dr. Satya Ramaswamy, Vice President und Global Head of Digital Enterprise bei TCS, erläutert: „Der Begriff ‚Digitale Transformation‘ fasst die Herausforderungen zusammen, denen jede Wirtschaft in der Welt gegenübersteht – Disruption und Komplexität, getrieben durch die rasante digitale Innovation. Mit den Herausforderungen gehen jedoch auch enorme Chancen einher. Einer Wirtschaft wie der deutschen, die im Bereich fortschrittlicher Fertigungstechnik weltweit führend ist, eröffnen sich besonders weitreichende Möglichkeiten. “

Das diesjährige „World Economic Forum“ in Davos fokussierte die Effekte dessen, was viele die ‚vierte industrielle Revolution‘ nennen. Viele Unternehmen jedoch, auch deutsche, haben sich in dieser Hinsicht bisher zu zögerlich verhalten. Das ist keine nachhaltige Strategie, denn die Wirkkräfte der Digitalisierung führen dazu, dass sich ganze Geschäftsmodelle grundlegend ändern. Es gilt jetzt, entschlossen zu handeln, um die Chancen zu nutzen und den Anschluss nicht zu verlieren.”

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