Agil, schnell, flexibel: Das sollen SAP S/4 HANA und Leonardo bieten

Das Hybrid-SAP-S/4-HANA lohnt sich. Und wie kommt man dahin?

| Autor / Redakteur: Jürgen Frisch* / Ulrike Ostler

Agiler geht es kaum. Wann setzt ihr Unternehmen zum Sprung in die Digitalisierung an? Ein In-Memory, Cloud-Dienste und ein modernes ERP-System können hlefen.
Agiler geht es kaum. Wann setzt ihr Unternehmen zum Sprung in die Digitalisierung an? Ein In-Memory, Cloud-Dienste und ein modernes ERP-System können hlefen. (Bild: gemeinfrei - cocoparisienne/Pixabay / CC0)

Digitale Transformation lautet das Ziel vieler Unternehmen. Als Plattform dafür bietet sich „SAP S/4 HANA“ an. In der „SAP Cloud“ ergänzt „SAP Leonardo“ dazu Innovationsbausteine wie Blockchain. Wer noch ein Altsystem nutzt, kann schrittweise in die neue SAP-Welt migrieren.

Digitalisierung und Transformation stehen aktuell weit oben auf der Agenda deutscher Manager: „Wir helfen unseren Kunden dabei, intelligent zu werden“, wirbt Björn Goerke, President SAP Cloud Platform und Chief Technology Officer bei SAP auf der Hausmesse „SAP TechEd“ in Barcelona. Um dieses Ziel zu erreichen, brauchen die Unternehmen nach Meinung des SAP-Managers drei Dinge: Visibility, also das Sammeln und Auswerten von Daten, Fokus, also das Simulieren der Auswirkungen von Handlungsalternativen und Agilität, also das schnelle Reagieren auf Veränderungen im Markt.

„The Power of Speed“ – dieses Motto hat der SAP-Gründer Hasso Plattner anlässlich der Vorstellung der In-Memory-Datenbank „SAP HANA“ ausgegeben.
„The Power of Speed“ – dieses Motto hat der SAP-Gründer Hasso Plattner anlässlich der Vorstellung der In-Memory-Datenbank „SAP HANA“ ausgegeben. (Bild: SAP)

Technisch umfassen Goerkes Grundlagen mehrere Elemente: intelligente betriebswirtschaftliche Software für das Enterprise Resource Planning (ERP), also SAP S/4 HANA, intelligente Technologien, wie Machine Learning, Blockchain, Advanced Analytics und das Internet der Dinge, die SAP als Portfolio unter dem Banner Leonardo in der SAP Cloud Platform bündelt. Die digitale Plattform verfolgt das Ziel, alle Elemente miteinander zu verknüpfen.

Transaktionen und Analysen in einem System

Das auf der In-Memory-Datenbank HANA basierende ERP-System SAP S/4 HANA bringt mehrere technische Vorteile: Zu einen vereint es Transaktionen und Analysen. Direkt über der Belegebene schaffen so genannte Core Data Services eine einheitliche Sicht. Hier lassen sich Schlüsselkennzahlen wie Umsatz und verkaufte Menge zentral definieren.

Komprimierung der Daten – so beschleunigt die In-Memory-Datenbank „SAP HANA“ laut Darstellung von SAP-Gründer Hasso Plattner die Datenverarbeitung.
Komprimierung der Daten – so beschleunigt die In-Memory-Datenbank „SAP HANA“ laut Darstellung von SAP-Gründer Hasso Plattner die Datenverarbeitung. (Bild: SAP)

Es entsteht ein Single-Point-of-Truth, wo sich ohne großen Aufwand Informationen aus dem Finanzwesen dazu mischen lassen. Das operative Reporting ist hier stets aktuell und kommt nicht aus einem gesonderten analytischen System, beispielsweise „SAP Business Warehouse“, dessen Daten mehrere Tage alt sein können.

Bei herkömmlichen IT-Systemen mussten Entscheidungsträger zunächst in einem externen System Reports aufrufen, um zu erkennen, ob es irgendwo Probleme gibt. Um zu reagieren, wurde anschließend den Fall erneut im ERP-System herausgesucht. „SAP S/4 HANA bündelt all diese Schritte“, erläutert Lorenz Beckmann, Principal S/4 HANA und SAP Cloud Plattform beim SAP-Partner Itelligence. „Praxisbeispiele zeigen, dass Unternehmen mit einem solchen System um mehr als 25 Prozent effizienter arbeiten.

Innovationstechnologien kommen aus der SAP Cloud

Technologien wie Machine Learning, Internet of Things und Blockchain bündelt SAP unter der Bezeichnung Leonardo zu einem Innovationssystem in der SAP Cloud: „Wir bieten diese Technologien im Business-Kontext an“ erläutert Glenn González, Digital Transformation Lead bei SAP Deutschland, den Vorteil am Beispiel von Invoice Matching. Dort werden Eingangszahlungen einer Rechnung gegenübergestellt. „In klassischen ERP-Systemen wäre ein Entscheidungsbaum die adäquate Hilfe. In SAP Leonardo nutzen wir dafür Machine Learning, so dass das System mit der Zeit immer smarter wird.“

Spaltenorientiertes Speichern komprimiert in der In-Memory-Datenbank „SAP HANA“ die Daten und beschleunigt die Verarbeitung, wie SAP-Gründer Hasso Plattner eräutert.
Spaltenorientiertes Speichern komprimiert in der In-Memory-Datenbank „SAP HANA“ die Daten und beschleunigt die Verarbeitung, wie SAP-Gründer Hasso Plattner eräutert. (Bild: SAP)

Besonders gut laufe Machine Learning zusammen mit SAP S/4 HANA: „Während klassische Datenbanken den Informationsbestand in Aggregaten verdichten, arbeitet SAP HANA mit den Originaldaten, und Machine Learning greift direkt darauf zu. Das ist deutlich einfacher als die Arbeit mit Aggregaten.“

Dienstleistungen werten Produkte auf

Im Rahmen der Digitalisierung wollen Unternehmen dem Kampf um Stückpreise entkommen, indem sie zu ihren Produkten ergänzende Services anbieten, die Mehrwerte schaffen. Die Konkurrenz soll künftig über diese Services laufen, denn damit lassen sich höhere Deckungsbeiträge erzielen als mit den Produkten selbst.

Auch könne SAP S/4 HANA helfen, wie Gonzáles anhand eines Erfolgsbeispiels für die Aufwertung physischer Produkte durch digitale Services aufzeigt: „Ein Medizintechnikhersteller stellt Operationsbestecke her und liefert sie als Sets an Krankenhäuser. Bislang musste stets das komplette Set desinfiziert werden, auch wenn nur ein einzelnes Werkzeug benutzt wurde. Abhilfe schaffen künftig `iPads´, die per Kamera festhalten, welche Teile benutzt wurden. Der Medizintechnikhersteller bietet dem Krankenhaus auf Basis dieser Daten einen Service zum individuellen Reinigen der benutzen Operationsbestecke an.“

Stabilität und Innovation laufen in eigenen IT-Schichten

Die von der SAP für Innovationen favorisierte IT-Architektur umfasst zwei Ebenen: standardisierte Geschäftsabläufe laufen in S/4 HANA und agile innovative Anwendungen in SAP Leonardo in der SAP-Cloud. Die gedankliche Grundlage dieses Architekturmodells hat Gartner mit dem Begriff ‚Bimodal IT’ formuliert. Die IT-Architektur hat hier zwei Ebenen: Die klassischen Aufgaben wie Verlässlichkeit und Genauigkeit liefert der stabile Kern mit standardisierten Abläufen. Neue Anforderungen wie Agilität und Schnelligkeit decken Applikationen ab, die in der Cloud laufen.

SAP S/4 HANA verknüpft beide Ebenen über offene Standards miteinander: Etablierte Best Practices liefern Branchenlösungen, die in den Rechenzentren der Unternehmen laufen, während die SAP-Cloud-Plattform über das Leonardo-Portfolio den innovativen und agilen Teil beisteuert.

Altsysteme bilden Innovationen nur schwierig ab

Die deutliche Mehrheit der SAP-Kunden setzt allerdings bislang noch die „SAP Business Suite“ ein, die der Hersteller bis 2025 in der Wartung unterstützt. Viele IT-Verantwortliche fragen sich nun, ob sie nicht auch die SAP Business Suite als Basis für die Digitalisierung nutzen können.

Die Antwort darauf ist laut Gonzáles zweigeteilt: Manch ein innovatives Szenario lässt sich mit einem klassischen ERP-System nur sehr schwer abbilden, weil dafür schlicht die Funktionen fehlen. Andererseits ist SAP S/4 HANA ist für Innovationen zwar ideal, aber nicht für sämtliche Projekte notwendig.

SAP-Gründer Hasso Plattner ist der geistige Vater der In-Memory-Datenbank „SAP HANA“, welche die Grundlage für „SAP S/4HANA“ darstellt.
SAP-Gründer Hasso Plattner ist der geistige Vater der In-Memory-Datenbank „SAP HANA“, welche die Grundlage für „SAP S/4HANA“ darstellt. (Bild: SAP)

Falsch hingegen sei die Vorstellung, dass eine abgeschlossene Migration auf SAP S/4 HANA die Voraussetzung für den Einstieg in Innovationsprojekt darstelle: „Im Gegenteil! Die Unternehmen sollten sofort mit Innovationen starten und parallel dazu ihr bestehendes System auf SAP S/4 HANA migrieren“, so Gonzáles.

S/4HANA und Leonardo umfassen Best Practices für Innovation

In die gleiche Kerbe schlägt Dries Guth, Innovation Manager und Leiter des IoT Innovation Lab beim SAP-Partner Itelligence. Er sagt: „Ein schrittweiser Einstieg in die neue SAP-Welt ist immer möglich. Technologiebausteine wie Machine Learning oder Services für das Internet of Things aus dem Leonardo-Portfolio lassen sich grundsätzlich auch an klassische IT-Systeme wie die SAP Business Suite ankoppeln. Zur optimalen Ausrichtung der Digitalisierung empfiehlt es sich allerdings, bereits früh in SAP S/4 HANA zu investieren.“

Einige Anwendungsfälle für die Digitalisierung lassen sich laut Guth jedoch erst mit SAP S/4 HANA in ihrer ganzen Bandbreite nutzen. „Stellt ein Unternehmen fest, dass für den von ihm favorisierten Anwendungsfall Best Practices von der SAP oder einem SAP-Partner aus SAP S/4 HANA und Leonardo passen, dann ist es sinnvoll, vorher auf SAP S/4 HANA zu migrieren, um im Innovationsprojekt das Rad nicht neu erfinden zu müssen.“

*Über den Autor

Jürgen Frisch ist als ausgebildeter Journalist seit mehr als 20 Jahren in der IT-Branche unterwegs. Derzeit betreibt er ein Redaktionsbüro in Stuttgart. Vorher schrieb er unter anderem für die IT-Fachzeitschriften „Computer Zeitung“, „IS Report“ und "Digital – die Zeitschrift für die Informationsgesellschaft“.

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