Die zweite Welle

Die Cloud krempelt den Rechenzentrumsmarkt um

| Redakteur: Ulrike Ostler

In der zweiten Cloud-Welle, die auch auf deutsche Unternehmen zurollt, ändern sich die Ansprüche und die Motivation der Kunden.
In der zweiten Cloud-Welle, die auch auf deutsche Unternehmen zurollt, ändern sich die Ansprüche und die Motivation der Kunden. (Bild: © Francesco Marino - Fotolia)

Cloud Computing entwickelt sich mehr und mehr zur bestimmenden Kraft der Rechenzentrumsindustrie, sagt Co-Location-Anbieter Zenium: Doch Anbietern von klassichen Rechenzentren droht der Stillstand und jetzt kommt auch noch die zweite Cloud-Welle, sieht Cisco voraus.

Cloud Computing entwickelt sich mehr und mehr zur bestimmenden Kraft der Rechenzentrumsindustrie. Das bestätigt auch die jüngste Studie „Managing Growth, Risk and the Cloud“ von Zenium. Sie bestärkt zudem die These, die das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Gartner aufgestellt hat: Klassichen Anbietern von Rechenzentren droht der Stillstand, während große Cloud-Anbieter das Wachstum intelligenter Rechenzentrums-Dienstleistungen fördern.

Wie der Co-Location-Anbieter ermittelt, unterstreichen die Zahlen die starke Einflussnahme der diversen Cloud-Modelle: 91 Prozent der von Zenium befragten IT-Experten in Deutschland, Großbritannien und der Türkei nutzen Cloud-Dienste. In Deutschland sind dabei Private Clouds am beliebtesten (63 Prozent), gefolgt von der Public Cloud (33 Prozent) und hybriden Lösungen (42 Prozent).

Der Zenit scheint zudem noch lange nicht erreicht, denn 88 Prozent der deutschen IT-Entscheider planen die Einführung einer weiteren Cloud-Lösung im nächsten Jahr. Und rund die Hälfte der Befragten, die bislang noch keine Daten in der Wolke auslagern, beabsichtigt den Umstieg auf Cloud-Lösungen innerhalb der nächsten zwölf Monate.

Die wachsende Datenmenge ist dabei für zwei Drittel aller IT-Experten in Deutschland der Hauptgrund für das Outsourcing; von den türkischen Befragten sind es sogar 78 Prozent. Die häufigsten Vorteile der Auslagerung sind dabei allen voran die Kostensenkung (71 Prozent), gefolgt vom Zeitgewinn (58 Prozent) und der Ausfallsicherheit (58 Prozent) gegenüber Inhouse-Lösungen.

Folglich ist der Kostenfaktor für zwei Drittel der Unternehmen auch das wichtigste Kriterium bei der Auswahl des passenden Rechenzentrums. Weitere Faktoren sind die physische Sicherheit (57 Prozent), die Expansionsfläche (42 Prozent) sowie das Vertrauen zum Anbieter (40 Prozent).

Cloud-Studie: Zweite Welle steht bevor

Die ungleich umfangreichere Cisco-Studie bestätigt die von Zenium dargestellten Ergebnisse im Wesentlichen, ja sie werden noch einmal prägnanter. Die verschiedenen Treiber ordnet Cisco jedoch einer zeitlichen Abfolge zu. Während die erste Cloud-Welle durch die Faktoren Effizienz und Kostenreduktion geprägt waren, sind es nun Innovation, Wachstum und Digitalisierung.

Den landesspezifischen Infobrief stellt Cisco zum Download bereit.
Den landesspezifischen Infobrief stellt Cisco zum Download bereit. (Bild: Cisco/IDG)

Während für die Zenium-Untersuchung durch Dynamic Markets insgesamt wurden 301 IT-Führungskräfte aus Großbritannien, Deutschland und der Türkei befragt wurden, beauftragte Cisco IDC mit einem so genannten „Infobrief“ (s.u.). Er basiert auf einer Marktstudie mit Führungskräften aus 3.643 Unternehmen aller Größen in 17 Ländern, die für IT-Entscheidungen verantwortlich sind. Für Deutschland wurden die Antworten von 200 Teilnehmern ausgewertet, die Cloud Computing aktiv für verschiedene Workloads nutzen. 65 Prozent davon waren Führungskräfte auf Vorstandsebene, 28 Prozent IT-Leiter und acht Prozent Fachbereichsleiter.

Die Studien-Ergebnisse für Deutschland

Im traditionell Cloud-kritischen Deutschland erwarten immerhin 47 Prozent der Unternehmen signifikante Umsatzsteigerungen durch die Cloud. Gleichzeitig haben 40 Prozent noch gar keine Cloud-Strategie. IDC diagnostiziert zudem nur bei 21 Prozent der Unternehmen eine „Cloud-Strategie auf hohem Niveau“. Damit liegt Deutschland im Mittelfeld:

34 Prozent USA
29 Prozent Lateinamerika
27 Prozent Großbritannien
22 Prozent Frankreich
21 Prozent Deutschland
19 Prozent Australien
19 Prozent Kanada
18 Prozent Südkorea
17 Prozent Niederlande
9 Prozent Japan

Durch die stärkere Cloud-Nutzung erwarten die deutschen Unternehmen vor allem:

  • eine verbesserte Strategie bei der Verteilung des IT-Budgets (51 Prozent)
  • mehr Umsatz (47 Prozent)
  • optimierte Einhaltung von Service Level Agreements (SLAs) (26 Prozent)

In Deutschland verwenden zwei Drittel der Cloud-nutzenden Unternehmen eine Form der Hybrid Cloud. Knapp die Hälfte setzt hier auf Workload-Portabilität zwischen Public und Private Cloud, etwas mehr als die Hälfte auf eine Mischung aus Public Cloud, Private Cloud und dedizierter Infrastruktur.

Das kommentiert Nick Earle, Senior Vice President Global Cloud and Managed Services Sales bei Cisco: „In unseren Gesprächen mit Kunden hören wir immer wieder, dass sie vor allem Private und Hybrid Clouds einsetzen möchten, aufgrund der erwarteten höheren Sicherheit, Performance, Kontrolle und dem besseren Datenschutz“, sagt. „Dies bestätigt die aktuelle Studie, wonach 45 Prozent der deutschen Unternehmen Private Clouds und nur 38 Prozent Public Clouds nutzen oder einführen.“

Bei der Hybrid Cloud erwarten Unternehmen vor allem, dass sich die Workloads automatisch zwischen den Providern in Bezug auf Ort, Richtlinien und Governance migrieren lassen (57 Prozent). 46 Prozent haben Sicherheitsbedenken bei der Nutzung von Public Clouds und 31 Prozent nutzen portable Workloads mit automatischem Lastenausgleich zwischen Public und Private Clouds.

In Kombination mit vergangenen weltweiten Studien hat IDC ermittelt, dass jede Cloud-basierte Applikation durchschnittlich zu einem zusätzlichen Umsatz von 1,4 Millionen Euro führt, größtenteils durch verbesserte Innovationen sowie durch das Internet der Dinge. Gleichzeitig führt sie zu Kosteneinsparungen von 1,1 Millionen Euro. Dies liegt an verbesserter Agilität (49 Prozent), höherer Mitarbeiter-Produktivität (28 Prozent), Risikovermeidung (9 Prozent), geringeren Infrastrukturkosten (8 Prozent) und Vorteile durch Open Source (5 Prozent).

Das Resümee

Naturgemäß bieten Zenium und Cisco unterschiedliche Ansätze für Unternehmen, um sich den Herausforderungen stellen zu können. Bis einem Co-Location-Angebot bietet Zenium Unternehmen, die Cloud-Services bieten wollen, Unterschlupf. So sagt Julian King, Geschäftsführer der Zenium Germany GmbH: „Zenium wurde gegründet, um durch einen innovativen Ansatz das Angebot auf dem Rechenzentrumsmarkt interessanter zu gestalten“, sagt er.

„Die Studie von Gartner geht davon aus, dass sogenannte ‚Revolutionary Disrupter‘ radikale Geschäftsmodelle einführen werden, die den Markt herausfordern. Zenium passt genau in diese Kategorie.“ Die jüngste Studie bestärke das Unternehmen dabei, dass Entscheider heutzutage nach eben solchen innovativen Ansätzen suchen. Das bisherige Modell der Rechenzentren könne nicht mit dem Tempo Schritt halten, in dem fortlaufend neue Technologien eingeführt würden und die Unternehmen sich diesen anpassen. „Wir begrüßen solch zügige Veränderungen und werden weiterhin stabile Rechenzentrums-Lösungen anbieten, die sich im Tempo des Marktes weiterentwickeln“, so King.

Neue Tools von Cisco

Das Cisco-Angebot führt die Unternehmensentscheider jedoch eine Stufe zurück. Denn die Kunden benötigen erst einmal eine Hilfe sowie Tools, mit denen sie individuelle Reports zur Nutzung dieser Studienergebnisse erstellen können. Dazu stellt Cisco zwei Werkzeuge bereit:

Der „Cisco Business Cloud Advisor Adoption Report“ bietet Unternehmen einen kostenlosen Bewertungsbogen mit zehn Fragen, damit sie einen individuellen Vergleichswert nach Branche, Unternehmensgröße und Land erhalten. Das Tool ist ab sofort unter cisco.com/go/bca mit vielen weiteren Hilfsmitteln verfügbar.

Mit „Cisco Business Cloud Advisor Adoption Tool“ und einem Workshop erhalten Unternehmen von Cisco und qualifizierten Channel-Partnern eine tiefergehende Analyse des möglichen Einflusses der Cloud-Nutzung auf ihre IT-Organisation. Die Empfehlungen umfassen händlerunabhängige Richtlinien, wie Unternehmen ihre Cloud-Nutzung über mehrere Domains inklusive der Intercloud weiterentwickeln können.

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