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Umsätze bei IaaS im 1. Quartal 2020 Dank Corona: Cloud-Ausgaben erreichen neues Rekordhoch

Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Elke Witmer-Goßner

Es ist fast wie zu besten Dotcom-Zeiten: Die Cloud-Branche eilt von Rekord zu Rekord. Im ersten Quartal des Jahres – bereits deutlich unter dem Einfluss von Corona und Ausgangssperren –kletterten die weltweiten Ausgaben für Cloud-Infrastrukturdienste um weitere fulminante 34 Prozent auf 31 Milliarden Dollar. Das berichten die Analysten von Canalys.

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Das fulminante Wachstum im IaaS-Markt wurde zuallererst von Unternehmen befeuert, die sich aufgrund der COVID-19-Pandemie auf Remote- bzw. Homeoffice-Arbeit verlegt haben.
Das fulminante Wachstum im IaaS-Markt wurde zuallererst von Unternehmen befeuert, die sich aufgrund der COVID-19-Pandemie auf Remote- bzw. Homeoffice-Arbeit verlegt haben.
(Bild: gemeinfrei© Gerd Altmann / Pixabay )

Laut deren Angaben wurde das Wachstum zuallererst von Unternehmen befeuert, die sich aufgrund der COVID-19-Pandemie auf Remote- beziehungsweise Homeoffice-Arbeit verlegt haben. Infolgedessen sei eine steigende Nachfrage nach Collaboration-Tools, E-Commerce- und Consumer-Cloud-Diensten zu verzeichnen gewesen.

Das bekamen vor allem die großen Cloud-Anbieter zu spüren. Auf der anderen Seite machen die Analysten „eine Verlangsamung bei großen komplexen Unternehmensmigrationen und transformativen Cloud-Projekten“ aus, auch aus dem Gastgewerbe und der Reisebranche kamen weniger Anfragen an Cloud-Infrastrukturen. Grund dafür ist natürlich auch hier das Virus, was aber das massive Wachstum insgesamt nicht einbremsen konnte.

AWS vor Azure und Google

AWS behauptete laut Canalys seine führende Position bei Cloud-Services und machte im ersten Quartal 32 Prozent des Gesamtmarktes aus, da der Umsatz um 33 Prozent zulegte. Microsoft erhöhte seinen Umsatz mit „Azure“ um 59 Prozent auf 17 Prozent Marktanteil. In manchen Regionen sei Microsoft wegen der beispiellosen Nachfrage nach „Teams“ an seine Leistungsgrenzen gestoßen, auch in Deutschland gab es bekanntermaßen Ausfälle.

„Google Cloud“ belegte im ersten Quartal 2020 den dritten Platz im weltweiten Cloud-Infrastrukturmarkt, dicht gefolgt von der „Alibaba Cloud“. Beide weisen laut Canalys einen Anteil von sechs Prozent am Gesamtmarkt aus. Google Cloud habe eine satte Nutzung seiner Daten- und Analyseplattform nicht zuletzt im öffentlichen Sektor, dem Gesundheitswesen, bei Dienstleistern und Finanzinstituten verzeichnet.

Kapazitäten werden erhöht

Um der Nachfrage Herr zu werden rüsten die Cloud-Dienstleister aktuell massiv auf: Google Cloud heuert laut Canalys verzweifelt Mitarbeiter an, es gibt konkrete Pläne für vier neue Cloud-Rechenzentren in Asien, Kanada und dem Nahen Osten. Microsoft hat einen Notfallplan ausgearbeitet, der an erster Stelle zusätzliche Serverkapazitäten für seine Rechenzentren in den am stärksten betroffenen Regionen nennt.

AWS hat im April zwei neue Rechenzentrumsregionen in Kapstadt und Mailand eröffnet, weitere sind für die kommenden Quartale geplant. Alibaba Cloud hat Investitionen in Höhe von 28 Milliarden Dollar für den Ausbau seines Cloud-Geschäfts in den nächsten drei Jahren geplant.

Alibaba holt mächtig auf

Alibaba Cloud war einer der ersten Cloud-Services-Anbieter, der vom Virus betroffenen Unternehmen mit Krediten und kostenlosem Zugang zu seiner Collaboration-Plattform „Ding Talk“ aushalf. Bekanntermaßen ist Alibaba ein chinesischer Anbieter.

In der Zählung von Gartner hat sich Alibaba im vergangenen Jahr sogar an Google vorbeigeschoben. Im asiatisch-pazifischen Raum ist es sowieso die Nummer 1 unter den Anbietern für Infrastruktur-as-a-Service (IaaS), und das bereits seit 2017. Laut den Analysten von Gartner kletterte der Marktanteil von Alibaba 2019 auf dem globalen IaaS-Markt auf 9,1 Prozent, nach 7,7 Prozent im Vorjahr. Der Gartner-Bericht mit dem Titel „Market Share: IT Services, 2019“ zeigt auch, dass der Marktanteil von Alibaba im asiatisch-pazifischen Raum im vergangenen Jahr von 26,1 Prozent im Jahr 2018 auf 28,2 Prozent gestiegen ist.

Corona beschleunigt Digitalisierung

„Unternehmen waren gezwungen, als Reaktion auf die Pandemie ihre IT-Infrastrukturstrategien und Investitionsprioritäten schnell zu ändern“, sagte Canalys-Chefanalyst Matthew Ball. Er bestätigte damit die vielfach geäußerte Meinung, dass das Virus als Brandbeschleuniger der Digitalisierung auftritt.

„Alles, was den aktuellen Business-Continuity-Initiativen nicht hilft, ist in den Hintergrund getreten“, so Ball weiter. „Unternehmen auf der ganzen Welt benötigen dringend Zugang zu flexibler Rechenkapazität, um Remote-Arbeit, Collaboration, Online-Handel und Security zu unterstützen. Cloud-Infrastruktur ist eine offensichtlich kurzfristig greifende Lösung. Das war ein Segen für die meisten, wenn nicht alle wichtigen Akteure im IaaS-Markt."

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Dr. Dietmar Müller

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