Fast schon Individual-Hardware

Dell eröffnet Maßschneiderei für Large-Scale-Umgebungen

| Redakteur: Ulrike Ostler

Dell begegnet dem Trend nach Maßfertigung von Hardware mit der Gründung einer entsprechenden Abteilung.
Dell begegnet dem Trend nach Maßfertigung von Hardware mit der Gründung einer entsprechenden Abteilung. (Bild: © MIGUEL GARCIA SAAVED - Fotolia)

Nahezu jeder Computerhersteller bietet mehr oder minder individuelle Hardware an; Fujitsu wirbt damit, dass sich im Augsburger Werk selbst Losgrößen bis zu einem Stück fertigen lassen. Auch Dell produziert an Kundenwünsche angepasste Rechner, etwa für OEMs wie Google. Mit Datacenter Scalable Solutions gründet der Hardwareproduzent eine neue Abteilung für Maßrechner – für große Abnehmer.

Der neue Geschäftsbereich von Dell Datacenter Scalable Solutions (DSS) soll maßgeschneiderte Server für Large-Scale-Umgebungen liefern. Er adressiert gezielt die speziellen technischen Anforderungen von Large-Scale-Umgebungen, die sich in den Branchen Web Tech, Öl und Gas sowie bei Telekommunikationsdienstleitern, Hosting-Anbietern und Forschungseinrichtungen finden.

Das dahinter stehende neue Geschäftsmodell – basierend auf agilen, skalierbaren und reproduzierbaren Prozessen –soll diesen Unternehmen passgenaue Lösungen bieten. Das Marktsegment garantiert allerdings wirtschaftliche Losgrößen der Sonderanfertigungen. Dell will damit aber auch dem zunehmenden Einfluss von No-Name-Produkten auf den Hardware-Markt entgegensteuern.

Der neue Geschäftsbereich soll die Abteilung „Data Center Solutions (DCS) für Massive-Scale“-Umgebungen, nicht ersetzen, sondern ergänzen. Mit der vor rund acht Jahren ins Leben gerufenen Abteilung DCS, gehörte das Unternehmen zu den Pionieren auf dem Hyperscale-Markt. Diesen Markt, der quasi ein Projektgeschäft für Dell ist, bedient DCS auch weiterhin mit speziell konzipierten und maßgeschneiderten Rechnern.

Der Markt wächst schneller als ...

Wie Peter Dümig, Senior Server Product Manager bei Dell in Deutschland, erläutert, gebe es darüber hinaus ein wachsendes Segment aus Unternehmen, die sich mit ihren Anforderungen von der Größenordnung her zwar knapp unterhalb des Hyperscale-Bereichs bewegten, bei der Beschaffung und Bereitstellung von Rechenzentrums-Kapazitäten aber zunehmend ähnliche Bedürfnisse haben.

Internen Analysen von Dell zufolge wächst dieses Segment dreimal schneller als der klassische x86-Server-Markt und hat ein Volumen von rund 5,4 Milliarden Euro, rund 6 Milliarden Dollar. Vor dieser offiziellen Bekanntgabe seien in Deutschland gar zwei Aufträge dieser Art erfolgreich abgeschlossen worden.

Die derzeit in Europa abgestellte Manpower entspricht gerade einmal zwei Mitarbeitern. Doch diese würden nicht allein gelassen, versichert Dümig. Vielmehr übernähmen die jetzigen und künftigen DSS-Mitarbeiter eine Schnittstellenfunktion: Sie nehmen die Anforderungen der Kunden auf und überprüfen, respektive lassen überprüfen, ob die Anpassungen im Rahmen der Dell-Möglichkeiten wirtschaftlich machbar sind.

Die Anforderungen der Kundschaft

Das könnte der Wunsch nach spezifischen SSDs sein oder auch PCIes beispielsweise. Aber denkbar sind auch der Wunsch nach spezieller Software, mit der ein Unternehmen seine Daten besser verwalten und geschäftsentscheidende Erkenntnisse gewinnen könne oder sich die Installation eines seltenen Betriebssystems und die Bereitstellung Tausender zusätzlicher Server auf der ganzen Welt in kürzester Zeit realisieren lässt, um einen unerwarteten Bedarfsanstieg abzufangen.

Dazu kombiniert ein neues Geschäftsmodell die hohe Qualität und Verlässlichkeit der DCS- und Enterprise-Lösungen von Dell mit dem weltweiten Support und dem globalen Liefernetzwerk des Unternehmens. Auf diese Weise kann Dell DSS Lösungen bieten, die den Anforderungen dieses Marktsegments möglichst genau entsprechen. Ein bedeutsamer Vorteil dieses Angebots besteht darin, dass die entstehenden Systeme von Dell zertifiziert sind und somit die Dell-Garantie und der -Support in dem üblichen Umfang abgedeckt ist.

Ein konkretes Beispiel ist der Fall eines weltweiten Service-Providers. Um seinen Endkunden schnellstmögliche Antwortzeiten zu bieten, ermittelt er mit Hilfe einer umfangreichen Test-Matrix die optimalen Konfigurationen für seine Workloads. Auf dem Markt bereits verfügbare Lösungen können diese Konfigurationen nicht immer abdecken. Während andere IT-Anbieter nicht in der Lage waren, die Anforderungen des Service-Providers zu erfüllen, konnte Dell DSS die Infrastruktur aufbauen, die er benötigte.

Knapp unterhalb der Hyperscale-Grenze

Ein weiteres Beispiel ist ein Öl- und Gas-Unternehmen, das die Leistung seiner seismischen Datenverarbeitung maximieren und gleichzeitig den Energieverbrauch minimieren wollte. Da in dieser Branche jede gewonnene Sekunde einen Wettbewerbsvorteil bedeutet, benötige das Unternehmen eine alternative Kühlung für seine Dell-Infrastruktur. In enger Kooperation mit ihm erarbeitete Dell DSS eine passende Lösung.

Zusätzlich zu den optimierten Lieferwegen und den kundenspezifischen Konfigurationen ist Dell DSS so aufgestellt, dass der Geschäftsbereich neue Systeme für dieses Segment schnell entwickeln kann. Die ersten Produkte von Dell unter dem Label DSS werden Ende Herbst 2015 auf den Markt kommen.

Matt Eastwood, Senior Vice President von IDC, kommentiert die Gründung von Dell DSS wie folgt: „Dell war der erste große Server-Anbieter, der die spezifischen Anforderungen des Hyperscale-Markts erkannte, als das Unternehmen im Jahr 2007 DCS einführte. Jetzt nutzt Dell die Best Practices und Erfahrungen seines DCS-Geschäfts und adressiert damit die besonderen Bedürfnisse des Segments knapp unterhalb der Hyperscale-Grenze.“ Damit tätige Dell weiterhin langfristige und strategische kundenorientierte Investitionen. Das neue Geschäftsmodell erweise sich als dynamisch, wohl durchdacht und „einzigartig in der IT-Branche.“

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