Schatten-IT: Firmenabteilungen nehmen ihre IT selbst in die Hand Der CIO wird vom Verwalter zum Vordenker und Vormacher

Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Ulrike Ostler

Deutschland ist nicht das Musterland der ordnungsgemäßen IT alter Schule. Genau wie in andere Industriestaaten rund um den Globus versorgen sich Unternehmensabteilungen aus eigenen Mitteln und an der IT vorbei mit EDV-Leistungen. Der CIO gerät dabei in eine neue Rolle, stellt eine Studie von BT fest.

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Der CIO wird noch mehr mit selbstbewussten Abteilungen kommunizieren müssen
Der CIO wird noch mehr mit selbstbewussten Abteilungen kommunizieren müssen
(Foto: BT)

Weltweit 76 Prozent, hierzulande 75 Prozent, der Chief Information Officer (CIOs) stellen fest, dass sich Fachabteilungen, Beispiele sind die Finanzabteilung und das Marketing, ohne Rücksprache IT-Lösungen einkaufen. Das ist kein ganz neues Phänomen, hat inzwischen aber beträchtliche Ausmaße. Denn inzwischen entfallen in Deutschland 28 Prozent der gesamten IT-Ausgaben auf diese Schatten-IT, weltweit sind es 25 Prozent.

Das ist das Ergebnis der Studie „Art of Connecting: creativity and the modern CIO“ von BT. Sie basiert auf eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Vanson Bourne vom November 2014. Befragt wurden dafür 955 IT-Entscheider in den USA, Großbritannien, Deutschland (130), Brasilien, Spanien, Australien, Singapur und den Benelux-Ländern.

Ein erheblicher Teil der IT-Investitionen geschieht in einer Schatten-IT ohne Einfluss des CIOs.
Ein erheblicher Teil der IT-Investitionen geschieht in einer Schatten-IT ohne Einfluss des CIOs.
(Bild: BT)

Vier von fünf der deutschen CIOs geht davon aus, dass die um sich greifende Schatten-IT ihre traditionelle Rolle verändern wird. Die hieß früher, die Anwender mit IT-Leistung zu versorgen. Künftig dürfte es mehr um strategische Aspekte wie Beratung, Governance und Security gehen. 19 Prozent erwarten, dass der Bereich Sicherheit mehr Zeit und erheblich mehr Budget beanspruchen wird.

Neue Erwartungen - neue Chancen

Dabei ergeben sich neben neuen Anforderungen auch neue Chancen. So sehen es jedenfalls jene 104 deutschen CIOs, die von Veränderungen ihrer Rolle ausgehen. Genau zwei Drittel von Ihnen erwartet mehr Möglichkeiten, zur Wertsteigerung des Unternehmens beitragen zu können. Jeweils gut die Hälfte verspricht sich innovativere beziehungsweise kreativere Arbeit sowie weniger Zeit für den bestehenden IT-Betrieb. 43 Prozent glauben an mehr Möglichkeiten, eine unternehmensweite IT-Policy einzuführen und zu formalisieren.

65 Prozent aller 130 Befragten in Deutschland sind der Ansicht, dass der CIO im Vorstand heute eine zentralere Rolle spielt als noch vor zwei Jahren (weltweit sind 59 Prozent dieser Meinung). Für 71 Prozent sind die Erwartungen des Vorstands an den CIO in diesem Zeitraum sogar deutlich gestiegen (weltweit 68 Prozent).

Das spiegelt sich auch in den Key Performance Indicators (KPI) wider, an denen IT-Verantwortliche heute gemessen werden. Wurde der CIO bisher vor allem anhand von IT-bezogenen Zielen beurteilt, gaben drei Viertel der Befragten in Deutschland an, dass sie mittlerweile stärker an Business-KPIs als an technischen KPIs bewertet werden. Weltweit erklärten dies sogar 81 Prozent.

Deutsche CIOs sind sicher, dass die Schatten-IT ihre Aufgaben verändern wird. Doch das könnte auch gute Seiten haben.
Deutsche CIOs sind sicher, dass die Schatten-IT ihre Aufgaben verändern wird. Doch das könnte auch gute Seiten haben.
(Bild: BT)

Dementsprechend glauben 72 Prozent der deutschen Umfrageteilnehmer, beziehungsweise 64 Prozent weltweit, dass der Vorstand mittlerweile erkannt hat, wie wichtig ein kreativer CIO ist, der unternehmensübergreifend handelt sowie Technologien und Fähigkeiten so orchestriert, dass sie mehr zu den Ergebnissen auf Abteilungs- oder strategischer Ebene beitragen.

Die Vorstandsetage erwartet kreative Köpfe

Bei deutschen CIOs gelten vor allem Lösungen aus den Bereichen Mobility (mit 72 Prozent der Nennungen), Cloud Computing (68 Prozent) und Unified Communications (59 Prozent) als Möglichkeiten, Technologie kreativ einzusetzen. Gleichzeitig können diese Technologien nach Meinung der CIOs entscheidend zum Geschäftsergebnis beitragen. Je kreativer IT-Verantwortliche also Mobility-, Cloud- und UC-Techniken einsetzen, desto eher werden sie den Erwartungen der Vorstandsetage gerecht.

„Kreativität bedeutet, dass man sowohl das Business als auch die Technologie wirklich verstanden hat und in der Lage ist, beides zusammenzubringen“, sagte Craig Charlton, CIO von De Beers. Es gehe darum, dass „ein drängendes Geschäftsproblem mit dem Wissen darüber, was technologisch machbar ist, kombiniert wird“. Luis Alvarez, CEO von BT Global Services, geht davon aus, dass jene CIOs erfolgreich sein werden, „die eine kreative, phantasievolle und visionäre Haltung an den Tag legen und sich mit ihren IT-Partnern stärker über Innovationen und neue Denkweisen austauschen.“

Dave Aron, Vice President bei Gartner, hatte in der Studie „Flipping to Digital Leadership: The 2015 CIO Agenda“ seines Unternehmens geschrieben: „CIOs haben die Möglichkeit, sich an die Spitze der digitalen Transformation zu setzen. Das setzt allerdings voraus, dass sie in der Lage sind, sich von der gängigen Praxis und langgehegten Glaubenssätzen zu trennen.“

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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