OpenStack-Experten dringend gesucht

Der Weg zum OpenStack-Dreamteam

| Autor / Redakteur: Yih Leong Sun et al. / Ulrike Ostler

Die Schaffung eines soliden OpenStack-Teams ist der Schlüssel dafür, dass Organisationen OpenStack und die zugehörigen Technologien heute und morgen in vollem Umfang nutzen können.
Die Schaffung eines soliden OpenStack-Teams ist der Schlüssel dafür, dass Organisationen OpenStack und die zugehörigen Technologien heute und morgen in vollem Umfang nutzen können. (Bild: © gustavofrazao - Fotolia)

Die Stellenbesetzung ist bei jeder Cloud-Implementierung, mit und ohne OpenStack essenziell. Da Cloud-Computing grundlegend in Geschäftsabläufe und -kulturen eingreift, trägt die richtige Teamstruktur entscheidend dazu bei, dass alle Beteiligten am selben Strang ziehen. Doch: Wie sollte ein Dreamteam besetzt sein?

Nach Aussage von derzeitigen geschäftlichen Nutzern bietet die OpenStack-Cloud-Plattform Unternehmen wesentliche Vorteile im Hinblick auf Flexibilität, Geschwindigkeit, Kosten und betrieblicher Effizienz. Leider hat aber nicht jede Firma genügend Personal mit den richtigen Qualifikationen oder die passende Unternehmenskultur für die Implementierung von OpenStack.

OpenStack ist mit einer ganzen Reihe von Cloud-Umgebungen kompatibel, wie privaten und öffentlichen Clouds, direkt vor Ort oder auch extern gehostet. Dieser Artikel wirft einen Blick auf das Personal, das für die erfolgreiche Implementierung einer privaten Cloud vor Ort notwendig ist. Es wird untersucht, wie man das notwendige Personal identifiziert, feststellt, ob bereits intern vorhandenes Personal dafür geeignet ist und wie sich schließlich geeignete Mitarbeiter finden und einstellen lassen, um eventuelle Lücken zu füllen.

Dr. Yih Leong Sun und andere haben den Beitrag zur Bildung und Ausbildung von OpenStack-Teams verfasst.
Dr. Yih Leong Sun und andere haben den Beitrag zur Bildung und Ausbildung von OpenStack-Teams verfasst. (Bild: OpenStack Foundation)

Mit anderen Worten: Es geht um den Weg zum OpenStack-Dreamteam.

Für die Zusammenstellung eines Teams aus professionellen Mitarbeitern, die alle Vorteile von OpenStack und den zugehörigen Technologien in vollem Umfang nutzen können, gibt es drei wesentliche Gesichtspunkte: Die Stellenbeurteilung, das Stellenprofil und die Personalressourcen. Vor den personalpolitischen Überlegungen zu einer OpenStack-Implementierung ist es jedoch wichtig, das gewünschte Ergebnis klar zu definieren.

Die folgenden Fragen können als Richtlinien bei der Vorbereitung der Stellenbesetzung dienen:

  • Welche und wie viel Auslastung wird erwartet, und wie variabel ist diese?
  • Wie sieht der gewünschte Endzustand der Implementierung aus? Welches Ausmaß wird sie haben, und wie schnell soll der Endzustand erreicht werden?
  • Wie sieht der Zeitplan für jede Phase der Implementierung aus?
  • Welche Gesamtgröße soll die Plattform einnehmen?
  • Welche Mitarbeiter im Unternehmen sollten in die Definition der OpenStack-Gesamtstrategie einbezogen werden?

Die Stellenbeurteilung

Stellenbeurteilungen dienen zur Überprüfung der Gesamtziele eines Projekts und zur Identifikation der für jede Phase der Implementierung benötigten Kompetenzen. Eine OpenStack-Implementierung besteht meist aus den folgenden Phasen:

  • Konzeptnachweis (POC = Proof of Concept): Der Schwerpunkt liegt auf dem geplanten Einsatz als Ganzes und auf den Anfangszielen.
  • Pilotphase: Dient als Belastungstest, betrachtet anzunehmende Grenzfälle und untersucht die Anforderungen zu Produktionsbeginn.
  • Produktion: Konzentriert sich auf die Implementierung des Programms und die langfristigen Ziele.

Es ist wichtig die Stellenbesetzung in jeder Phase eines Projekts zu beurteilen. So wird die Zielerreichung sichergestellt und zukünftige Änderungen können vorhergesehen werden. Wichtig ist es auch, die Anforderungen für die Stellenbesetzung regelmäßig neu zu bewerten, weil sich technische Anforderungen stets ändern.

Bei der Beurteilung einer Stellenbesetzung sollten folgende Gesichtspunkte betrachtet werden:

  • Externe Unterstützung: Viele Organisationen mit großen Erstimplementierungen und schnellem Produktionsanlauf haben von externer Unterstützung profitiert, entweder durch ein gesteuertes oder unterstütztes verteiltes Verbrauchsmodell.
  • Geteilte Ressourcen: Abhängig von den Kompetenzen der verfügbaren Ressourcen besteht die Möglichkeit, eine geteilte Ressource für die zeitlich begrenzte Schulung und Teambildung einzusetzen. Umgekehrt kann auch das Team selbst bei der Identifikation und Festlegung der notwendigen Kompetenzen zukünftiger Mitarbeiter helfen und sie anschließend einarbeiten.
  • Umplanung von Ressourcen: Beim Verlegen von vorhandenen und zukünftigen Applikationen in die OpenStack-Cloud können Mitarbeiter vom jeweiligen Applikations-Team in das Cloud-Team umgeplant werden, damit sie sich an der erfolgreichen Entwicklung der Infrastruktur beteiligen können.

Das Stellenprofil

Ein Stellenprofil legt die Rollen fest, die gemäß den Implementierungszielen bei jeder Phase der Implementierung benötigt werden. Die Ansprüche an solche Stellen sind von einem Unternehmen zum anderen verschieden und hängen von den Projektdetails ab. Es gibt keinen Universalstandard für alle Cloud-Implementierungsstrategien.

Oft wird die Frage gestellt: „Wie viele Mitarbeiter werden für den Betrieb einer OpenStack-Cloud benötigt?“ Darauf gibt es keine eindeutige Antwort, die für jedes Unternehmen passt, weil beim Cloud-Computing die Grenzen zwischen verschiedenen internen Teams und Mitarbeitern verschwimmen.

Die folgende Tabelle basiert auf Erfahrungen von OpenStack-Nutzern in der Produktionsbranche und zeigt die wichtigsten Rollen während der drei Implementierungsphasen.

Tabelle: Die wichtigsten Rollen während der drei Implementierungsphasen.
Tabelle: Die wichtigsten Rollen während der drei Implementierungsphasen. (Bild: Yih Leong Sun et al.)

Diese Rollen bilden allerdings die notwendige Mitarbeiterzahl nicht ab, weil einzelne Personen, abhängig von ihrer Erfahrung und dem gewählten Verbrauchsmodell, durchaus mehrere Rollen ausfüllen können. Manche Organisationen bilden ihr OpenStack-Team aus dem Plattform-Team, zusammen mit Fachleuten für Speicherung und Sicherheit. Andere wiederum besetzen ihr OpenStack-Team mit Mitarbeitern, die sich zu 100 Prozent dem OpenStack-Projekt widmen, damit die hierfür benötigten Ressourcen immer und überall verfügbar sind.

Die Wissensressourcen

Natürlich braucht niemand eingestellt zu werden, wenn ein vorhandener Mitarbeiter schon die gesuchten Kompetenzen vorweisen kann. Allerdings muss zuerst sichergestellt werden, dass diese Kompetenzen auch tatsächlich da sind. Deshalb müssen bei der Vorbereitung der Stellenbesetzung die verfügbaren Kompetenzen und Ressourcen zunächst identifiziert werden. Erst danach kann das Unternehmen auch vernünftig festlegen, welche Kompetenzen fehlen bzw. welches Personal eingestellt bzw. unter Vertrag genommen werden sollte.

Bei der Zusammenstellung eines Cloud- beziehungsweise OpenStack-Teams sind die folgenden Erfahrungen und Kompetenzen gefordert:

  • Linux/Unix: Kenntnisse in CLI (Command-line Interface) sowie Systemadministration
  • Cloud-Computing und Virtualisierungskonzepte: Fähigkeit zur Unterscheidung der Konzepte und Technologien zwischen Cloud- bzw. Virtualisierungsplattformen
  • Konfigurationsverwaltung: Erfahrung in der Arbeit mit Scripts, bei der Fehlerbehebung und in Automatisierung
  • Entwicklung: Erfahrung mit dem Schreiben von Design-Spezifikationen und mit Software-Aktualisierungen von Cloud-Plattformen
  • IT: Erfahrungen mit Betriebssystemen, Hypervisoren, Netzwerkprotokollen sowie Plattform-Patching und Wartung
  • Cloud-Betrieb: Erfahrung in der Sicherung des geordneten Plattformbetriebs, bei der Fehlersuche und beim Erfüllen der Kapazitätserwartungen
  • Support: Erfahrung mit Automatisierungs- und Überwachungssystemen

Der Report “OpenStack is Ready – are You?” von Forrester Research listet fünf weitere, von erfahrenen OpenStack-Nutzern stammende Anforderungen für die Stellenbesetzung:

Systemarchitekten, die sich mit verteilten Systemen auskennen. Hier handelt es sich um eine sehr technische Rolle. Die von Forrester befragten Unternehmen bewerten Bewerber zu 80 Prozent nach ihrem technischen IT-Wissen und nur zu 20 Prozent nach Bedienungsgesichtspunkten.

  • Drei bis fünf Bediener mit Erfahrungen in Linux-Administration beziehungsweise Open-Source-Technologie. Dieses Team bietet Unterstützung bei der Fehlerbehebung und Beantwortung von Help-Desk-Anfragen, wofür etwa 60 Prozent Bedienungserfahrung und 40 Prozent technisches Wissen benötigt wird.
  • Ein Infrastruktur-Team in Rufbereitschaft. Es ist wichtig, erfahrene Infrastruktur-Fachleute vorzuhalten, die bei Problemen mit der Hardware, dem Netzwerk oder dem Datenzentrum helfen können.
  • Ein Team moderner Entwickler mit Erfahrungen in Infrastrukturkonfiguration. Man benötigt Entwickler, die sich gut mit den neuesten Entwicklungs-, Implementierungs- und Cloud-Architektur-Werkzeugen beziehungsweise Trends auskennen, damit sie nachhaltige Anwendungen schaffen können.
  • Ein förderndes Mitglied der Geschäftsführungsebene. Vor dem Beginn einer solchen Implementierung sollte sichergestellt werden, dass auf höchster Ebene der Wert der OpenStack-Initiative unterstützt und anerkannt wird.

Zukünftige Entwicklungen vorhersehen

Ziel ist es, ein Team zu schaffen, das über die gesamte Dauer des OpenStack-Projekts und auch danach erfolgreich ist. Deshalb ist es wichtig, interne Kandidaten nachzuziehen, zum Beispiel durch Schulungen und Förderung junger Mitarbeiter. Auch ein Praktikantenprogramm ist eine gute Möglichkeit, erfahrenes Personal für die Zukunft zu gewinnen.

Es gibt ein erstes Zertifizierungsprogramm der OpenStack Foundation.
Es gibt ein erstes Zertifizierungsprogramm der OpenStack Foundation. (Bild: https://www.openstack.org/coa/)

Auch möglich: die Suche nach Bewerbern, die die Schulungen zum Certified OpenStack Administrator (COA), dem ersten professionellen Zertifizierungsprogramm der OpenStack Foundation, bestanden haben, oder man motiviert vorhandene interne Mitarbeiter zum Ablegen dieser Zertifizierung. Wer die COA-Zertifizierung abgelegt hat, zeigt damit, dass er die grundlegenden Komponenten für den Betrieb einer OpenStack-Cloud kennt, also unter anderem die OpenStack-Cloud-Komponenten, Identitäten, Nutzung, Objektspeicherung, Netzwerk, Image-Verwaltung, Feinabstimmung und Fehlersuche.

Das OpenStack Job Board eignet sich natürlich besonders gut für die Ausschreibung von Stellen für OpenStack-Fachpersonal.

Hinweis: Vom 25. bis zum 28- Oktober 2016 findet der nächste OpenStack-Summit statt, in Barcelona.

* Dr. Yih Leong Sun et al.von der OpenStack Enterprise Working Group und OpenStack Foundation.

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