Open-Source-Klassenprimus und Technologietreiber

Die aktuellen Cloud- und Container-Innovationen von Red Hat, Teil 1

| Autor / Redakteur: Thomas Drilling / Ulrike Ostler

Red Hats Produktportfolio und Unternehmensstrategie 2015
Red Hats Produktportfolio und Unternehmensstrategie 2015 (Bild: Red Hat)

Vor Kurzem hat Red Hat eine Reihe neuer Produkte, Aktualisierungen und Initiativen etabliert. Das ist zwar nichts Ungewöhnliches, einige der Neuerungen haben aber das Potenzial, eine Neubewertung des Produktportfolios und der strategischen Ausrichtung des Unternehmens notwendig erscheinen zu lassen.

Neukunden oder Partner, die aufgrund des im Kontext der gegenwärtigen Sicherheits- und Überwachungs-Debatte gestiegenen Stellenwertes von Enterprise-Open-Source-Software eine Geschäftsbeziehung mit den Rothüten anstreben, sollten sich mit dem aktuellen Produktportfolio und den strategischen Zielen des Unternehmens aus Raleigh auseinanderzusetzen. Mit seinem Firmensitz an der Westküste in der Hauptstadt von North Carolina distanziert sich Red Hat nicht nur geografisch von Google, Apple, Microsoft und dem Rest der Silicon Valleys. Zumindest nimmt man den Mannen um James „Jim“ Whitehurst die Tiefe Verankerung des Open-Source-Gedankens in der Firmen- und Produkt-Philosophie eher ab, als anderen von Open Source Technologien vorrangig profitierenden Unternehmen wie Facebook, Amazon & Co.

Hinzu kommt: Der weltweit größte Open-Source-Hersteller schreibt seit Jahren beständig tiefschwarze Zahlen. Die Umsätze sind beständig hoch; in den vergangenen 2 Jahren stets um die 400 Millionen Dollar je Quartal. Das Geschäftsjahr beginnt bei Red Hat üblicherweise am 1 März; die Abschlussbilanz für 2014 liegen noch nicht vor, aber der Nettogewinn lag im vierten Quartals 2014 bei 38 MillionenDollar.

RHEL - die Basis von Allem

Das Produktportfolio - sieht man mal von Marketingkreationen ab, die auf integrierte Dienstleistungsangebote und „Lösungen“ abzielen - gar nicht so undurchsichtig, wie es bisweilen auf dem ersten Blick aussieht. So erwirtschaftet Red Hat im Schnitt 300 der 400 Millionen Umsatz pro Quartal aus dem Geschäft mit Support-Abonnements, an erster Stelle für Red Hat Enterprise Linux, das nach wie vor das Fundament des wirtschaftlichen Erfolges darstellt.

Red Enterprise Linux ist vor wenigen Tagen in aktualisierter Version 7.1 erschienen. Zwar deutet sich aus Nutzersicht mit der eigenen Cloud-Distribution Red Hat Enterprise Linux OpenStack Platform und dem auf Docker basierenden Red Hat Enterprise Linux 7 Atomic Host, das vor wenigen Tagen offiziell erschienen ist, mittelfristig eine Verschiebung der Gewichtung an, dies ändert für Red Hat aber nichts an der technologischen Bedeutung von Red Hat Enterprise Linux.

Es bleibt das Fundament aller übrigen Produkte und „Lösungen“, neben Red Hat Enterprise Linux OpenStack Platform und Red Hat Enterprise Linux 7 Atomic Host gilt das zu Beispiel auch Red Hat Enterprise Virtualization oder Storage Server. Strategisch dagegen zeichnet künftig intern wie extern eine andere Sicht auf das bestehende Portfolio ab.

Das Red Hat Produkt-Portfolio im Schnellüberblick

Dieses gliedert sich bei Red Hat in handfeste Produkte der Kategorien „Linux-Plattform“ (Red Hat Enterprise Linux für Server und Desktops, Red Hat Satellite), „Middleware“ (JBoss Applikations-Server-Plattform), „Virtualisierung“ ( Red Hat Enterprise Virtualization) und „Storage“ (Red Hat Storage Server und Inktank Ceph Enterprise), sowie „Lösungen“, wobei mit „Cloud Computing“ Red Hats eigene Klassifizierung zwischen Produkte und Lösungen nicht mehr ganz stimmig ist.

Dass "Cloud Computing" sowohl unter Produkten, als auch unter Lösungen rangiert, liegt aber in der Natur der Sache. Die JBoss Middleware tritt als Produkt direkt nicht in Erscheinung, sondern ist als Java-Anwendungs-Server-Stack samt Ökosystem eine zentrale Komponente von Red Hat Enterprise Virtualization oder CloudForms im Kontext von Virtual Desktop Computing und Cloud-Management.

Ähnliches gilt für die System-Management-Plattform Red Hat Satellite, die ein vollständiges Lifecycle Management auf nur einer Konsole ermöglicht und Konfigurations-Management, Provisioning von Red-Hat-Produkten und Subskroptions-Management umfasst und dazu auf etablierte Technologien wie Puppet, git, Foreman, Katello, Pulp und Candlepin zurückgreift. Red Hat hat Satellite erst ist im Herbst letzten Jahres in einer neuen, komplett umgebauten Version 6 vorgestellt.

Red Hat hat sein Systemmanagementtool Satellite in der neuen Version 6 grundlegend umgebaut.
Red Hat hat sein Systemmanagementtool Satellite in der neuen Version 6 grundlegend umgebaut. (Bild: Red Hat)

Red Hats Cloud Universum

In der Kategorie „Produkte / Cloud Computing“ fasst Red Hat handfeste Produkte wie die eigenen OpenStack-Distribution Red Hat Enterprise Linux OpenStack Platform, die IaaS Cloud Management Plattform CloudForms oder die Virtualisierungs-Management-Plattform Red Hat Enterprise Virtualization einerseits mit weiteren as-a-Service-Konzepten, Dienstleistungen und Subskriptions-Bundles zusammen.

Dass sich Red Hat Enterprise Virtualization auch in der Kategorie Cloud wiederfindet, liegt nicht nur daran, dass virtuelle Maschinen Fundament von Infrastructure-Clouds sind, sondern weil Red Hat RHEV mit der vor wenigen Wochen erst erschienenen neuen Version 3.5 auch aktiv als Management-Plattform für hybride Cloud-Architekturen anpreist, ähnlich wie es auch VMware mit vSphere 6 und der eigenen OpenStack Distribution tut.

Allerdings reichen die Möglichkeiten der RHEV-Management-Engine (RHEV-M) bei weitem nicht an Cloud Forms heran. Letzteres bietet erweitertes Virtualisierungs-Management und Private- oder Hybrid Cloud- Management unter einer gemeinsamen Oberfläche. Bleibt noch Red Hat Cloud Infrastructure zu nennen, was nichts anderes ist, als eine zentrale Subskription, die Aufbau und Verwaltung einer Private IaaS Cloud erlaubt, beziehungsweise vereinfachen soll.

Red Hat Cloud Forms

Dass Red Hat inzwischen eine der treibenden Kräfte hinter dem OpenStack-Projekt ist, dürfte sich herum gesprochen haben, obwohl OpenStack anfangs mit den eigenen Cloud-Technologien in Konkurrenz stand. Auf der anderen Seite ist die Hybrid-Cloud- und Virtualisierungs-Management-Plattform von red Hat CloudForms, das durch die Übernahmen des Cloud-Spezialisten ManageIQins Portfolio der Rothüte gelangte, auf das Ausrollen und Verwalten unterschiedlicher IaaS-Technologien ausgeleg. Vorhandene virtuelle Infrastrukturen können relativ schnell in hochgradig skalierbare Private-Cloud-Umgebungen verwandelt werden.

So beschleunigt CloudForms etwa seit Version 3.1 die Bereitstellung von OpenStack-Clouds unter anderem durch Automatisierung wichtiger Prozesse auf Red Hat Enterprise Linux und Red Hat Enterprise Linux OpenStack Plattform, wie Self-Service-Bereitstellungen, Workflow-Prozesse mit Genehmigungen, Auslastungs- und Kapazitätsplanung, das intelligente Platzieren von Workflows, Kontingenterzwingung und vieles mehr.

Cloud Forms bietet im Bereich Hybrid-Cloud-Management unter anderem ein Self-Service-Portal und Kataloge, Steuerelemente zur Verwaltung von Anfragen, beherrscht Kontingenterzwingung und -verbrauch, Chargeback und Kostenzuweisung sowie automatisierte Bereitstellung. OpenStack-Nutzer können so mit Cloud Forms den gesamten Lebenszyklus Ihrer OpenStack-Workloads verwalten, aber auch hybride Infrastrukturen, die auf Red Hat Enterprise Virtualization, oVirt (der Community-Variante von RHEV) oder VMware vSphere.

Im Bereich Virtualisierungsmanagement unterstützt CloudForms Monitoring und Tracking, Kapazitätsmanagement und -planung, Ressourcennutzung und -optimierung, Richtlinien für Zugriff und Nutzung und das beschriebene Workload Lifecycle Management.

Red Hat CloudForms erlaubt eine einheitliche Sicht und ein einheitliches Management der gesamten Cloud- und Virtualisierungsinfrastruktur und unterstützt das Provisioning mit Hilfe von Service Catalogs.
Red Hat CloudForms erlaubt eine einheitliche Sicht und ein einheitliches Management der gesamten Cloud- und Virtualisierungsinfrastruktur und unterstützt das Provisioning mit Hilfe von Service Catalogs. (Bild: Red Hat)

Enterprise Linux OpenStack Plattform

Was die IaaS-Technologie selbst angeht, konzentriert sich Red Hat mit seiner Red Hat Enterprise Linux OpenStack Plattform inzwischen ganz auf OpenStack und veröffentlichte erst Ende vergangenen Monats Version 6 seiner OpenStack-Distribution Red Hat Enterprise Linux OpenStack Platform, mit der Red Hat im Wesentlichen die vielen Neuerungen aus OpenStack 2014.2 (Juno) integriert. Als Basis-Distribution kommt allerdings (noch) Red Hat Enterprise Linux 7 zum Einsatz.

Die neue Version eignet sich laut Red Hat auch für Umgebungen, die Netzwerkfunktionen virtualisieren. Unter den Neuerungen sind vor allem IPv6-Unterstützung, Hochverfügbarkeit im OSI-Layer 3 und Single Root I/O Virtualization (SR-IOV) im Netzwerkbereich zu nennen. Letztere erlaubt es virtuellen Maschinen, Switch-Funktionen direkt auf der Hardware auszuführen, ohne dazu den Hypervisor zu adressieren.

Neu in Version 6 sind auch ein Identitätsdienst mit mehreren LDAP-Servern und vollständiger Support für das Data Processing-Modul (Sahara) von OpenStack. Dieses erlaubt das Verwalten von Clustern mit Apache Hadoop und Apache Spark. Die verbessere Ceph-Integration sorgt zudem dafür, dass sich neue virtuelle Maschinen sehr schnell starten lassen und ermöglicht das Einrichten von Knoten im OpenStack-Cluster, die ohne Festplatten betrieben werden.

Ganz neu in Red Hat Enterprise Linux OpenStack Platform 6 ist zudem, dass sich OpenStack-Knoten nicht mehr nur ausschließlich auf Basis virtueller Maschinen, sondern auch auf Basis von physischen Hosts einrichten lassen. Diese Funktion und die ebenfalls neue TipleO-Verwaltung sind aber noch als Technologievorschau eingestuft. Mit TripleO soll es künftig möglich sein, eine OpenStack-Cloud nur mit OpenStack-eigenen Mitteln installieren, aktualisieren und betreiben zu können.

Red Hats eigene OpenStack-Distribution hat sich zusammen mit CloudForms zur wichtigsten IaaS-Komponente in Red Hats Cloud-Portfolio entwickelt.
Red Hats eigene OpenStack-Distribution hat sich zusammen mit CloudForms zur wichtigsten IaaS-Komponente in Red Hats Cloud-Portfolio entwickelt. (Bild: Red Hat)

Cloud Innovation Practice

Zusammenfassend lässt sich zu Red Hats derzeitigem Cloud-Engagement ergänzen, dass das Unternehmen Anfang März eine Cloud Innovation Practice etabliert hat. Wer ernsthaft vor hat, eine Cloud-Strategie auf Basis von OpenStack und Red Hat-Technologien zu verfolgen, finden in Red Hats Cloud Innovation Practice ein weltweit agierendes Expertenteam, das Unternehmen umfassend beim Einstieg in die Cloud unterstützten soll.

Die Red Hat Cloud Innovation Practice stellt sowohl Lösungen und Services, wie zertifizierte Referenzarchitekturen, als auch eine agile Methodologie zur Verfügung, bietet aber auch Beratung, Training und Support. Außerdem definiert und entwickelt sie Standardprozesse und Regeln für die Cloud und DevOps-Umgebungen und bezieht dabei das gesamte aktuelle Portfolio von Red Hat mit ein, einschließlich Red Hat Enterprise Linux OpenStack Platform, OpenShift, Red Hat CloudForms und Inktank Ceph Enterprise.

OpenShift

Ferner ist im Bereich Cloud-Computing noch Red Hats PaaS-Plattform OpenShift zu nennen. Die richtet sich an Entwickler und ist wahlweise in den Varianten „Public PaaS“ in Form von OpenShift Online und „Private PaaS“ in Form von OpenShift Enterprise verfügbar ist. Neben der Community-Variante OpenShift Origin (hinter der Red Hat nur als Sponsor und Technologietreiber steht) ist OpenShift Online eine direkt von Red Hat gehostete Public PaaS, mit deren Hilfe Entwickler unmittelbar starten können, eigene Anwendungen vollständig in der Cloud entwickeln, erstellen, bereitstellen und hosten zu lassen.

OpenShift Enterprise basiert auf der gleichen Open Source PaaS Plattform, wie der gehostete Service, wird aber inklusive Support als Paket zur Installation Vor-Ort bei Kunden distributiert, die eine eigenen PaaS-Plattform im Unternehmen wünschen, um den eigenen Entwicklern eine standardisierte Anwendungsentwicklungsumgebung zur Verfügung zu stellen. So entsteht eine elastische On Demand Cloud-Plattform für Entwicklungsressourcen, die sich allesamt auf die gleiche Weise steuern und managen lassen.

OpenShift Commons

Erst Ende letzten Monats hat Red Hat übrigens mit OpenShift Commons eine neue Open Source Community ins Leben gerufen. Diese soll in erster Linie die Zusammenarbeit der Partner, die mit OpenShift arbeiten fördern und vertiefen. Derzeit beteiligen sich in der Community bereits etwa mehr als 30 Anwender und IT-Hersteller, darunter Docker, Dell, Amadeus, AppDirect, GetUp Cloud oder Shippable. Da OpenShift mehrere Best-of-Breed-Open-Source-Technologien wie OpenShift Origin, Docker, Google Kubernetes und Project Atomic integriert, ist die Idee nicht schlecht, solche Projekte in Form der OpenShift Commons Community zusammenzubringen, um die Verbreitung von Best Practices im OpenShift-Ecosystem zu fördern.

Red Hat Enterprise Linux Atomic Host

Die mit Abstand herausragendste unter den jüngst von Red Hat eingeführten Neuerungen ist Red Hat Enterprise Linux 7 Atomic Host, dem Datacenter Insider in der kommenden Woche einen ausführlichen Beitrag widmet.

Jim Totton, Vice President und General Manager, Platforms Business Unit bei Red Hat kommentierte den Lanch von Red Hats Containerdistribution mit; „"Vor zwölf Jahren lieferte Red Hat die erste Version von Red Hat Enterprise Linux aus. RHEL bei vielen Unternehmen heute den Backbone für die Unternehmens-IT, angefangen von Servern bis zur Cloud. Mit Red Hat Enterprise Linux 7 Atomic Host starten wir den gleichen Prozess für Linux-Container und kombinieren eine hochmoderne, offene Technologie mit der Stabilität und Sicherheit, die Unternehmen benötigen“.

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