Netzwerktransformation im Datacenter

Dem Infarkt im Rechenzentrum vorbeugen

| Autor / Redakteur: Jörg Jakobi* / Andreas Donner

Heutige Netzwerke sind oftmals die Schwachstellen, die dem Aufbau agilerer, kostengünstiger und automatisierter Infrastrukturen im Wege stehen.
Heutige Netzwerke sind oftmals die Schwachstellen, die dem Aufbau agilerer, kostengünstiger und automatisierter Infrastrukturen im Wege stehen. (Bild: © Sashkin - Fotolia.com)

Das Rechenzentrum ist das Gehirn eines modernen Unternehmens. Ohne seine kontinuierliche Transformation kann der gesamte Betrieb zum Erliegen kommen.

Tagtäglich speichern und liefern Rechenzentren den wichtigsten Rohstoff der wissensbasierten Wirtschaft: Informationen. Sie sind das Gehirn moderner Unternehmen. Ausfallzeiten bedeuten Stillstand, das geschäftliche Äquivalent zum Koma – und haben potenziell ebenso verheerende Folgen. Positiv hingegen ist, dass die Unternehmen mit der zunehmenden Geschwindigkeit, Agilität und Flexibilität der modernen Rechenzentren aufmerksamer, smarter und wettbewerbsfähiger werden.

Es reicht allerdings nicht aus, diese zunehmend anspruchsvollen Performance-Anforderungen dadurch zu erfüllen, dass Rechenzentren bei jedem Modernisierungszyklus durch die Anschaffung immer größerer und besserer Maschinen erweitert werden. Vielmehr ist ein ganzheitliches Denken gefragt, um das Rechenzentrumsnetzwerk mit derselben Dynamik wie alle anderen Komponenten weiterzuentwickeln. Ohne präzise und gut geplante „Gehirnchirurgie“ am Netzwerk besteht die Gefahr, dass nicht nur das Rechenzentrum selbst, sondern letztlich das ganze Unternehmen zum Erliegen kommt.

Neue Server, mehr Kapazität

Der Trend zu konsolidierten Rechenzentren in den Unternehmen hält mit unverändertem Tempo an; das Ziel: Kosteneinsparungen und die Verbesserung der CO2-Bilanz. Immer größere Rechenzentren müssen immer mehr Kapazitäten mit immer höherer Geschwindigkeit bereitstellen. Trotzdem sollen sie weniger Energie verbrauchen.

Um diese Bedingungen zu erfüllen, sind zunehmend aufwändigere Server nötig. Die Mikroprozessoren und Speicher der neuen Server werden leistungsfähiger und effizienter. Dennoch vergessen Unternehmen oft das zugrundeliegende Netzwerk, das alle Komponenten miteinander verbindet.

Eine Server-Erneuerung ist für die Unternehmen oftmals Anlass, über die Weiterentwicklung ihrer Rechenzentrumsnetzwerke nachzudenken. Hierbei reicht es allerdings nicht aus, nur den Hardware- und Kapazitätsbedarf zu betrachten: Das gesamte Rechenzentrumsnetzwerk muss an die neuen Bedingungen angepasst werden.

Nachdenken über das Netzwerk

Zu den Anforderungen, die moderne Rechenzentrumsarchitekturen erfüllen müssen, kommt die Entwicklung von Enterprise Mobility und Cloud-Computing. Heutzutage verbindet sich der Benutzer von überall auf der Welt mit seinen Anwendungen und erwartet stets dieselbe Benutzerfreundlichkeit – unabhängig vom seinem jeweiligen Standort.

Gleichzeitig erwarten die Unternehmen die Flexibilität, Skalierbarkeit und Pay-per-Use-Vorteile des Cloud-Computings bei gleichzeitiger nahtloser Integration in ihre bestehenden Infrastrukturen. Angesichts des Ausmaßes der Anforderungen an moderne Rechenzentren müssen deren Architekturen ganzheitlich auf den Prüfstand gestellt und transformiert werden, wenn Unternehmen nicht riskieren wollen, unter dem wachsenden Druck zu scheitern.

Das Netzwerk als Fundament

Das Netzwerk ist das Fundament für die gesamte IT-Infrastruktur eines Unternehmens – dies gilt auch im Rechenzentrum. Rechenzentren und Anwendungen können ohne moderne Rechenzentrumsnetzwerke nicht optimal funktionieren; ohne starkes Fundament ist die gesamte Statik geschwächt. Es bedarf deshalb einer ganzheitlichen Sicht auf die wesentlichen Elemente eines Rechenzentrumsnetzwerks.

Zum einen ist die richtige Hardware unerlässlich. Dazu gehört die spezielle Ausrüstung, die an das Rechenzentrumsnetzwerk angepasst werden muss – vom Netzwerk-Switch bis zum Netzwerk-Speicher. Weitere Elemente sind die softwaredefinierten Technologien, die in bestehende Netzwerke implementiert werden können. Softwaredefinierte Rechenzentrumsnetzwerke sind in hohem Maß automatisiert, benötigen keinen Benutzereingriff und verbessern die Programmierbarkeit, Agilität und Flexibilität des Rechenzentrums.

Des Weiteren ist eine Netzwerkvirtualisierung empfehlenswert. Ebenso wie bestimmte Computing-Funktionen heute abstrahiert und auf virtuellen Maschinen ausgeführt werden können, laufen auch spezielle Netzwerkanwendungen in virtualisierten Softwareumgebungen. Das bedeutet eine erheblich verbesserte Kontrolle des Netzwerkmanagements.

Das gewünschte Ergebnis im Blick

Zunächst braucht das Unternehmen eine klare Vorstellung davon, was die jeweilige Infrastruktur leisten soll. Hierbei reicht es nicht aus, nur an die Hardware zu denken. Vielmehr müssen alle Elemente für die Realisierung eines modernen Rechenzentrumsnetzwerks sowie ihr jeweiliger Nutzen und ihre Fallstricke bedacht werden.

Die technischen und kommerziellen Ziele sollten vorab definiert sein. Auf dieser Grundlage lässt sich eine zukunftsorientierte Architektur realisieren, die das Unternehmen bestmöglich unterstützt. Eine übereilte Modernisierung des Rechenzentrums behindert ein Unternehmen dabei, die erwarteten Ergebnisse zu erzielen.

Das bedeutet aber keinesfalls, dass die gesamte Infrastruktur auf einmal umgebaut werden muss. Eine zeitlich abgestufte Transformation ist anzustreben, wobei das Rechenzentrumsnetzwerk gleichzeitig ausgebaut werden muss. Hier empfiehlt es sich, mit einem spezifischen Bereich des Rechenzentrums oder einer unkritischen Anwendung als Testumgebung anzufangen.

Jörg Jakobi.
Jörg Jakobi. (Bild: Dimension Data)

Fazit

Die heutigen Netzwerke sind oftmals die Schwachstellen, die dem Aufbau agilerer, kostengünstigerer und automatisierter Infrastrukturen im Wege stehen. Denn die komplexen Workloads und Anwendungen sowie die Automatisierung dieser dynamischen Umgebungen sollten ihre Entsprechung im Rechenzentrumsnetzwerk selbst haben. Wenn diese Transformation hinterherhinkt, besteht für das Gehirn des Unternehmens akute Infarktgefahr durch Überlastung.

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* Jörg Jakobi ist Head of Network Architecture Group bei Dimension Data Deutschland.

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