Power aus der Cloud Der Energiemarkt im digitalen Wandel

Autor / Redakteur: Marco Beicht* / Elke Witmer-Goßner

Die Megathemen „Digitalisierung“ und „Klimawandel“ bündeln sich im Energiesektor wie in einem Brennglas. Zudem steigt der Wettbewerb zwischen etablierten Energieversorgungsunternehmen (EVU), Energie-Start-Ups und branchenfremden Anbietern an: Selbst Automobilkonzerne wollen den Strom für das E-Auto selbst vertreiben.

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Basierend auf Powercloud, bietet das Energie-Start-Up Ostrom einen flexiblen, monatlich kündbaren Stromtarif, ein komplett digitales Nutzererlebnis über eine App sowie 100 Prozent grünen Strom.
Basierend auf Powercloud, bietet das Energie-Start-Up Ostrom einen flexiblen, monatlich kündbaren Stromtarif, ein komplett digitales Nutzererlebnis über eine App sowie 100 Prozent grünen Strom.
(Bild: Ostrom)

In diesem Marktumfeld setzen immer mehr EVUs auf neuartige Energieverträge ohne feste Laufzeiten oder Bundle-Angebote inklusive Smartphones und Co. Aber wie kann man die stark regulierten Abrechnungsprozesse der Branche dann noch kosteneffizient ausführen und zugleich die EVUs fit machen für eine umfassende Digitalisierung? Die Antwort liegt in Cloud-basierten Software-Lösungen.

„Kostendruck“ ist ein oft gehörtes Wort bei Energieversorgern – kein Wunder: In welcher anderen Branche sind zuletzt so viele neue Wettbewerber aufgetaucht, hat sich das Kaufverhalten der Endkunden so stark gewandelt und sorgt die Digitalisierung für so massive Veränderungen in der Produktentwicklung? Während die Automobilindustrie noch über Online-Bestellungen von Pkws per „Klick“ debattiert, ist Vergleichbares in der Energiebranche schon Realität: Die Kunden können auf Internet-Portalen alles vergleichen und schnell den Vertrag wechseln. Wer will, bekommt beim Wechseln sogar ein Smartphone oder die Wallbox für das E-Auto „obendrauf“.

Alle Powercloud-Prozesse werden ausschließlich aus Sicht des Endkunden konzipiert.
Alle Powercloud-Prozesse werden ausschließlich aus Sicht des Endkunden konzipiert.
(Bild: Powercloud)

Vor diesem Hintergrund steigt der Anteil von Haushaltskunden, die sich von ihren Versorgern regelmäßig abwenden, immer weiter an – ein Trend, der sich an der Churn-Rate (Anteil von Wechselkunden pro Kundenstamm) des Marktes präzise ablesen lässt. Laut Council of European Energy Regulators (CEER) beträgt sie in Deutschland rund 10 Prozent.

Im Laufe der Jahre summieren sich solche Churn-Zahlen zu einer enormen Kundenfluktuation. So schätzt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), dass in Deutschland 44 Prozent aller Haushaltskunden seit der Liberalisierung mindestens einmal ihren Stromversorger gewechselt haben, viele davon mehrfach.

Alte Softwaresysteme – hoher Kostendruck

Gleichzeitig nimmt der Kostendruck bei den EVUs zu – ausgelöst von einem stärkeren Preiskampf im liberalisierten Markt und sinkenden Margen im Kerngeschäft „Energie“. Hierbei rücken vor allem die „Cost to Serve“ (CtS – interne Kosten pro Kunden und Jahr) in den Fokus, die bei vielen etablierten Energieversorgungsunternehmen sehr hoch sind, weil sie immer noch auf alte, monolithische Legacy-Softwaresysteme setzen. Diese sind einerseits sehr unflexibel, so dass neue Ideen von Vertrieb oder Marketing aus Kostengründen scheitern. Andererseits lastet ihre Wartung die IT-Ressourcen der Unternehmen stark aus.

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Kein Grund zur Langeweile oder zum Verzweifeln

Legacy-Modernisierung
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Auch in der Unternehmens-IT ist es an der Zeit, alte Zöpfe abzuschneiden und #neustartklar zu wagen. - Die Pandemie hat die Dringlichkeitsstufe von IT/OT-Modernisierungsprojekten der digitalen Transformation plötzlich angehoben. In dem neuen wirtschaftlichen Umfeld sind selbst jene Legacy-Anwendungen mit unternehmenskritischer Geschäftslogik zum teuren Bremsklotz geworden; der Mehrwert der Bestandsdaten, die in diesen Arbeitslasten eingefangen wurde, will entdeckt werden.

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  • Letztlich gefährden diese Probleme sogar die Wettbewerbsfähigkeit der EVU. Das gilt auch und gerade mit Blick auf neue Marktteilnehmer, die sich mit agilen Softwarelösungen positionieren und dabei eine flexible Endkunden-Kommunikation in den Fokus rücken. So haben einige Energy-Start-Ups ihre Prozesse bereits so stark automatisiert und digitalisiert, dass Sie mit einem Bruchteil der branchentypischen Cost-to-Serve auskommen und bei einer Grundgebühr von lediglich fünf Euro alle Energie-Einkaufspreise eins zu eins weitergeben.

    Steigende Datenmengen im Smart Grid

    Dazu kommt ein umfassender Digitalisierungsschub der Branche im Zuge der Etablierung eines „Smart Grid“ („intelligentes Netz“). Es transportiert nicht nur Strom, sondern auch sehr viele Daten zu Verbrauch und Erzeugung. Was das für Möglichkeiten eröffnet, zeigt das Beispiel „Elektroauto“: Zukünftig warten intelligente Stromzähler mit dem „Go“ zum Aufladen des Auto-Akkus, bis sie per Smart Grid die Informationen bekommen, dass mehr Strom im Netz zur Verfügung steht – zum Beispiel, weil Windräder in einer stürmischen Nacht unnötig viel Energie produzieren.

    Der gezielte Ladevorgang sorgt dann einerseits für eine Entlastung des Netzes und andererseits profitiert der Kunde von sinkenden Stromkosten. Allerdings steigt mit der Einführung eines Smart Grid auch die Datenkomplexität und -menge an – bei den EVUs müssen immer mehr Informationen immer schneller von der Auftragsannahme über die Abrechnung bis zur Zahlung verarbeitet werden.

    „Postmoderne Plattformen“ im Fokus

    Steigende Kunden-Wechselraten, sinkende Gewinn-Margen im Kerngeschäft und wachsende Datenmengen – die Digitalisierung fordert etablierte EVUs auf allen Ebenen heraus. Hier stoßen ihre veralteten Legacy-Softwaresysteme längst schon an Grenzen. Die Frage liegt also auf der Hand: Wie muss ihre IT-Infrastruktur zukünftig aussehen und was garantiert ihre Zukunftssicherheit für Jahrzehnte?

    Die einfachste Antwort auf diese Frage ist mit den Schlagworten „Offenheit“ und „Flexibilität“ gut umrissen – es kommt darauf an, dass sich das IT-System jederzeit wandelt und trotzdem schlank bleibt. Gleichzeitig werden alle Prozesse entlang von Kundenbedürfnissen entworfen.

    Powercloud bildet die komplexen Abwicklungs- und Abrechnungsprozesse von EVUs durch einen modularen Aufbau ab.
    Powercloud bildet die komplexen Abwicklungs- und Abrechnungsprozesse von EVUs durch einen modularen Aufbau ab.
    (Bild: Powercloud)

    Die dazugehörige Idealwelt beschreiben die Unternehmensberater von Gartner als eine „postmoderne Plattform“ – also ein cloud-basierter End-to-End-Ansatz. Dabei muss man drei Bereiche der IT-Architektur unterscheiden: das Frontend als Schnittstelle zum Endkunden, das Backend mit allen Funktionen rund um Kundenmanagement, Marktnachrichten, Abrechnung und Zahlungen sowie als dritten Bereich alle weiterführenden Interaktionen mit den in Echtzeit verbundenen Smart Devices.

    In jedem Fall ist die dazugehörende IT-Architektur cloud-basiert, modular aufgebaut und mit Microservices untereinander verbunden. Immer mehr EVUs setzen dabei zunehmend auf flexible Strukturen, die aus verschiedenen, miteinander gekoppelten Architekturen besteht. Für das angesprochene Backend kann dabei eine cloud-basierte SaaS-Billing-Lösung wie powercloud zum Einsatz kommen.

    Marco Beicht, Powercloud GmbH.
    Marco Beicht, Powercloud GmbH.
    (Bild: Hasselblad X1D)

    * Der Autor Marco Beicht ist CEO der Powercloud GmbH. Das Unternehmen bietet eine SaaS-Billing-Lösung für die Abwicklung und Abrechnung von Strom, Gas, Wärme, Wasser und Abwasser sowie für Produkte und Dienstleistungen. Aktuell nutzen mehr als 200 Unternehmenskunden in Deutschland diese Software. Insgesamt werden über 8 Millionen Vertragsverhältnisse mit rund 6 Milliarden Euro Umsatz verwaltet. Auf die Powercloud setzen Großkonzerne wie E.ON, EWE und Yello sowie viele kleine Stadtwerke und größere regionale Versorger. Dazu kommen Start-Ups wie Yippie sowie Energie-Unternehmen mit einem Fokus auf neuartigen Solar-Speicher-Angeboten wie beispielsweise Senec und Sonnen.

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