Wie passt sich der Mainframe an moderne Technik an? Teil 1: Fujitsu Der Großrechner behauptet sich zwischen Kontinuität und Innovation

Autor / Redakteur: Kriemhilde Klippstätter / Ulrike Ostler

Handys werden wieder größer. Gleiches gilt auch für Rechenzentren. Und die IT? Setzt man dort verstärkt wieder auf Mainframes? Was sagen die wenigen verbliebenen Anbieter von Großrechnerarchitekturen – IBM, Fujitsu und Bull – zu ihren Strategien für die Zukunft der Rechenboliden? Tei1: Fujitsu

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Das Gesicht zu den Fujitsu-Großrechnern: Rolf Strotmann, Vice President Enterprise Server, Software & Solution Services bei Fujitsu, betreut rund 100 Mainframe-Kunden.
Das Gesicht zu den Fujitsu-Großrechnern: Rolf Strotmann, Vice President Enterprise Server, Software & Solution Services bei Fujitsu, betreut rund 100 Mainframe-Kunden.
(Bild: Fujitsu Technology Solutions)

Für Rolf Strotmann, Vice President Enterprise Server, Software & Solution Services bei Fujitsu, ist die Sache klar: „Wir stellen unseren Mainframe-Kunden eine zuverlässige Ablaufumgebung für langfristige Nutzung bereits getätigter Investitionen zur Verfügung.“

Das ist wichtig, weil der Hersteller vorrangig Geschäft mit Bestandskunden macht. Und die sind es gewohnt, dass ihre Standard-Server zirka alle drei Jahre abgelöst werden, die Mainframes aber im Schnitt fünf bis sieben Jahre installiert bleiben. Die Langlebigkeit hat im Großrechnergeschäft also eine besondere Bedeutung und das gilt nicht nur für die Rechner selbst, sondern auch für das daran angeschlossene Ökosystem, sprich Peripheriegeräte wie Speicher, Drucker und natürlich die Software.

Offenheit ++

Neben dieser Kontinuität soll der Mainframe aber auch in der Lage sein, sich für neue Strömungen in der IT zu öffnen. „Offenheit ist ein wichtiges Kriterium. Denn mittlerweile ist das Umfeld, in dem sich der Mainframe bewegt, von Standards wie TCP/IP oder Java geprägt“, erklärt Strotmann. Dazu kommen die großen Neuerungen in der IT-Entwicklung, also Internet, Vernetzung, Mobility, denen auch ein Mainframe Rechnung tragen muss. Wer das nicht beherrscht, wird aussortiert.

Offenheit ist zwar – in der Sprache der Mathematik – ein notwendiges aber nicht hinreichendes Kriterium für den Mainframe. Er muss diese Neuerungen auch bedienen können, sich also in ein Rechenzentrum mit offenen Systemen integrieren lassen. Fujitsu hat dazu die Middleware-Produktsuite „Open SEAS“ entwickelt.

Sie erlaubt laut Produktbeschreibung „die einfache Integration einzelner Programme in eine umfassende IT-Infrastruktur, z.B. die kostengünstige Web-Integration von Legacy-Anwendungen, die durchgängige Unterstützung von Geschäftsprozessen und die Anpassung der Benutzeroberfläche der Zielanwendungen auf die Größe des Displays des jeweiligen mobilen Systems“. Anpassung und Integration vom Großen bis hin zum Kleinen also - auf dem Weg zur Service-orientierten Architektur (SOA).

Rolf Strotmann ist Vice President Enterprise Server, Software & Solution Services bei Fujitsu.
Rolf Strotmann ist Vice President Enterprise Server, Software & Solution Services bei Fujitsu.
(Bild: Fujitsu Technology Solutions)

Diese Strategie verfolgen auch IBM und – mit Abstrichen – auch Bull. Die drei Hersteller versuchen allerdings auf unterschiedlichen Wegen hin zu „offenen“ Mainframes zu gelangen, die sich in moderne Rechenzentrumsarchitekturen integrieren.

Fujitsu fusioniert

Aktuell ist Fujitsu – ähnlich wie Bull - mit zwei Mainframe-Linien am Markt präsent: Die „S“-Serie am oberen Leistungsende in 390-Architektur und die „SQ“-Linie, die mit Intels Xeon-Prozessoren arbeitet. Das wird sich noch in diesem ändern, denn Fujitsu wird die Prozessoren der /390 Linie mit denen der x86.Linie „verheiraten“.

Die Multiprozessoreigenschaften und die damit einhergehende enorme Systemskalierbarkeit – aktuell von 12 bis 5.000 RPF – garantieren ein nahezu uneingeschränktes Wachstum bis in den High-End-Bereich ohne Systemwechsel.
Die Multiprozessoreigenschaften und die damit einhergehende enorme Systemskalierbarkeit – aktuell von 12 bis 5.000 RPF – garantieren ein nahezu uneingeschränktes Wachstum bis in den High-End-Bereich ohne Systemwechsel.
(Quelle: Fujitsi Technology Solutions)

Die beide Architekturwelten und Rechnerfamilien sollen innerhalb einer „SE“-Linie weitergeführt werden. Die Partitionen der zukünftigen Rechner sollen sich in dreierlei Varianten konfigurieren lassen: als 390-Ablaufumgebung (bisher S-Serie), als „BS2000“-Ablaufumgebung mit Intel-Architektur (bislang SQ-Linie) oder als reine Intel-Maschine für Windows oder Linux.

Mischvarianten sind ebenfalls möglich. Als x86-Hardware-Plattform liegen Fujitsus „Primergy“-Server zugrunde. Die Vorteile der Hybrid-Maschine beschreibt Fujitsu-Manager Strotmann: „Die ganze Recheninfrastruktur liegt unter einer Mainframe-Haube mit allen Vorteilen des Großrechner-Managements auch für Lasten aus dem Intel-Bereich.“ Damit lassen sich Intel-Farmen reduzieren und dem Mainframe zusätzliche Lasten als Web- oder Linux-Server zuführen.

Kommunikation ist alles

Damit der Datentransfer im SE-Mainframe reibungslos funktioniert, hat Fujitsu die internen Kommunikationswege zwischen den Partitionen optimiert. Eine High-Speed-Kopplung erlaubt es, dass die Lasten zwischen der Mainframe- und der Intel-Seite passgenauer als früher aufgeteilt werden können.

Als Beispiel nennt Strotmann eine Datenbank, die früher komplett unter BS2000 lief und im neuen System so zugeschnitten werden kann, dass der Datenbank-Handler auf der Intel-Partition betrieben wird und die Applikationslogik im Mainframe-Teil.

Als Vorteile der neuen Art der Datenverarbeitung und Datenhaltung nennt der Manager insbesondere erhöhte Flexibilität und geringere Kosten. Strotmann sieht noch weitere Anwendungsszenarien für den Hybrid-Mainframe: „Es lassen sich aber auch Aufgaben auslagern, etwa wenn Leistungsgrenzen erreicht oder neue Techniken verfügbar sind.“

Die Software passt sich an

Er nennt als Beispiel Druckerprogramme, die über ein Netzwerk laufen. Dafür müssen nur ein neuer Zuschnitt in der Anwendungslogik und kein komplett neues Design erfolgen.

Fujitsu ist derzeit damit beschäftigt, die Software für die neuen SE-Mainframes tauglich zu machen. Die neue Version 10 des BS2000-Betriebssystems soll bereits SE-Unterstützung bieten. Strotmann sieht den Lebenszyklus der Fujtsu-Mainframes damit für mindestens weitere zehn Jahre gesichert, ohne dass die Anwender auf BS2000 gefesselt werden. Vielmehr sollen Möglichkeiten geboten werden, „dass sich Kunden in viele Richtungen weiterentwickeln können“, erwartet der Manager.

Die Autorin:

Kriemhilde Klippstätter ist freie Autorin und Coach in München.

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