Messen, was zählt Datenanalyse kann die richtigen Ergebnisse erzielen

Autor / Redakteur: Lori MacVittie* / Ulrike Ostler

Schneller, höher, weiter: Unternehmen können Unmengen an Daten über digitale Prozesse erheben. Trotzdem bleiben Einblicke in Ursachen von Anomalien oder Anzeichen von Hacker-Angriffen oftmals unentdeckt. Und das, obwohl laut einer aktuellen Studie über die Hälfte der befragten Unternehmen über die notwendigen Tools verfügen, um den Zustand und Status ihrer Anwendungen zu überwachen. Was läuft falsch?

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Egal, wie leistungsfähig die Server und Storage-Systeme werden, wie nah die Verarbeitung der Echtzeit kommt, wer das Falsche misst, ist aufgeschmissen oder läuft in die verkehrte Richtung. Die Autorin VLori MacVittie von F5 Networks plädiert für neue Metriken.
Egal, wie leistungsfähig die Server und Storage-Systeme werden, wie nah die Verarbeitung der Echtzeit kommt, wer das Falsche misst, ist aufgeschmissen oder läuft in die verkehrte Richtung. Die Autorin VLori MacVittie von F5 Networks plädiert für neue Metriken.
(Bild: Gerd Altmann auf Pixabay)

Wissen Sie, dass Ihr Körper während Sie dies lesen, etwa 11 Millionen Bits an Daten pro Sekunde generiert? Das sind etwa 1,3 Megabyte (MB), also mehr als 1000 Kilobit. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Protokolleintrag für eine Anwendungstransaktion ist 1 Kilobyte groß. Wie ein lebender Organismus erzeugt jede Aktion einer Anwendung Daten aus Anfragen, Antworten, Fehlern, Warnungen und Status. Das Gleiche gilt für Services und die Infrastrukturen.

Die Menge an Telemetriedaten, die durch eine einzige Anwendungsinteraktion entsteht, ist mit etwa 50 bis 60 Bits pro Sekunde größer, als unser Gehirn aufnehmen und verarbeiten kann. Und doch gehen viele Datenanalysen nicht in die Tiefe, eine Problematik, die den Unternehmen zusehends bewusst wird: Die Hälfte der in der aktuellen F5-Studie „State of the Application Strategy 2021“ Befragten gaben an, dass ihnen Erkenntnisse über die Ursachen von Performance-Einbrüchen und Ausfällen fehlen und sogar die Identifizierung von Angriffen wird bei 45 Prozent der Unternehmen riskanterweise durch zu oberflächliche Datenanalysen behindert.

Diese Diskrepanzen beruhen nicht auf zu wenigen Tools oder Daten, sondern auf einem Mangel an analytischer Verarbeitung, die über die Visualisierung hinausgeht und den IT-Verantwortlichen tiefere Einblicke in die Grundursache oder Anomalien gewährt.

Telemetrie und Analytics sind Business-Stars

Im großen Unterschied zu IT-Umgebungen müssen wir Menschen die Daten, die unser Körper erzeugt, nicht bewusst verarbeiten. Wir haben alle Arten von internen Helfern, durch die wir beispielsweise automatisch atmen und Blut durch unser Herz pumpen. Ähnlich ist es in der Telemetrie, wo IT-Helfer ständig nach Diagnosen, Analysen, Performance und weiteren Daten anfragen.

Genau das sollte im Business nicht anders sein. Denn für ein digitales Unternehmen ist eines seiner wichtigsten Produkte das Kundenerlebnis. Deshalb braucht es Daten, um zu verstehen, wie und wann skaliert und optimiert werden muss. Und um sicher zu arbeiten.

Ähnlich wie im menschlichen Körper produziert und analysiert nicht eine einzige Anwendung alle Daten, die zur Optimierung und Sicherung des digitalen Erlebnisses benötigt werden. Nach Markteinschätzungen sind einige der besten Lösungen Application Security- und Delivery-Technologien, die Daten sammeln, analysieren und Systeme anweisen.

So werden Telemetrie und Analytics ihrer Rolle als alles entscheidende, aufsteigende Technologiestars gerecht. Sie sind von zentraler Bedeutung – vom KI-Einsatz über Sicherheit bis hin zur Verwaltung des App-Portfolios.

Aus für klassische Messpunkte

Ändern muss sich, was Unternehmen messen. Klassische Messpunkte überwachen die Effektivität von IT und Betrieb auf der Basis individueller und binärer Metriken. Aber die Verfügbarkeit einer bestimmten Anwendung kann Einfluss auf das Kundenerlebnis haben – oder auch nicht.

Moderne Methoden wie Agile, DevOps und Site Reliability Engineering (SRE) werden zum Teil von der Erwartung getrieben, dass Komponenten ausfallen. Die Fähigkeit, dies automatisch zu kompensieren, ist in modernen Apps und den Technologien, die sie bereitstellen und sichern, eingebaut.

Dieses Schlüsselprinzip wird jedoch noch nicht vollständig von den IT-Abteilungen und der Führungsebene übernommen. Die Teams arbeiten auf das hin, woran sie gemessen werden. Wenn Führungskräfte die Effektivität ihrer Organisation auf der Grundlage traditioneller Kennzahlen messen, dann werden diese Kennzahlen die Prioritäten weiter bestimmen. Eine sehr besorgniserregende Entwicklung, bedenkt man, wie stark die Modernisierungsbemühungen der Unternehmen sind.

Es hilft nicht, irgendetwas zu messen

Da diese schnell voranschreiten, verlagert sich ihr Schwerpunkt zwangsläufig von Anwendungen zu Workflows, von Benutzeroberflächen zu Nutzererfahrungen. Das beste Maß für die Nutzererfahrung sind aber nicht binäre Metriken über Verfügbarkeit oder Leistung, sondern Geschäftsergebnisse.

Klassische betriebliche Metriken können – wenn sie aggregiert und analysiert werden – die notwendigen Erkenntnisse liefern, um die Erwartungen an die Geschäftsergebnisse zu erfüllen. Aber für sich genommen sind sie kaum mehr als Warnhinweise, die ein echtes Problem adressieren oder Fehlalarme auslösen.

Hinzu kommt: Viele Unternehmen überwachen nicht einmal den Zustand und den Status der Komponenten, die sie für die Modernisierung ihrer Kerngeschäftsanwendungen verwenden. Fast ein Viertel gab in der Studie von F5 an, dass sie die SLAs moderner Komponenten, die das heutige Nutzererlebnis schaffen, nicht verfolgen.

Doch diese Komponenten – in der Regel mobile und Container-native Apps – sind der erste Eindruck, den ein Kunde von einer Marke hat. Und dennoch versuchen viele Unternehmen nicht, diese Experience zu verstehen. Und weitere sechs Prozent der Firmen tracken überhaupt keine SLAs.

Analytics muss sich strategisch mit dem Unternehmen entwickeln

Telemetrie ist, unterstützt von Anwendungssicherheit- und Bereitstellungstechnologien, geschäftskritisch dafür, wie IT und Business den Erfolg messen. Bisher werden Analytics aber immer noch stärker für betriebliche Service-Level-Ziele (SLO) statt zur Erfüllung von Geschäftsergebnissen genutzt. Oft fehlen relevanten Erkenntnisse, die Business und IT benötigen, um außergewöhnliche digitale Erlebnisse für ihre Kunden zu schaffen und das übergeordnete Ziel eines durchgängig KI-gestütztes Geschäfts zu erreichen.

Lori MacVittie: „Klassische betriebliche Metriken sind für sich genommen kaum mehr als Warnhinweise.“
Lori MacVittie: „Klassische betriebliche Metriken sind für sich genommen kaum mehr als Warnhinweise.“
(Bild: F5 Networks)

Für diese Technologieevolution müssen Business und IT an einem Strang ziehen. Dazu gehört zwingend die Ausrichtung auf Analysen, die sich strategisch auf Geschäftsergebnisse statt auf betriebliche Metriken konzentrieren.

* Lori MacVittie ist Technical Evangelist für Cloud Computing, Cloud- und Anwendungssicherheit sowie Anwendungsbereitstellung und für die Schulung und Evangelisierung der gesamten Produktpalette von F5 verantwortlich.

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