Gespräch mit dem Microsoft-Strategen Werner Leibrandt

„Deutschland verliert den Anschluss im Cloud-Geschäft“

| Redakteur: Michael Hase

Werner Leibrandt, bei Microsoft für Wettbewerbsstrategie zuständig, fordert von Partnern mehr Engagement im Cloud-Business.
Werner Leibrandt, bei Microsoft für Wettbewerbsstrategie zuständig, fordert von Partnern mehr Engagement im Cloud-Business. (Microsoft)

Der Microsoft-Stratege Werner Leibrandt konzentriert sich ab sofort ganz auf den Rivalen Google. Mit Sorge beobachtet der Manager, dass Deutschland im Cloud-Business hinter anderen Ländern mit einigem Abstand hinterherhinkt. Verantwortlich dafür macht Leibrandt unter anderem den Channel, der aus „der Komfortzone heraus“ müsse.

Werner Leibrandt ist seit eingen Tagen bei Microsoft für die Konzernstrategie im Wettbewerb mit Google verantwortlich. Bevor er in diesem Monat nach Redmond gewechselt ist, kümmerte er sich bereits bei Microsoft Deutschland als Leiter Markt und Wettbewerbsstrategie um den Konkurrenten im Cloud-Business.

Hierzulande gelang es Microsoft zwar, den Rivalen mit dessen Mail- und App-Angebot ebenso wie andere Cloud-Player in Schach zu halten. „Was den Wettbewerb angeht, sehen wir uns in Deutschland in einer komfortablen Situation.“ Microsoft blieb mit seinem Cloud-Service Office 365 aber selbst hinter den Erwartungen zurück. „Der deutsche Markt hinkt beim Cloud Computing im internationalen Vergleich rund 18 Monate hinterher“, nennt Leibrandt als Grund dafür.

„Wir verlieren den Anschluss, und das werden wir spüren“, sagte der Manager im Gespräch mit IT-BUSINESS kurz vor seiner Abreise in die USA. Der Rückstand beim Cloud Computing bremse Deutschland in puncto Innovationsgeschwindigkeit aus. „Wir beschneiden uns bei den Möglichkeiten, neue Technologien einzusetzen, mit denen sich Services schneller bereitstellen und Daten mit unterschiedlichen Geräte-Screens abrufen lassen.“

Hybride Szenarien

Mit Office 365 bietet Microsoft Dienste wie E-Mail und Collaboration, File-Sharing und Unified Communications (UC) aus der Public Cloud an. Die Experton Group sieht die Stärke des Offerings darin, dass sich in Kombination mit den On-Premise-Produkten des Software-Riesen hybride Szenarien abbilden lassen, wie die Analysten in ihrem Cloud Vendor Benchmark schreiben.

Für ermutigend hält Leibrandt die Zahlen des Cloud Monitor, den der Branchenverband Bitkom im Februar vorgelegt hat. Demnach ist der Anteil der Unternehmen, die gegenüber der Cloud aufgeschlossen sind, im vergangenen Jahr von 28 auf 35 Prozent gestiegen. „Die Entwicklung geht in die richtige Richtung. Der Abstand zu den anderen Ländern bleibt aber bestehen.“

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Trägheit im Channel

Für diesen Abstand verantwortlich macht der Marktexperte nicht nur die Skepsis der Endkunden gegenüber der Cloud, sondern auch die Trägheit im Channel. Solange Systemhäuser noch gut vom klassischen Lizenz- und Projektgeschäft leben könnten, wollten viele „nicht aus ihrer Komfortzone heraus“.

Natürlich fallen für Partner der Lizenzverkauf, damit verbundenes Hardware-Geschäft und die Installation der Software weg, wenn sich Kunden umstellen und eine Anwendung aus der Cloud beziehen. Das räumt auch der frühere Systemhaus-Manager ein. „Auf der anderen Seite entstehen aber neue Geschäftschancen.“

Als Beispiele dafür nennt er Dienstleistungen wie Cloud-Beratung und Migrationen. Wenn ein Kunde in die Cloud gehe, müsse er oft einen Teil seiner Client-Infrastruktur modernisieren. „Außerdem zieht die Transformation fast immer Folgeprojekte nach sich.“ Insbesondere für Themen wie UC oder Customer Relationship Management (CRM) biete Office 365 mit den Kernkomponenten Exchange, Sharepoint und Lync zahlreiche Anknüpfungspunkte.

Welche Rolle Azure in Microsofts Hybrid-Cloud-Strategie spielt, lesen Sie auf der nächsten Seite.

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