Suchen

Brave Browser Der blockende Browser, der selber wirbt und trackt

| Autor: Sebastian Gerstl

Der ehemalige Mozilla-CEO Brendan Eich wirft einen neuen, schnelleren Web-Browser auf den Markt, der vor allem Endverbraucher ansprechen soll. „Brave“ verspricht, Cookies und andere Track-Methoden auf Webseiten zu blockieren. Der Browser selbst will allerdings ungehindert tracken und werben.

Firma zum Thema

Brave: Der angekündigte Webbrowser verspricht dem Endverbraucher ein schnelleres Surfverhalten, indem er Werbe-Pop-Ups, damit verbundene Trafficumleitungen und On-Site-Tracking von vorneherein unterbindet. Ein werbefreies Surferlebnis darf der Nutzer allerdings nicht erwarten.
Brave: Der angekündigte Webbrowser verspricht dem Endverbraucher ein schnelleres Surfverhalten, indem er Werbe-Pop-Ups, damit verbundene Trafficumleitungen und On-Site-Tracking von vorneherein unterbindet. Ein werbefreies Surferlebnis darf der Nutzer allerdings nicht erwarten.
(Bild: Brave Software)

Über das Für und Wider von Werbung auf Webseiten ist viel diskutiert worden. Anwender sind genervt, wenn Werbung Seiteninhalte überdeckt, sie fühlen sich durch das Tracking ihres Surfverhaltens ausspioniert und müssen oft längere Wartezeiten in Kauf nehmen, weil die unerwünschten Einblendungen erst noch geladen werden müssen.

Darum installieren viele Internet-Nutzer einen Adblocker, was oft ein zweischneidiges Schwert ist. Zum einen beschweren sich Seitenbetreiber - nicht ganz zu unrecht - dass Ihnen dadurch Werbe-Einnahmen entgehen, die wiederum zum Betreiben der Seite nötig sind. Zum Anderen halten manche Adblocker nicht das was sie versprechen, indem sie beispielsweise Whitelists für "akzeptable" Werbung führen, die dann doch eingeblendet wird – was viele Werbetreibende als Erpressung wahrnehmen – oder in extremen Fällen gar selbst Adware oder Malware einspielen, die wiederum dem Nutzer schaden.

Mit seinem Startup Brave Software verspricht der ehemalige Mozilla-CEO Brandan Eich, eine Lösung für dieses ewige Tauziehen gefunden zu haben. Eich hatte sich in der Vergangenheit bereits als Mitbegründer und zwischenzeitlicher technischer Leiter der Mozilla Foundation, aus welcher der Web-Browser „Firefox“ hervorging, und als einer der Schöpfer der Programmiersprache Javascript ausgezeichnet. Nun hat er sein Browser-Projekt Brave vorgestellt.

Sicher, ohne Trackingpixel oder -cookies, ohne schädliche Werbeeinblendungen: Das sind die Versprechen, die Brave mit sich bringt. Statt auf der Webseite findet Tracking und Werbung statt dessen im Browser selbst statt. Der Aufbau der Internetseite bleibt davon unberührt, Werbung bekommt der Nutzer trotzdem. Ein Modell, das Seitenbetreiber entschädigen soll, existiert auch.
Sicher, ohne Trackingpixel oder -cookies, ohne schädliche Werbeeinblendungen: Das sind die Versprechen, die Brave mit sich bringt. Statt auf der Webseite findet Tracking und Werbung statt dessen im Browser selbst statt. Der Aufbau der Internetseite bleibt davon unberührt, Werbung bekommt der Nutzer trotzdem. Ein Modell, das Seitenbetreiber entschädigen soll, existiert auch.
(Bild: Brave Software)

Die Vorzüge von Brave sind schnell zusammengefasst. Anders als bei Konkurrenz-Browsern wie „Chrome“, Firefox, „Safari“ und dem „Internet Explorer“ wird bei Brave der Einsatz von Tracking-Cookies oder -Pixeln von vorneherein unterbunden.

Auch Werbe-Einblendungen, wie sie üblicherweise von Banner-Netzwerken oder Online-Werbemarktplätzen gebucht und verteilt werden, soll der Browser von vorneherein unterbinden. Statt dessen wird von vorneherein eine sichere HTTPS-Verbindung aufgebaut. Das Ergebnis ist für den Endverbraucher ein schnelleres Surferlebnis.

Brave ist allerdings kein Ad-Block-Browser. Auf Nutzerverhalten zugeschnittene Werbe-Einblendungen sind weiterhin vorgesehen. Statt das Tracking verschiedenen Seiten, Marktplatzanbietern oder möglicherweise schädlichem Hackercode zu überlassen, übernimmt der Browser diese Aufgabe selbst. Während direkt auf der Webseite eingebundene Werbung blockiert wird, blendet Brave über einen eigenen Cloud-Kanal in Zusammenarbeit mit Partnernetzwerken von selbst gezielte Anzeigenwerbung ein.

Das Entschädigungsmodell

CEO Brendan Eich sieht hierfür ein spezielles Entschädigungsmodell vor: Von der ausgespielten Werbung sollen 55 Prozent an den eigentlichen Veröffentlicher - also Webseitenbetreiber beziehungsweise Verleger - gehen. 15 Prozent sollen dem Anwender zu Gute kommen, weitere 15 Prozent gehen an den Online-Werbemarktplatz, der die Werbung über Brave ausspielt. Der Rest der Einnahmen würde dementsprechend Brave Software selbst einnehmen.

Sicher, indem Tracking und fremder Seiten-Content unterbunden wird, dürfte sich eine angesteuerte Webseite tatsächlich schneller aufbauen - diesen Vorteil sollte Brave gegenüber Konkurrenten schon einmal nativ besitzen. Ob das Modell dennoch großen Zuspruch findet, ist trotzdem fraglich.

Seitenbetreiber haben dadurch weniger Kontrolle darüber, welche Art von Werbung auf Ihrer eigenen Webseite ausgespielt wird, da sie nicht selbst ihren Werbepartner wählen können. Sollte Brave bei Anwendern großen Zuspruch finden, dürften die Werbeeinnahmen zusätzlich erst einmal schrumpfen.

User-Aktionen fraglich

Der Verbraucher dagegen erhält nicht nur trotzdem weiterhin Werbung präsentiert, er hat zudem erst einmal keine (Plugin-)Möglichkeit, diese zu unterbinden. Und Nutzerdaten werden weiterhin gesammelt und verkauft - nur eben jetzt vom Browser-Anbieter selbst. Es wird also übersichtlicher, wer alles trackt – wohin die Daten aber letztlich gehen, darüber hat man als Brave-Nutzer ebenso wenig Kontrolle wie anderswo. Für einen Nutzer wäre es ein wenig so, als würde er einen zuverlässigen Adblocker nutzen - und parallel dazu eine Adware laufen haben, die trotzdem andauernd Werbung einspielt.

Wer sich bei Brave Software registriert, kann sich bereits jetzt eine Beta-Version des Brave-Browsers herunterladen. Wie CEO Brendan Eich die Lage einschätzt, bräuchte Brave eine stabile User-Basis von etwa 7 Millionen Nutzern, damit sich das Geschäftsmodell des Browsers trägt. Ob das mit dem bestehenden „sicheren“ Modell gewährleistet ist, bleibt offen.

(ID:43832806)

Über den Autor