Suchen

Vom Datenjongleur zum Allrounder Der Datenbankadministrator und seine neue Berufung

Autor / Redakteur: Pascal Poletto / Ulrike Ostler

Durch Database-as-a-Service verlagert sich das Aufgabengebiet eines Datenbankadministrators (DBA) vom reinen Administrator hin zum Business Enabler: Routine-Aufgaben entfallen, während neue Zuständigkeiten dazukommen. So wandelt sich der DBA von einem reinen Datenbankverwalter zum Wissensträger und Datenexperten, der sich auch nicht davor scheut, bei Bedarf mit Skripten Automatisierungen zu schreiben.

Firmen zum Thema

Heutige DBAs sind in der Cloud zuhause, müssen aber auch mit Daten jonglieren, Skripte schreiben und strategisch planen können. Tools sind dafür da, von Routinen zu entbinden.
Heutige DBAs sind in der Cloud zuhause, müssen aber auch mit Daten jonglieren, Skripte schreiben und strategisch planen können. Tools sind dafür da, von Routinen zu entbinden.
(Bild: © Rémy MASSEGLIA - stock.adobe.com)

Laut einer IDC-Studie soll bis 2025 die weltweite Datenmenge auf 175 Zettabytes wachsen (im Vergleich dazu lag sie 2018 bei nur 33 Zettabytes) – kein Wunder, dass ihr Gebrauch sowie das Speichern eine immer wesentlichere Rolle für den Geschäftserfolg einnehmen und Datenbankadministratoren (DBAs) somit unerlässlich werden. Denn Daten müssen sicher und jederzeit abrufbar gespeichert werden – die Verantwortung dafür liegt beim DBA.

Doch das ist nicht alles was heutzutage in seine Zuständigkeit fällt: Um der steigenden Datenmenge Herr werden zu können, hosten mittlerweile viele Unternehmen ihre Datenbanken in der Cloud. Amazon Web Services (AWS), „Microsoft Azure“, Google Cloud und Datenbankhersteller wie Oracle oder MongoDB zählen unter anderem zu den bekanntesten Anbietern von On-Demand-Plattformen. Sie übernehmen automatisiert die Bereitstellung, Installation, Updates sowie die Wartung.

Was bedeutet das nun für den DBA? Routine-Aufgaben wie Updates und Backups werden durch Automatisierung ausgelagert. Dadurch erhält er die Möglichkeit, sich den Tätigkeiten zu widmen, die vorher aus Zeit- und Ressourcenmangel zu kurz kamen.

Daten richtig sichern und schützen

Die fortschreitende Digitalisierung bringt in den letzten Jahren nicht nur eine steigende Datenflut mit sich, dadurch bedingt nimmt auch das Verlangen nach Sicherheit drastisch zu. Die EU-DSGVO verstärkt diesen Anspruch deutlich. Der Datenbankadministrator kümmert sich genau darum: Er trägt in erster Linie die Verantwortung dafür, dass niemand ohne Erlaubnis auf Daten zugreifen kann oder auf Datenbankservern sensible Daten unverschlüsselt vorliegen.

Außerdem ist er derjenige, der die Compliance und den Datenschutz in einem Unternehmen im Auge behält und bei einem Datenverlust diese wiederherstellt. Zudem ist der DBA die Person, die bedenken sollte, welche Maßnahmen wichtig sind, um seine Datenbanken DSGVO-konform zu betreiben. So sollten nur die Nutzergruppen Lesezugriff auf bestimmte Daten erhalten, die der DSGVO entsprechen.

Die Zeiten, in denen jeder alles Lesen konnte, sind lange vorbei. Regeln lässt sich dies zum Beispiel über Policies, die angeben, welche Nutzergruppen Zugriff auf welche Ressourcengruppen haben dürfen. Dabei kann der DBA Nutzern auch unterschiedliche Rollen vergeben und sie mehr als nur einer Gruppe zuweisen. Voraussetzung hierfür ist jedoch ein umfangreiches Wissen und Verständnis über Themen wie Sicherheit, Datenschutz und Compliance des Datenbankadministrators, denn er hat die Datenhoheit inne. So muss er die jeweiligen Prozesse verstehen und erkennen, welche Sicherheitsstandards wo und wie greifen, um sicher sein zu können, dass kein unbefugter Zugriff auf sensible Daten erfolgt.

Mit der Cloud zur Performance-Verbesserung

Ein weiteres Aufgabengebiet, das dank der Cloud beim Datenbankadministrator neu in den Fokus gerückt ist, ist die Performance seiner Datenbank. Hat er sich früher klassischerweise ausschließlich um den reibungslosen Betrieb seines Systems gekümmert und bei Bedarf Hardware nachgeschoben, kann er sich dank der Verlagerung der Datenbanken in die Cloud nun relevanteren Themen zuwenden. Genauer gesagt: Lästige Aufgaben wie Patch-Management, Monitoring, Backups, Infrastruktur und Verfügbarkeit entfallen.

Dadurch hat der DBA Zeit, die Cloud-Nutzung im Blick zu behalten. Beispielsweise weiß er so immer, ob die Ressourcen für eine Cloud-Datenbank ausreichend vorhanden sind und welche Parameter er setzen sollte, um eine lückenlose Bereitstellung zu gewährleisten.

Die Management-Oberflächen bieten hierfür die Möglichkeit, Datenbankservices zu skalieren und Benutzerrechte zu verwalten. Die Verschiebung der Datenbanken in die Cloud ermöglicht DBAs sich mit den eigentlich wichtigen Aspekten ihrer Tätigkeit zu befassen, stellt sie jedoch gleichzeitig vor neue Herausforderungen.

Der neue DBA: vom Betreiber zum Aufseher zum Architekten

Hat sich der Datenbankadministrator früher hauptsächlich mit dem Betrieb seiner Datenbank beschäftigt, obliegt ihm heute, die Übersicht über die Datenbanken zu behalten. Hinzu kommt mit der Digitalisierung der Anspruch an ihn, sofort zu handeln, wenn Bedarf besteht.

Tools, die bei der Verwaltung von Datenbanken helfen sollen, gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Dennoch kann es vorkommen, dass bestimmte Situationen ein Tool erfordern, dass es so noch nicht gibt.

Hier kommt der Datenbankadministrator wieder ins Spiel: Er sollte dazu in der Lage sein, selbst ein Skript zu schreiben, um schnell Abhilfe zu schaffen. Zusätzlich benötigt er ein breites Know-how, um selbstständig feststellen zu können, warum eine Datenbank nicht optimal läuft. Erst dann kann er die Initiative ergreifen und Lösungen finden sowie eine passende Architektur aufbauen. Der DBA schlüpft also in eine Architektenrolle, in der er über breites Wissen verfügen muss, um erkennen zu können, wie alle Komponenten verknüpft sein müssen. Nur so kann er einen reibungslosen Betrieb realisieren.

Neue Aufgaben bringen neue Verantwortung mit sich

Der Datenbankadministrator wird durch die Einführung einer Cloud-Datenbank nicht einfach entbehrlich. Ganz im Gegenteil: Mit der Verschiebung seines Tätigkeitsfelds eröffnen sich ihm neue Wege, die über Aufgaben wie Diagnose und Optimierung der Datenbanken hinaus gehen – der DBA muss sich als treibende Kraft für den Wandel etablieren und bildet häufig die Schnittstelle zwischen Produktverantwortlichen und der Geschäftsführung, im besten Fall vermittelt er sogar zwischen ihnen.

Er weiß über die Zukunft der Datenverarbeitung und -nutzung Bescheid und kennt die üblichen datenzentrierten Geschäftsmodelle. Deswegen ist er prädestiniert für die Rolle der Vertrauensperson der Geschäftsführung – und kann sich gleichzeitig als Projektinitiator positionieren. Dafür ist es aber unbedingt notwendig, über ein breites und tiefes, aber vor allem zeitgemäßes Fachwissen zu verfügen.

Pascal Poletto ist der Autor des Artikels.
Pascal Poletto ist der Autor des Artikels.
(Bild: Axians)

Wissensaustausch dank Fortbildung und Konferenzen

Von nichts kommt nichts, deswegen sollten Datenbankadministratoren die Möglichkeit nutzen, regelmäßig an Schulungen und Konferenzen teilzunehmen. Diese bieten die Gelegenheit, sich laufend weiterzubilden und vom Erfahrungsschatz der Kollegen zu profitieren.

Den passenden Rahmen stellen herstellerunabhängige Communities bereit. Diese stehen hinter den einzelnen Datenbanken und fördern den Wissensaustausch oftmals aktiv. Hier ergeben sich im Austausch mit Kollegen wertvolle Tipps für den Alltag des DBAs sowie innovative Ansätze für das eigene Unternehmen. Denn ganz nach der Devise „gut kopiert ist halb programmiert“ ist das Verstehen und Übernehmen von bereits erarbeiteten Lösungen von enormen Wert. Zusätzlich bieten Veranstaltungen wie die „SQL-Server“-Konferenz, der „SQL-Saturday“ und auch das „SQL-Bootcamp“ eine gute Chance, immer up to date zu bleiben.

(ID:46402247)