Das TÜV-Süd-zertifizierte Datacenter in Augsburg

Das Rechenzentrum von LEW Telnet - ein sicherer Datenhafen für Firmen der Region

| Autor: Ulrike Ostler

In den Co-Location-Rechenzentren von LEW Telnet wird mit "Novec", das heißt: mit dem Siemns-Derivat "Sinorix" gelöscht, sollte es zum Brand in den Server-Räumen kommen.
In den Co-Location-Rechenzentren von LEW Telnet wird mit "Novec", das heißt: mit dem Siemns-Derivat "Sinorix" gelöscht, sollte es zum Brand in den Server-Räumen kommen. (Bild: Ulrike Ostler/ Vogel IT-Medien GmbH)

Der Ursprung der 1997 gegründeten Augsburger LEW Telnet GmbH ist Strom; denn der einzige Gesellschafter ist der lokale Energielieferant Lechwerke AG. Das Hauptgeschäft aber sind Datennetze auf einer 3.500 Kilometer langen Infrastruktur. Seit 15 Jahren gehört dazu auch ein eigenes Datacenter, das im Jahr 2016 auf 600 Quadratmeter erweitert wurde; Abschnitt 2 und 3 können Kunden für Co-Location, Managed Services und Cloud nutzen.

Über mangelnden Zuspruch kann sich LEW-Telnet-Geschäftsführer Johannes Stepperger nicht beklagen. Noch während des Besuchstermins sagte ein weiterer Neukunde zu. Das Unternehmen will als regionaler Datenspezialist Firmen der Region anlocken – von klein bis groß. Derzeit verfügt das Rechenzentrum über eine Fläche von 600 Quadratmetern, Platz für rund 100 Server-Schränke.

Das ist nicht das Fenster zum Hof eines Gefängnisses. Hinter diesem Panzerglas und den Gittern stecken die Co-Location-Datacenter von LEW Telnet. Die Fesntergitter entstanden in der Lehrwerkstatt der Muttergesellschaft Lechwerke AG.
Das ist nicht das Fenster zum Hof eines Gefängnisses. Hinter diesem Panzerglas und den Gittern stecken die Co-Location-Datacenter von LEW Telnet. Die Fesntergitter entstanden in der Lehrwerkstatt der Muttergesellschaft Lechwerke AG. (Bild: Ulrike Ostler/ Vogel IT-Medien GmbH)

Bei dem Umbau und der Erweiterung im vergangenen Jahr wurde insbesondere an der Sicherheit und an der Kühlung gefeilt. Zunächst ist das Gebäude, in dem die Datenräume untergebracht sind, nur schwer zu finden. Sodann fallen die vergitterten Fester auf. „Diese sind eigentlich überflüssig“, erläutert Stepperger. „Sie sind ein Geschenk der LEW-Lehrwerkstatt.“

Sicherheit ist erstes Gebot

Überflüssig seien sie deswegen, weil die Fenster mit Panzerglas und einem stillen Alarm etwa bei der nahegelegenen Polizeiwache gesichert seien. Doch selbst wenn sich jemand unberechtigt Zugang zum Flur verschaffen würde, helfe das nicht. Der Zutritt zu den Facility- und Rechnerräumen erfolge zeitgesteuert und nach entsprechender Registrierung.

Video-Überwachung der Räumlichkeiten ist in Rechenzentren dieser Art ohnehin eine Selbstverständlichkeit. Das Unternehmen macht in seiner Firmenbroschüre zudem darauf aufmerksam, dass die Auflagen des Bundesdatenschutzgesetzes „strengstens beachtet“ werden und die zusätzlich überwachten Bereiche gekennzeichnet sind.

Nur eine Ausnahme gibt es in dem Konzept. Da die meisten Kunden Dell-EMC-Equipment nutzen, gibt es häufige Besuche von Dell-EMC-Technikern vor Ort. Diese besitzen eine Schlüsselkarte, die ihnen die ansonsten übliche Anmeldeprozedur verkürzt.

Gefreut habe man sich dennoch über die stabilen Gitter vor den Fenstern, versichert Stepperger. „Immerhin machen sie etwas her und zeigen das Engagement der Muttergesellschaft.“

Der Hochsicherheitstrakt bei LEW Telnet ist ein Datacenter

Die geprüfte Verfügbarkeit

Jedes Rack in den Server-Räumen lässt sich mehrfach an die Stromversorgung und an das Datennetz mit einer Übertragungskapazität von bis zu 10 Gigabit pro Sekunde anbinden. Die IT-Systeme können bis zu 11 Kilovoltampere Leistung aufnehmen.

Zu den Sicherheitseinrichtungen zählen unter anderem auch die separate Fehlerstromüberwachung an jedem Server-Schrank und ein Blitzschutzsystem mit Schutzklasse 1 bis zum einzelnen Server-System.

LEW Telnet verlässt sich nicht allein auf die Stromlieferung ins Haus, Schutz gegen Stromausfall bietet eine unterbrechungsfreie Stromversorgung mit einer Autonomiezeit von mindestens 10 Minuten, sowie zusätzlicher Absicherung mithilfe zweier Netz-Ersatz-Anlagen mit einer Gesamtleistung von einem Megawatt. Diese garantieren dank Dieselgeneratoren unter Volllast eine Autonomiezeit von 33 Stunden. Insgesamt gibt LEW Telnet die Verfügbarkeit mit 99,95 Prozent pro Jahr an.

Wie wichtig die Absicherung gegen Stromausfall ist, selbst bei einem Rechenzentrumsbetreiber, der zu einem Stromkonzern gehört, zeigte sich zu Beginn des Jahres. Ein Straßenverteiler wurde so schwer beschädigt, „als die Straßenbau-Maßnahmen eigentlich schon abgeschlossen waren“, so Stepperger, dass das Rechenzentrum seine Dieseltanks vier Tage in Betrieb setzen musste, um den Strom für die Datacenter zu erzeugen. Wie praktisch, dass die Lechwerke AG über eigene Tankstellen verfügt. Von dem Stromausfall selbst haben die RZ-Kunden nichts gemerkt.

Die Kühlung, die heizt

Beim Besuch des Rechenzentrums fallen die Rohre, die sich überall rundum die Server-Räume zu befinden scheinen, ins Auge. Sie gehören erstens zu den zwei separaten Brandabschnitten, die jedem Aufstellungsort für Kunden-Server redundant zur Verfügung stehen.

Die dickeren aber gehören zu der ebenfalls redundant ausgeführten Klima-Anlage. In den Server-Räumen herrscht im Schnitt eine Temperatur von 24 Grad. Die Racks befinden sich in Kalt- und Warmgangeinhausungen. Da der Chef selbst schon einmal vergessen hatte die Türen zur Einhausung zu verschließen, besitzen die Abschnitte nun Automatiktüren, die von selbst zugleiten. Die Abwärme beheizt unter anderem die Räume der Augsburger „Tafel“, die sich in der Nähe der Datacenter befinden.

Der Hochsicherheitstrakt bei LEW Telnet ist ein Datacenter

Da Wasser zur Kühlung verwendet wird, setzt der Rechenzentrumsbetreiber Sensoren für die Erkennung von Leckagen ein. Sollte ein Versorgungsrohr so beschädigt sein, dass Wasser außerplanmäßig zugeführt werden muss, hat LEW Telnet zusätzlich Anschlüsse für Feuerwehrschläuche eingebaut.

Weitere Sensoren gibt es zudem für die Brandfrüherkennung und für die Luftfeuchtigkeit. Beim Löschgas setzt LEW Telnet auf „Simec“, ein Produkt aus dem Hause Siemens, das mit „Novec“ von 3Com zu vergleichen ist.

Die Grundlage - das Netz

Rechenzentren betreibt LEW Telnet seit 15 Jahren. Doch bereits 1997 ging LEW Telnet in Neusäß bei Augsburg als eigenständiges Unternehmen an den Start. Das Tochterunternehmen der LEW-Gruppe baute sein Dienstleistungsangebot auf dem Betrieb des damals 700 Kilometer langen Glasfasernetzes der Lechwerke (LEW) auf.

Die Grundlage der Glasfaserinfrastruktur baute das Unternehmen jedoch bereits in den 1980er-Jahren auf. Damals wie heute werden Kraftwerke und Anlagen im regionalen Stromnetz über diese Infrastruktur gesteuert. So ermöglichten die Hauptadern des Netzes zu dieser Zeit sensationelle Übertragungskapazitäten von 622 Megabit pro Sekunde.

Ab 1997 öffnete LEW Telnet diese zukunftssichere Infrastruktur für die Wirtschaft und die Kommunen in der Region. Dank dieser Datenleitungen konnten die angeschlossenen Unternehmen damals bereits eine Bandbreite von mehreren Megabit pro Sekunde nutzen. LEW Telnet toppte damals damit jeden ISDN-Standardanschluss um ein Vielfaches.

Seit 2009 ist „leistungsstarkes Breitband für alle“ das erklärte Ziel. Seit dem Start des 1. Bayerischen Förderprogramms treibt der Infrastrukturbetreiber den Breitbandausbau in der gesamten Region voran. Das bedeutet: Es sind mehr als 80 Förderprojekte fertiggestellt oder aktuell in Umsetzung sowie zusätzlich über 100 Gewerbegebiete und Neubausiedlungen privatwirtschaftlich mit Glasfaser erschlossen worden

Das inzwischen auf mehr als 2.500 Kilometer ausgebaute Glasfasernetz versorgt derzeit mehr als 60.000 Firmen, Betriebe, Behörden und Haushalte – mit 10 Megabit pro Sekunde und mehr. Die Netzlänge insgesamt beziffert LEW Telnet auf 3500 Kilometer.

Über VPN, IPsec, MPLS, LAN, WAN

Von dem Netzausbau (LWL Dark Fibre) profitiert auch das Rechenzentrum direkt. Die Techniken, die LEW Telnet anbieten kann sind VPN, IPsec, MPLS, LAN, WAN. Zum Beispiel wird die Kommunikation zwischen unterschiedlichen Standorten der Kunden über MPLS-/VPN-Technik, LAN-Links (Layer2) und Datenfestverbindungen realisiert. Außerdem haben die Kunden die Möglichkeit, die Qualität der Übertragung durch eine Priorisierung von Netzwerk-Protokoll zu steigern.

Abhängig von der eingesetzten Technik, Ethernet- oder SDH-Festverbindung, wählen die Kunden ihre individuelle Übertragungskapazität. Die verfügbaren Bandbreiten reichen von 64 Kilobit pro Sekunde bis 10 Gigabit pro Sekunde.

LEW Telnet übernimmt auf Wunsch die Anbindung der POP`s und der Endkunden aus der Region Schwaben (Bayern) und Oberbayern an die überregionalen Ferntrassen. Für den Kundenzugang über die Teilnehmeranschlussleitung (TAL) der Deutschen Telekom stellt der Betreiber Anbindungen zu den meisten Hauptverteilern (HVTs) in der Region zur Verfügung. Wegen der Vielzahl von Standorten in der Region kann LEW Telnet auch die Anbindung von ICAs fürweg realisieren. Bei Bedarf werden diese Leitungen entsprechend Ihren gewünschten Service Level Agreements (SLAs) redundant ausgelegt.

Die Produkte

Die Spezialisten von LEW Telnet können aber auch die gesamte Administration und den Betrieb des Datennetzes übernehmen. Die Netzwerkkomponenten und -verbindungen werden im Netzwerk-Management-Center überwacht. Der Hub befindet sich übrigens in einem eigenen Käfig, zu dem nicht einmal der Chef ohne vorherige Anmeldung Zugang hat.

Die Infrastruktur im Rechenzentrum und mithilfe des eigenen Netzes nutzt das etwa 100 Personen strake Unternehmen für sehr vielfältige Angebote. Das reicht von Co-Location über Managed Services bis hin zu Cloud-Angeboten.

So kann ein Kunde etwa komplette oder zu Teilen 19-Zoll-Server-Schränke (42 Höheneinheiten, also 38 Units in voller Tiefe) in dem vom TÜV Süd zertifizierten Rechenzentrum mieten, mitsamt Energie-Box beziehungsweise Stromverbrauchsanzeige, Sicherungen und Feinschutz im Kunden-Rack. Auf Wunsch übernimmt LEW Telnet die Installation, den Anschluss an die vorhandene Switch-Infrastruktur über 1000Base-T- oder 100GBase-LR-Ports und die Wartung. Die Abrechnung erfolgt entweder nach Internet-Zugang, Volumen oder als Flatrate.

Bei Managed Services übernimmt LEW Telnet auch die Betreuung und Wartung der Server-Systeme, selbst das Ausschalten der Hardware. Bei HP-Kunden kann LEW Telnet auch defekte Komponenten austauschen. Die Hardware wird im Netzwerk-Management-Center proaktiv überwacht und die Kunden erhalten eine remote Konsole.

Regionale Begrenzung als Vorteil

Der Datacenter-Anbieter kann aber auch den Datenverkehr sichern: speichern, verteilen und empfangen. Dafür steht ein durch Triple-Crypto-Technik zur verschlüsselten Ablage sowie ein mehrstufiges Berechtigungssystem und Georedundanz zur Verfügung. Dazu kommen SSL-Verschlüsselung für den Transport und Firewall-Systeme. Daten-Up- und -Downloads sind direkt von und zu mobilen Geräten möglich.

Mit einer Fläche von 600 Quadratmetern und der Regionalität ist LEW Telnet kein großer Rechenzentrumsbetreiber. Doch den scheinbaren Nachteil spielt das Unternehmen im Cloud-Business als seine Stärke aus. Denn während andere Cloud-Anbieter in der Regel Server-Farmen rund um den Globus einsetzten, würden bei der „Regional-Cloud“ von LEW Telnet sowohl die Verarbeitung als auch die Speicherung der Daten vor Ort garantiert.

Der Hochsicherheitstrakt bei LEW Telnet ist ein Datacenter

So sei die „Regional-Cloud“ der Neusässer Datenspezialisten selbst für Behörden vor Ort attraktiv. Eine der Möglichkeiten sei das Angebot als Backup-Rechenzentrum. Typischer Fall im LEW-Telnet-Rechenzentrum: Kritische IT-Systeme werden mitsamt der Daten und Applikationen redundant aufgebaut und per Glasfaser an den Erststandort angebunden. Zur weiteren Erhöhung der IT-Verfügbarkeit bietet die Lechwerke-Tochter seinen Kunden „Veeam Cloud Backup“ an.

Das Angebot basiert auf der Backup- und Replikationstechnik der Firma Veeam und bietet eine zusätzliche Speichermöglichkeit in der Cloud. Diese ist mit „Hyper V“ von Microsoft und VMware-Software kompatibel.

Der Mieter

Einer der Mieter im LEW Telnet Rechenzentrum ist die BMF Media Information Technology GmbH (BMF). Das Unternehmen entwickelt und betreibt spezialisierte Shop-Systeme und 3D-Medien für die Reifen- und Felgenbranche. „Ein Server-Ausfall würde für unsere Kunden sehr schnell sehr teuer werden. Unsere Softwareprodukte müssen daher absolut sicher und verlässlich zur Verfügung stehen“, so BMF Geschäftsführer Stefan Klein.

Aktuell hat BMF im Augsburger Co-Location-Rechenzentrum fünf komplette Racks gebucht. Der Online-Dienstleister hat dort seine eigenen Server und Systeme installiert. Zusätzlich nutzt BMF noch drei leistungsstarke Datenbank-Server auf Mietbasis sowie ein von den LEW Telnet-Spezialisten betreutes Firewall-System.

Kein Kunde sind übrigens die Lechwerke – „noch nicht“, sagt Stepperger. Die betreiben ihr eigenes Rechenzentrum, überlegen aber, setzt der LEW-Telnet-Chef hinzu, „zu uns zu wechseln.“

Hinweis:

Für diejenigen, die sich virtuell durch das Rechenzentrum begeben wollen, hat LEW Telnet einige Videos gedreht, zum Beispiel Das Rechenzentrum von LEW Telnet

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