50 Jahre Intel

Die 68er-Revolution in der IT-Welt

| Autor: Klaus Länger

Intel 8086: Der Lückenbüßer wird zum Star

Im Jahr 1974 verließ Federico Faggin Intel, um gemeinsam mit seinem ehemaligen Intel-Kollegen Ralph Ungermann den Prozessorhersteller Zilog zu gründen. 1975 folgte auch Shima zu Zilog. Mit dem Z80 hatte Zilog schon bald einen Prozessor im Programm, der softwarekompatibel zu Intels 8080 war, aber viel schneller und mit doppelt so vielen Registern ausgestattet. In der Folgezeit wurde der Z80 in vielen Homecomputern und Spielekonsolen verwendet.

Weitere Konkurrenzprodukte waren der Motorola 6800 und der MOS 6502, der beispielsweise im Apple II und den ersten Commodore-Rechnern eingesetzt wurde. Intel konterte mit dem 8085, einer stärkeren Weiterentwicklung des 8080.

Um bei den Prozessoren einen großen Vorsprung zu erringen, startete Intel das Projekt 8800, ein hochkomplexer 32-Bit-„Micromainframe“ bestehend aus drei Chips. Letztlich sollte die Fertigstellung des inzwischen iAXP 432 genannten Prozessors bis 1981 dauern. Der Prozessor mit eigenem iMAX-432-Betriebssystem war ein Flop und wurde 1986 eingestellt.

Das Rennen um 16-Bit-Prozessoren

Da sich bereits 1976 abzeichnete, dass sich der 8800 immer weiter verzögerte und gleichzeitig Gerüchte über kommende 16-Bit-Prozessoren von Zilog und Motorola die Runde machten, beauftragte Intel ein zweites kleines Team mit der Entwicklung eines Lückenbüßers, des Intel 8086. Der Software-Ingenieur Stephen Morse, der zuvor einen kritischen Bericht über den 8800 verfasst hatte, wurde mit der Entwicklung der Architektur des 8086 beauftragt. Seine Aufgabe: Der neue 16-Bit-Prozessor sollte deutlich schneller als der 8080, aber trotzdem zu dessen 8-Bit-Software kompatibel sein.

Morse löste die Aufgabe in Rekordzeit. Im Juni 1978 kam der Prozessor auf den Markt.

Da Intel auf dem Markt für Arbeitsspeicher immer stärkere Konkurrenz durch japanische Hersteller zu spüren bekam, deren RAM-Chips besser und billiger als die von Intel waren, wurde der Prozessormarkt für den Hersteller aus Santa Clara immer wichtiger. Hier bekam Intel 1979 durch den 16/32-Bit-Prozessor Motorola 68000 und den 16-Bitter Zilog Z8000 verstärkt Konkurrenz.

Mit der „Operation Crush“ startete Intel eine Marketing-Kampagne, die zwar primär gegen Motorola gerichtet war, unter der aber vor allem Zilog zu leiden hatte, das 1980 von Exxon übernommen wurde. Zwar war man sich bei Intel bewusst, dass der 68000 und wohl auch der Z8000 als Prozessoren leistungsfähiger waren, als der eigene 8086, fand aber trotzdem einen Weg, die Kunden von Motorola und Zilog abzubringen.

Die Intel-Sales-Ingenieure argumentierten damit, dass Intel die bessere Gesamtlösung biete, bestehend aus Prozessor, zusätzlichen Chips und einer Entwicklungsplattform mit der nötigen Software. Diese Argumente zogen und die Verkäufe von Intel-Prozessoren liefen besser denn je.

Intel, IBM und Microsoft: Der Beginn der PC-Ära

Zum entscheidenden Geschäft für Intel wurde ein weiterer Lückenbüßer, diesmal von IBM. Big Blue beherrsche seinerzeit zwar den Markt für Mainframes und war auch neben DEC bei den Minicomputern erfolgreich, hatte aber den aufkommenden Home- und Personal-Computern zunächst nichts entgegenzusetzen.

Die mit IBM-Chips ausgestattete Serie 5100, die Ende 1975 auf den Markt kam, war zu teuer und wurde ein Flop. Da Ende der 1970er-Jahre bei IBM die Zeit drängte, wich die Firma bei Prozessor und Betriebssystem auf Produkte anderer Hersteller aus. Intel bekam den Zuschlag für den Prozessor, die kleine Software-Firma Microsoft für das Betriebssystem. Als CPU diente mit dem Intel 8088 eine „Sparversion“ des 8086 mit interner 16-Bit-Architektur aber 8-Bit-Busdesign. Von IBM selbst stammte eigentlich nur das BIOS des neuen Rechners.

Da der im August 1981 vorgestellte IBM PC 5150 für einen Rechner von Big Blue mit knapp 1.600 US-Dollar sehr günstig war, wurde er zum Erfolg. Da es IBM versäumt hatte, sich Exklusivrechte am Betriebssystem zu sichern, konnten andere Computerhersteller das BIOS per Reverse-Engineering nachbauen und selbst IBM-kompatible Rechner herstellen. Für Intel und für Microsoft bedeutete das den Aufstieg zum führenden Prozessor- beziehungsweise Software-Hersteller.

AMD: Von der Second Source zum größten Gegner

Anfang der 1980er-Jahre vergab Intel noch relativ problemlos Lizenzen für seine Chips an andere Unternehmen. Diese Praxis resultierte auch daraus, dass Kunden wie IBM eine zweite Quelle für die benötigten Bausteine forderten. Intels 8086 und 8088 wurden daher auch von Firmen wie AMD, Harris, Fujitsu, Siemens oder NEC hergestellt. Teilweise auch mit internen Verbesserungen und höherer Taktfrequenz. Auch beim 1982 vorgestellten 80286 – er bildete die Basis des IBM AT Typ 5170 – behielt Intel diese liberale Lizenzpraxis bei. Vom 8086 unterschied sich der 80286 durch seine 24 statt 20 Adresslinien und die Einführung des Protected Mode.

Zu AMD hatte Intel ein gespaltenes Verhältnis. Die Firma wurde 1969 von einer Gruppe ehemaliger Fairchild-Semiconductor-Ingenieure gegründet. President der Firma wurde Jerry Sanders, der die Firma bis 2002 leiten sollte. Zu den Investoren für das Startkapital gehörte auch Robert Noyce. Bereits 1976 wurde ein erstes Cross-Licensing-Abkommen zwischen Intel und AMD geschlossen und trotz diverser Patent- und Antitrust-Klagen beider Seiten immer wieder verlängert.

Mit dem 80386 brachte Intel 1985 seinen ersten 32-Bit-x86-Prozessor auf den Markt. Er war besser für Multitasking geeignet als der 286 und konnte prinzipiell bis zu vier Gigabyte physikalisch vorhandenen Arbeitsspeicher adressieren. Später gab es mit dem 80386SX eine Sparversion mit 16-Bit-Bus und maximal 16 MB Hauptspeicher.

Der von John H. Crawford entworfene 80386 wurde zuerst von Compaq eingesetzt, IBM folgte erst später mit den PS/2-Systemen. Der 386er bildete auch den Auftakt zu einem langjährigen Rechtsstreit zwischen Intel und AMD. Deren Am386 war ein Klon von Intels i386.

Da Intel der Auffassung war, dass die Fertigungslizenz von AMD nur CPUs bis zum 80286 abdeckte und der Name 386 geschützt sei, zog die Firma vor Gericht. Erst 1991 gewann AMD den Prozess und konnte mit der Auslieferung des Prozessors beginnen.

Der nächste Zwischenschritt für Intel war der i486 mit höherer Leistung, internem SRAM-Cache und integrierter Fließkommaeinheit (FPU). Er wurde federführend von Crawford und Pat Gelsinger entwickelt. Gelsinger wurde später der erste CTO von Intel und führte die Intel Developer Conference ein. Neben dem i486DX gab es noch eine Sparvariante i486SX ohne FPU.

Der Upgrade-Prozessor i487SX für 486-SX-Systeme war im Prinzip ein vollwertiger 486er mit FPU, der SX-Prozessor wurde komplett deaktiviert. Die AMD-Version den 486ers war Anlass für einen weiteren Rechtsstreit, in dem Intel erneut eine Schlappe hinnehmen musste. AMD bekam Zugriff auf die Microcodes von Intels 386 und 486, aber nicht mehr auf die folgenden Prozessoren.

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