Das „Rechenzentrumsbetriebssystem“ von Gridscale

Der automatische Admin

| Autor: Dr. Stefan Riedl

Große Teile der anfallenden Administrationsarbeit kann im Rechenzentrum automatisiert werden.
Große Teile der anfallenden Administrationsarbeit kann im Rechenzentrum automatisiert werden. (Bild: mast3r - stock.adobe.com)

Der Begriff „Fachkräftemangel“ ist umstritten, weil politisch aufgeladen. Nichtsdestotrotz sind gute Leute immer schwer zu bekommen. Gridscale will durch Automatisierung im Rechen­zentrum Arbeitszeit von IT-Fachkräften für andere Aufgaben freisetzen.

Als CEO und Gründer hat Henrik Hasenkamp langfristige Pläne mit Gridscale. Teil davon ist ein dreistufiger Go-to-Market-Ansatz, der dieser Tage die Stufe drei erreicht. „Im ersten Schritt haben wir unser Angebot als Public-Cloud direkt vertrieben, um die Leistungsfähigkeit unserer Technologie zu belegen. Der zweite Schritt war der Aufbau eines Channels in Form von Partnerschaften mit Systemhäusern, Digitalagenturen, Systemintegratoren und TK-Providern“, so der Unternehmer. Partner konnten hierbei auf ein White-Label-Angebot zurückgreifen.

Nun folgt der dritte Schritt: „Wir bringen unseren kompletten Software-Stack quasi als Datacenter-Betriebssystem – direkt und indirekt – für Co-Location-Mieter beziehungsweise Rechenzentrums-­Betreiber auf den Markt.“ Der Arbeitstitel für das Rechenzentrums-Betriebssystem lautet „Gridscale Hybrid Core“, kann sich aber noch ändern.

Das Direktgeschäft soll zusätzlich zum Channel beibehalten werden. „Denn der direkte Draht zu Kunden ist uns in der Entwicklung der Software sehr wichtig. So kommt ungefilterter Input in unsere Produktentwicklung, der aufzeigt, was gut läuft, wo nachgebessert werden muss und was sich die Kunden wünschen“, erläutert Hasenkamp.

Hyperscale-Workloads im Datacenter

Letztlich geht es bei der Software darum, den Betrieb von Rechenzentren, in dem Hyperscale-Workloads laufen, autonom zu machen. Zu diesen Workloads zählen beispielsweise „Hadoop“-Anwendungen, gehostete Web-Applikationen, virtuelle Desktops in der Cloud, SAP-Datenbanken, „Kubernetes“-basierte Entwicklungsumgebungen oder „Exchange“-Server. Laut Hasenkamp betreibt die Technologie seit 2015 praktisch autonom die hauseigenen Rechenzentren.

„Wenn es Probleme mit der Hardware gibt, die unser System vorausschauend auf Basis von Statistiken erkennt – mitunter wird hierfür auch das große Wort KI verwendet – greift unsere Software ein und sorgt dafür, dass kein Kunde etwas merkt“, so der CEO. Natürlich müsse letztlich beim Ausfall eines Lüfters oder einer Platte ein Service-Techniker ran.

Bei vorausschauend angestoßenen Aufgaben sei hierbei jedoch keine zeitliche Eile gegeben, so dass der Service-Techniker ­ohne Eile eingreifen könne: „Morgen, nächste Woche, in einem Jahr“, so Hasenkamp. Probleme hinsichtlich der Automatisierung – also der Kernaufgabe der Software – habe es laut Hasenkamp bisher zu keinem Zeitpunkt in den drei Jahren gegeben.

Zur „DNA“ von Gridscale

„Von der Unternehmens-DNA her sind wir ein Software-Hersteller“, sagt Hasenkamp. Wegen der IaaS- und PaaS-Angebote agiert die Firma allerdings zeitgleich auch als Cloud Provider.

Viele Virtualisierungs- und Cloud-Projekte scheitern laut Hasenkamp am Verständnis der Akteure, was alles automatisiert werden kann. In diese Kerbe soll das Rechenzentrums-Betriebssystem schlagen. „Einer unserer Kunden nannte als größten Kosten-Vorteil durch unsere Lösung, dass er nach Feierabend problemlos die virtualisierten Systeme runter und entsprechend am nächsten Arbeitstag wieder hochfahren konnte“, so Hasenkamp. „Admins sagen uns, dass sie darauf bauen, am Wochenende keine Fehlermeldung ’hereinzubekommen. Das ist doch schön.“

Arbeitslose Admins?

Es komme aber auch die Frage auf, ob die Automatisierung IT-Mitarbeiter arbeitslos mache. „Das sehe ich ganz anders“, ­positioniert sich der CEO. „Wir ersetzen keine Jobs durch Software, sondern verändern dadurch die Inhalte der Jobs. Erfahrene Sysadmins, die beispielsweise für die Wartung eines Clusters zuständig waren, sind gefragte Experten, die dann beispielsweise im Bereich Cloud-Architektur eingesetzt werden können. Wir verhelfen also den gefragten und talentierten IT-Fachkräften sich um neue, moderne, spannende und vielseitige Projekte zu kümmern, statt sich irgendwo um defekte Hardware- oder Software zu kümmern.“

Gridscale hat derzeit 43 Mitarbeiter, die hauptsächlich im Hauptsitz in Köln angesiedelt sind. In den kommenden eineinhalb Jahren will das Unternehmen vorsichtig eine Expansion ins EU-Ausland angehen.

Was meinen Sie zu diesem Thema?

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45959430 / Anwendungen)