50 Jahre Intel

Die 68er-Revolution in der IT-Welt

| Autor: Klaus Länger

AMDs Hammer und Intels Itanic

Der Athlon 64 X2 war die Dualcore-Version des 2003 präsentierten Athlon 64. Der unter dem Codenamen „ClawHammer“ entwickelte Prozessor und dessen Server-Variante Opteron („Sledgehammer“ waren die ersten x86-Prozessoren mit 64-Bit-Instruktionssatz). Mit ihnen konnte AMD nicht nur im Desktop- und im Server-Sektor erhebliche Marktanteile erobern, sie schickten auch Intels ehrgeiziges Itanium-Projekt letztlich in den Untergang.

In der IT-Branche trug der 64-Bit-Prozessor Itanium auch den Spitznamen „Itanic“. Den Prozessor hatte Intel gemeinsam mit HP seit 1994 entwickelt. Er nutzte eine Very-Long-Instruction-Word-Architektur, die bei HP entstanden war und aus der gemeinsam mit Intel die AI-64-Architektur wurde. Für x86-Systeme geschriebene Software konnte der Prozessor nur in einer Emulation ausführen.

2001 kam der erste Itanium auf den Markt. Mit ihm wollten Intel und HP den Markt für Server und Workstations übernehmen. Das gelang bedingt, da Itanium bei HP und Herstellern wie Compaq oder SGI deren RISC-Prozessoren verdrängte. Bei IBMs Power und Suns Sparc gelang das nicht.

Aber das Gros der Server blieb bei der x86-Architektur und mit AMDs Opteron stand hier auch ein zu bisheriger Software kompatibler Prozessor zur Verfügung. Der extrem komplexe und teure Itanium wurde von Intel immerhin noch bis 2017 weiter entwickelt und danach ohne große Fanfare beerdigt.

Intel konnte sich auf das Lizenzabkommen mit AMD berufen, um deren 64-Bit-Erweiterung für Pentium 4 und Xeon zu übernehmen. Aber eine Schlappe war es für die an Erfolg gewöhnte Firma trotzdem.

Rettung aus Israel

Die Rettung für Intel brachte der in der israelischen Dependance unter der Leitung von Mooley Eden entwickelte „Banias“. Der 32-Bit-Prozessor wurde auf der Cebit 2003 als Teil von Intel Mobil-Plattform Centrino vorgestellt. Intel hatte die Entwicklung angeschoben, da man erkannt hatte, dass sich der heiße und stromhungrige Pentium 4 nur schlecht in Notebooks verwenden lässt. Zuvor war Eden in Haifa an der Entwicklung von MMX und am P6 beteiligt gewesen.

Mit Banias nahm Eden Konzepte des Pentium III wieder auf und kombinierte sie mit einem zum Pentium 4 kompatiblen Bus-Interface. Damit wurde der Mobilprozessor im Prinzip zum Urvater aller späteren Core-Prozessoren. 2006 folgten die Yonah-Prozessoren Core Solo und Core Duo, letzterer mit zwei Kernen. Mit dem Core 2 Duo brachte die Firma noch im selben Jahr die ersten 64-Bit-Varianten der neuen CPU, die dann nicht nur in Notebooks (Merom), sondern auch in Desktop-PCs und Servern (Conroe) eingesetzt wurden.

Der nächste Schritt war die Weiterentwicklung der Core-Architektur zur Nehalem-Architektur. Mit ihr griff Intel die Hyperthreading-Technologie wieder auf und führte bei den 2008 präsentierten High-End-Modellen mit QuickPath Interconnect eine schnelle Verbindung zwischen Prozessor und der Northbridge des Chipsatzes ein, die den Frontside-Bus ablöste.

Zudem führte Intel ein neues Namensschema ein: Der neue High-End-Desktop-Prozessor mit Sockel 1366 trug den Namen Core i7. Im Jahr darauf folgten günstigere Core-Prozessoren mit im Prozessor integriertem Speichercontroller und nur zwei Speicherkanälen. Varianten mit nur zwei Kernen und mit vier Kernen ohne Hyperthreading komplettierten die Familie aus Core i3, Core i5 und Core i7. Diese Bezeichnungen wurden über die nächsten Generationen der Core-Prozessoren hinweg bis heute beibehalten.

Das Tick-Tock-Modell kommt ins Stolpern

Nehalem war der Auftakt für Intels Tick-Tock-Strategie, die im Prinzip bis 2014 durchgehalten hatte. Auf einen Die-Shrink mit minimalen Verbesserungen der Microarchitektur (Tick) folgte immer ein größerer Sprung in der Architektur (Tock). Wichtige Sprünge waren hier vor allem Sandy Bridge mit integrierter GPU und Ringbus-Interface sowie der folgende Die-Shrink mit 22-Nanometer-Herstellungsprozess und Tri-Gate-Transistoren.

Nach dem Schritt zu einem 14-Nanometer-Prozess mit Broadwell und Skylake als Architektur kam das Uhrwerk aber ins Stolpern: Aktuell hat Intel mit Coffee Lake die bereits vierte 14-Nanometer-CPU auf Skylake-Basis im Markt. Der eigentlich für 2017 geplante Schritt auf 10 Nanometer hat für die Massenproduktion immer noch nicht stattgefunden.

Zudem hat AMD nach der missglückten Bulldozer-Architektur mit Zen wieder eine leistungsstarke technische Basis. Daher ist den aktuellen Core- und Xeon-Prozessoren mit Ryzen und Epyc bei Desktop-PCs, Notebooks und Servern wieder eine ernstzunehmende Konkurrenz erwachsen. Zudem macht mit Qualcomm der erste Hersteller von ARM-Prozessoren ernsthafte Schritte, seine Prozessoren auch in Windows-Notebooks und Tablets unterzubringen – und zwar mit Unterstützung durch Microsoft.

Intels Atom-Unfall

Den Markt für Smartphone- und Android-Tablet-SoCs hat Intel wiederum komplett den ARM-Herstellern überlassen. Den Versuch, dort mit den Prozessoren der Atom-Familie Fuß zu fassen, brach die Firma 2016 nach herben Verlusten ab und verkaufte die sparsamen Prozessoren nun primär für Low-Cost-PCs und für Storage-Geräte. Auch den Ausflug in den Wearables-Sektor mit dem Atom-basierten Edison beendete der Chip-Hersteller im vergangenen Jahr.

Ein weiterer Stolperstein für Intel sind die Sicherheitsprobleme durch Schwachstellen in der Prozessorarchitektur, die Intel am härtesten getroffen haben und die nun ausgeräumt werden müssen. Die dafür blockierten Entwickler stehen natürlich nicht für das Design neuer Prozessoren zur Verfügung.

Und weiter?

Während sich Intel bei Produkten für Server und Storage im lokalen Rechenzentrum oder der Cloud und für HPC wenig Sorgen machen muss, fehlt es an Innovationen für Desktop und Notebook. Hier hat sich das Unternehmen zu lange auf den Erfolg der Core-Prozessoren verlassen.

Für den Mobile-Markt sollte die Firma vielleicht die alte Wintel-Allianz wiederaufleben lassen, um die IT-Welt mit einem revolutionären Produkt zu beglücken. Und Intel sollte die alte Regel von Andy Grove beherzigen: Nur die Paranoiden überleben.

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