Freier Austausch von Nutzungsrechten mit anderen Mitgliedern

Daimler tritt Linux-Patentverband bei

| Autor: Ludger Schmitz

Das europäische Patentamt in München. Gegen das Prinzip "meins" hat sich erfolgreich das Open Invention Network etabliert.
Das europäische Patentamt in München. Gegen das Prinzip "meins" hat sich erfolgreich das Open Invention Network etabliert. (Bild: Wolfgang Dirscherl / pixelio.de)

Dem Open Invention Network (OIN) ist die Daimler AG beigetreten. Diese weltweit größte Patentgemeinschaft aus dem Linux-Bereich ermöglicht ihren Mitglieder freie Nutzung von Patenten.

Linux und Patente? Doch, das gibt‘s und nicht zu knapp. Aber in der Open-Source-Welt gibt es auch ein einmaliges Verfahren, das die freie Nutzung solcher Patente ermöglicht. Drehscheibe dafür ist das Open Invention Network (OIN). Wer in dieser Gemeinschaft Mitglied ist und selbst Patente zur Verfügung stellt, darf kostenlos die Patente nutzen, die andere Mitglieder eingebracht haben. Explizit wird der Verzicht auf gegenseitige Patentklagen erklärt. Mitglieder verpflichten sich, Patente nicht gegen das Linux-System einzusetzen.

Daimler unterstreicht "Verpflichtung zur Innovation"

In dieser Organisation ist jetzt die Daimler AG Mitglied geworden. Ralf Lamberti, Director Intellectual Property, Trends & Innovation bei Daimler, erklärt: „Durch unseren Beitritt zum Open Invention Network demonstrieren wir unsere nachhaltige Verpflichtung zur Innovation und untermauern sie gleichzeitig mit unserem Verzicht auf Patentverfahren im Linux-Bereich.“

Es ist nicht bekannt, welche Patente im Detail Daimler der OIN freigegeben hat. Man darf allerdings davon ausgehen, dass es um Software für die Fahrzeugelektronik geht. So heißt es in der OIN-Mitteilung zum Beitritt, Daimler zeige damit „seine Unterstützung von Open-Source-Software als Wegbereiter für elektronische Fahrzeugsysteme“.

Es geht um Fahrzeugelektronik, Mobile und IoT

Keith Bergelt, CEO des OIN, lässt sich an gleicher Stelle zitieren: „Die Automobil- und Transportindustrie erlebt aktuell einen grundlegenden, positiven Wandel durch die Fähigkeiten intelligenter Fahrzeuge. Linux treibt die Entwicklung und Einführung intelligenter Fahrzeugsysteme voran - beispielsweise mit Linux Mobile und IoT-Technologien.“

Die Nennung dieser Bereiche lässt sich durchaus als Hinweis auf Trends in der Linux-Entwicklung interpretieren. Interessant daran ist, dass in Sachen Mobile und Internet of Things sowie in Richtung Fahrzeugelektronik verschiedene Projekte im Rahmen der Linux Foundation laufen. Hier sind freie Patente natürlich wichtig und gern gesehen.

Auffallend viele KFZ-Hersteller neu im OIN

Das Open Invention Network hat mehr als 2000 Mitglieder. In einer Aufzählung der neuesten Mitglieder fallen die vielen KFZ-Hersteller auf. Mitglieder wurden in letzter Zeit neben Daimler: Hyundai, Kia, Ford, Subaru und Toyota. Weitere Neumitglieder sind beispielsweise Verizon, SAP. Vodafone, Seagate, Asus, SpaceX und Kontron.

Vom Verteidigungs- zum Tauschring

Gegründet wurde das OIN auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen mit SCO. Der einstige Marktführer für Unix auf x86 hatte – ohne Beweise vorzulegen – in den „Nullerjahren“ behauptet, Linux verletze SCO-Patente. Das inzwischen am Markt irrelevante Unternehmen drohte Linux-Nutzern mit Patentklagen und verlangte, weitestgehend vergeblich, Schutzgelder. Der damalige Microsoft-CEO Steve Ballmer hatte zur gleichen Zeit behauptet, Linux verletzte 200 Microsoft-Patente – wovon man auch nichts mehr gehört hat.

Um solche Angriffe unmöglich zu machen oder zumindest erheblich zu erschweren, wurde das Open Invention Network gegründet. Es ist inzwischen nach eigenen Angaben die weltweit größte Patentgemeinschaft und hält weit über 1000 Patente. Diese betreffen nicht nur das Betriebssystem, sondern reichen in andere Bereiche der Entwicklung von Open-Source-Software hinaus.

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Ein sehr guter Schritt von Daimler. Linux wird immer stärker und so ein Abzockversuch wie von SCO...  lesen
posted am 20.03.2017 um 08:40 von WLBI


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