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Private oder Public Cloud - es kann nicht nur eine geben Die Cloud wird heterogen

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Florian Karlstetter

Die vorherrschende Diskussion im Bereich des Cloud Computings dreht sich um die Frage nach privat oder öffentlich – soll ein Unternehmen eine eigene, private Wolke aufbauen oder ist es auch statthaft, Ressourcen einer öffentlich vorgehaltenen Wolke wie die von Amazon oder Google zu nutzen?

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Abkehr von der Frage Public oder Private Cloud - viel wichtiger ist es, für jeden Workload die passende Wolke zu finden. (© arahan - Fotolia.com)
Abkehr von der Frage Public oder Private Cloud - viel wichtiger ist es, für jeden Workload die passende Wolke zu finden. (© arahan - Fotolia.com)

So oft die Frage nach Public oder Private Cloud auch noch gestellt wird – sie geht am eigentlichen Sinn und Zweck der Wolke vorbei.

Jede Wolke ist nämlich anders. Weil die Einsatzgebiete so verschieden sind. Genau betrachtet benötigt ein Unternehmen nicht nur eine Cloud – sei sie nun privat oder öffentlich – sondern viele verschiedene. Das ist bereits jetzt häufig der Fall: "Da die meisten heutigen IT-Umgebungen aber mehrere Plattformen überspannen, kommen, um eine heutige IT-Anwendung in der Cloud zu betreiben, mehrere Cloud Plattformen zum Einsatz, die übergreifend gesteuert werden müssen", erläutert Automatisierungs-Experte Roland Judas.

Einige Bereiche einer Firma sind "unternehmenskritisch" – der gesunde Menschenverstand veranlasst einen, diese Bereiche nicht in der öffentlichen Wolke verorten zu wollen. Trotz der Beteuerungen der Anbieter wird kein CIO oder CEO seine Finanzdaten in die Amazon Web Services verschieben. Andere Bereiche sind weniger sensibel und könnten mit gutem Gewissen in die eine oder andere Wolke gesteckt werden. Software-Testreihen etwa.

Prinzipiell stellen die verschiedenen Workloads unterschiedliche Anforderungen an die Wolke. Spricht man mit Experten, etwa in den Häusern von IBM oder HP, so raten diese immer öfter zum Einsatz mehrerer Clouds innerhalb einer Firma. Für jedes Problem die passende Wolke, sozusagen.

Server-Auslastung im Cloud-Zeitalter

Klar raten diese Experten zum Einsatz mehrerer Clouds, mag der geneigte Anwender einwenden, – sie verdienen ja auch gut daran. Doch so leicht lässt sich der Gedanke nicht vom Tisch wischen: Durch die in den vergangenen zehn Jahren vorgenommene Virtualisierung von Systemen wissen wir, dass Server die wenigste Zeit mit dem Kalkulieren schwieriger Aufgaben beschäftigt sind. Im Gegenteil: Über 80 Prozent ihrer Zeit berechnen sie wenig kritische Algorithmen oder schlafen. Weil Systemen eben spezifischen Workloads zugeordnet sind.

In nicht virtualisierten Rechenzentren liegt die Serverauslastung normalerweise zwischen 5 und 15 Prozent. Durch eine Virtualisierungssoftware kann die Auslastung auf bis zu 60 Prozent erhöht werden, so die Deutsche Energie-Agentur dena. Virtualisierte (und zusätzlich automatisierte) Bereiche können gut und gerne als private Clouds bezeichnet werden. Private Clouds erhöhen die Effizienz der Servernutzung also deutlich. Unterm Strich bedeutet das: Weniger Server, weniger Stromverbrauch – der CFO wird begeistert sein!

Noch begeisterter wäre er aber, wenn der CIO sich gedanklich von der Privatheit seiner Cloud lösen könnte. Denn natürlich wäre es nochmal ein Stückchen günstiger, wenn ein Unternehmen den Schritt in die öffentliche Cloud hinein wagen würde. Das ist – wir haben es eingangs erwähnt – nicht für jeden Datensatz angeraten, aber bei manchen lässt sich eben doch die eine oder andere Million einsparen. Neben den genannten Softwaretests könnte man beispielsweise an die eigene Website oder die Analyse öffentlich zugänglicher Daten denken. Auch Office muss nicht auf jedem Rechner installiert sein. Und selbst Sicherheit gibt es mittlerweile aus der Cloud.

Oder was ist mit der Speicherung von Daten? Müssen Firmen diese unbedingt im heimischen Keller vorrätig haben? OK, Finanzdetails vielleicht schon - aber die gesammelten Mails der Kollegen aus dem vergangenen Jahrzehnt interessiert mit großer Sicherheit nur ganz wenige Hacker.

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