Ein Viertel der europäischen RZ-Kapazität stellt Deutschland – noch Der Energieverbrauch von Rechenzentren steigt und steigt

Autor / Redakteur: Ralph Hintemann* / Ulrike Ostler

Heute sind die jüngsten Zahlen zum größten Rechenzentrumsmarkt in Europa erscheinen: Deutschland. Veröffentlicht werden sie von den Zukunftsforschern des Borderstep-Instituts. Eine Studie hat die Investitionen in Datacenter-Infrastruktur ermittelt aber auch den Strombedarf bis zum Jahr 2020.

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Anstieg beim Energiebedarf der Server und Rechenzentren in Deutschland in den Jahren 2000 bis 2020.
Anstieg beim Energiebedarf der Server und Rechenzentren in Deutschland in den Jahren 2000 bis 2020.
(Bild: Borderstep Institut)

Für die Rechenzentrumsbranche in Deutschland ist es zunächst mal eine gute Nachricht: Im Jahr 2014 wuchsen die Rechenzentrumskapazitäten hierzulande stärker als in den Jahren zuvor. Der Umsatz mit Servern, Speicher- und Netzwerkhardware, aber auch die Ausgaben für den Neubau und die Modernisierung der Rechenzentrumsinfrastruktur stiegen deutlich an.

Unschöner Nebeneffekt: Auch der Stromverbrauch der deutschen Rechenzentren nahm im vergangenen Jahr wieder merklich zu – und bis 2020 ist mit einer weiteren Erhöhung des Stromverbrauchs zu rechnen. Dies sind Ergebnisse einer aktuellen Untersuchung des Borderstep Instituts zur Entwicklung der Rechenzentren in Deutschland im Jahr 2014.

Anstieg bei der Server-, Storage- und Netzwerk-Infrastruktur

Der Bedarf nach IT-Leistung steigt ungehindert an. Trends wie Cloud Computing und Big Data, aber auch die steigende Nutzung von Multimedia-Diensten durch private Haushalte führten im Jahr 2014 zu einem deutlichen Anstieg des Bestandes an Server-, Storage- und Netzwerk-Infrastruktur in den deutschen Rechenzentren. Die Ausgaben für IT-Hardware in den Rechenzentren stiegen um gut 3 Prozent auf über 7 Milliarden Euro. Die Investitionen für die Modernisierung und den Neubau der Infrastruktur von Rechenzentren stiegen in 2014 sogar um 7 Prozent auf 800 Millionen Euro.

Trotz aller Anstrengungen, die Energieeffizienz in Rechenzentren weiter zu verbessern, stieg der Strombedarf der Rechenzentren im Jahr 2014 durch das starke Marktwachstum um 3 Prozent auf 10 Milliarden Kilowattstunden (kWh) an. Setzen sich die aktuellen Trends ist der IT-Nutzung fort, so wird der Energiebedarf der deutschen Rechenzentren auch in Zukunft zunehmen und erreicht 2020 fast 12 Milliarden kWh (siehe: Abbildung).

Deutschland ist der größte Rechenzentrumsmarkt in Europa

Im Vergleich mit anderen europäischen Staaten hat Deutschland den größten Rechenzentrumsmarkt mit einem Anteil von rund 25 Prozent an den europäischen Rechenzentrumskapazitäten. Auf Rang zwei und drei liegen das Vereinigte Königreich (Anteil 21 Prozent) und Frankreich (Anteil 15 Prozent). An vierter Stelle folgen die bereits die Niederlande, deren Rechenzentrumskapazitäten in den vergangenen Jahren besonders stark gewachsen sind.

Im Jahr 2014 stieg die Zahl der Server in den Niederlanden um 17 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland stieg die Zahl der Server um 7 Prozent. Insbesondere aufgrund der im Vergleich zu Deutschland moderaten Strompreise und der transatlantischen Internet-Anbindung scheint dieser Markt insbesondere für große amerikanische Cloud Anbieter attraktiv zu sein. Nach Medienberichten planen allein Microsoft und Google dort Investitionen in Cloud-Rechenzentren in Höhe von mehr als 2,5 Milliarden Euro.

Entwicklung Energiebedarf der Server und Rechenzentren in Europa in den Jahren 2010 - 2014
Entwicklung Energiebedarf der Server und Rechenzentren in Europa in den Jahren 2010 - 2014
(Quelle: Borderstep Institut)

Auch beim Energiebedarf der Server und Rechenzentren sind Deutschland (zirka 10 TWh), Großbritannien (rund 9 TWh), Frankreich (etwa 7 TWh) und die Niederlande (ungefähr 3 TWh) auf den obersten Rängen in Europa.

Die Studie zur Entwicklung des deutschen Rechenzentrumsmarktes im Jahr 2014 steht beim Borderstep Institut zum Download zur Verfügung.

* Dr. Ralph Hintermann ist Senior Researcher bei der Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit gemeinnützige GmbH.

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