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Edge Computing Das Rechenzentrum zum Mitnehmen

| Autor / Redakteur: Patrick Hubbard* / Ulrike Ostler

Edge Computing ist in der IT-Community schon seit Jahren im Gespräch und erlebt mit der 5G-Einführung neuen Auftrieb. Die Technik bietet eine naheliegende Lösung, um die physischen Grenzen für mobile Anwendungen mit hoher Bandbreite und niedriger Latenz zu überwinden. Und wie macht wer das richtig (gut)?

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Die Edge bleibt, weil sich der Mehrwert verfestigt. Zugleich bieten Edge, Cloud und Enterprise-IT quasi das Datacenter-to-go.
Die Edge bleibt, weil sich der Mehrwert verfestigt. Zugleich bieten Edge, Cloud und Enterprise-IT quasi das Datacenter-to-go.
(Bild: StockSnap auf Pixabay)

Selbst wenn der 5G-Hype um allgegenwärtige Telemedizin, autonome Fahrzeuge und perfekt synchrone virtuelle Bandproben einmal zurückgehen sollte, bleibt der langfristige Wert des Edge Computing bestehen. Dank der Mitwirkung großer Cloud-Anbieter kann Edge besser als je zuvor verwaltbare verteilte Infrastrukturlösungen der Enterprise-Klasse ermöglichen, und das ohne die Kosten und Mühen der Co-Location.

Das gute Chaos der Co-Location

Natürlich bevorzugen IT-Teams optimierte Infrastrukturen mit genau der richtigen Menge an Rechenzentren, Verbindungen, Anbietern, Anwendungen, Tools und Konfigurationen. Alles Weitere erhöht die Komplexität, den Umfang oder beides. Für die Budgetverantwortlichen ist das ein Gräuel.

Doch manchmal kann die IT je nach Geschäftsanforderungen nicht auf Außenstellen verzichten. Ich denke noch Jahre später gerne daran zurück, in dunklen Hochsicherheitskellern zu arbeiten und in gut ausgerüsteten privaten Anlagen herum zu tüfteln. Die gelegentlichen guten Abendessen und schicken Hotels waren auch nicht zu verachten.

Die damit einhergehenden Kosten, Komplexitätssteigerungen und Sicherheitsbedenken haben allerdings dazu geführt, dass Unternehmen sich sehr gut überlegen, welche Dienste wirklich bereitgestellt werden können. Anfangs schien die Cloud eine gute Lösung für dieses Problem zu sein: Sie ermöglichte eine deutlich breitere Lokalisierung von Workloads und Speicher in verschiedenen Regionen. Doch PCPs sind als weltgrößte MSPs weiterhin an dieselben Gesetzmäßigkeiten der Budget-Realität gebunden wie alle vor Ort Tätigen und begrenzen die Anzahl der Regionen, um ihre Kosten im Griff zu behalten.

So bleibt eine spürbare Servicelücke für Workloads, die nicht in die Cloud gehören, aber auch nicht für bestehende Rechenzentren geeignet sind. Diese Erfahrung wirft ein neues Licht auf das Edge Computing.

Keine Überraschung für Unternehmen

Unternehmen aller Größen brauchen häufig kleinere, aufgabenorientierte verteilte Server. Vor allem größere Unternehmen können spezialisierte Teams einstellen, die lokal verteilte Infrastrukturen nutzen. Für Ingenieure liegt der Gedanke nahe, Server an Standort X aufzustellen, um speziellen Bedürfnissen gerecht zu werden. So haben sie das, was sie brauchen, genau dort, wo sie es benötigen.

Allerdings ist diese Denkweise ein Überbleibsel von Budget-Rechtfertigungen. Schon immer wurden spezifische Initiativen an Ausgaben gebunden, um die Genehmigung für Käufe zu erhalten. Nur selten empfehlen Teams lokalisierte flexible Betriebsinfrastrukturen. Fast immer ist ein Nein die Antwort, wenn darum gebeten wird, mehrere kleine allgemeine, vielseitig einsetzbare Rechenzentren bereitzustellen, zu sichern und zu pflegen.

Die meisten Unternehmensanwendungen, die vom Edge Computing profitieren könnten, passen bedauerlicherweise nicht zu den Kriterien für zweckgebundene Ausgaben, aber machen gleichzeitig den Großteil der Investitionen aus. Dadurch bleiben viele Möglichkeiten ungenutzt.

Edge als Service-to-Go

Im Cloud-Bereich ist vieles im Wandel, insbesondere die Einbindung der Cloud in die Telekommunikationsinfrastruktur. AT&T, T-Mobile, Verizon, Vodafone, Orange und andere Telekommunikationsanbieter bieten in Zusammenarbeit mit AWS und Azure eine Reihe von Cloud-Diensten als Edge-Erweiterungen an. Dies ist eine besondere Eigenschaft dieser Edge-Variante. Da die Dienste auf der softwaregesteuerten Funktionsweise der Cloud basieren, dieselben APIs nutzen und ebenso nutzungsbasiert abgerechnet werden, ist das Management sehr viel einfacher, als wenn man sich selbst darum kümmert.

Mit Cloud- und Hybrid-Infrastrukturen vertraute IT-Experten können Edge-Services bereitstellen, die nicht den Investitionsberechnungen für eine Co-Location entsprechen. Edge wird letztendlich einfach ein weiterer Einsatzbereich mit bekannter Performance, Resilienz und Kosten. „Hosted Edge“ lässt Unternehmen nicht nur den Wert ihrer Anwendungen steigern, sondern erreicht noch mehr: Diese können schneller und freier mit neuen Applikationen experimentieren, bestehende solche modernisieren und neue Wettbewerbschancen schaffen.

Es gibt immer einen Haken

Zwischen dieser neuen Art des Edge Computing und der herkömmlichen Co-Location gibt es einige Unterschiede, die aus ihrer Art der Cloud-Nutzung resultieren. Erstens werden Linux, containerisierte Anwendungen und serverlose Workloads bevorzugt, um Betriebskosten zu senken. Niemand möchte seinen Cloud-Anbieter und die Partner-Telekommunikationsanbieter für das Hosten von VMs bezahlen.

Zweitens erreichen die Anwendungen mit höherer Wahrscheinlichkeit ihre Kosten-Performance-Ziele, wenn sie cloud-native Technologien und Dienste nutzen. Für die Verarbeitung von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen, die Wissenserzeugung und die Filterung für niedrigere Bandbreitenkosten der übergeordneten Cloud werden beispielsweise NoSQL und andere nicht-traditionelle Enterprise-Datenbanktechnologien eingesetzt.

Vor einigen Jahren hätte dies IT-Teams vor neue Herausforderungen bei Monitoring und Management gestellt. Einige Anbieter haben ihre Kataloge unterstützter Datenbanken jedoch bereits um NoSQL und Open Source erweitert. So können Administratoren sich die neuen Tools und Fähigkeiten zunutze machen, die sie bereits durch das Management von Cloud-Datenplattformen gewonnen haben, und die Edge-Datenbankleistungsüberwachung vereinfachen.

Edge, so weit das Auge (nicht) reicht

Es ist gut möglich, dass uns eine explosionsartige Ausweitung des Angebots an neuen Edge-Diensten bevorsteht. Unternehmen können auf Arten und Weisen mit Angestellten und Kunden interagieren, die zuvor unmöglich, zu schwierig oder schlicht zu teuer waren. Die Erfahrung aus vielen Jahren im Betrieb zeigt, dass es Unternehmen selten an guten Ideen fehlt, aber Komplexität und Kosten viele gute Projekte verhindern.

Mit einem einfacher handhabbaren Edge Computing kann sich das ändern. IT-Teams werden damit experimentieren, „echte“ Unternehmens-Workloads und Daten dort, wo sie von Mitarbeitern und Kunden gebraucht werden, schnell bereitzustellen und weiterzuentwickeln. Wenn sie dabei Erfolg haben und die Komplexität insgesamt mit der Cloud vergleichbar bleibt, könnte das zu einer großflächigen Verbreitung führen.

Patrick Hubbard: „Ich denke noch Jahre später gerne daran zurück, in dunklen Hochsicherheitskellern zu arbeiten und in gut ausgerüsteten privaten Anlagen herumzutüfteln.“
Patrick Hubbard: „Ich denke noch Jahre später gerne daran zurück, in dunklen Hochsicherheitskellern zu arbeiten und in gut ausgerüsteten privaten Anlagen herumzutüfteln.“
(Bild: Solarwinds.)

Mein Fazit

Bei aller Nostalgie vermisse ich es nicht, mehrere Stunden unterwegs zu sein, um Server-PSUs und Laufwerke an einem staubigen Co-Location-Standort auszuwechseln. Doch trotz mehrerer Cloud-Anbieter, Regionen und Service-at-the-Edge sehe ich immer noch eine Bedarfslücke. Einfach zu verwaltendes On-Demand-Edge-Computing könnte endlich zu einem gängigen Werkzeug werden, mit dem neue Ideen umgesetzt und das Business transformiert werden.

* Patrick Hubbard ist Head Geek bei Solarwinds.

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