Und was ist die Antwort?



  • Re: „Ich bin fassungslos!“ Staffan Revemann über grünen Strom für Datacenter
    Hallo Staffan,
    grundsätzlich geben ich Dir bei der beschriebenen Problematik recht. Was mir in dem Artikel allerdings fehlt, sind jegliche Lösungsansätze. Bedingt durch Deinen persönlichen Hintergrund vermute ich, dass Dein Ansatz "Alle Rechenzentren nach Schweden" heißt.
    Dieser Ansatz wird von einigen Anwendern (z.B. Automobil-Herstellern mit HPC-Anwendungen) bereits heute teilweise verfolgt, allerdings aus einem ganz anderen Grund: der Strom kostet in Skandinavien nur einen Bruchteil von dem in Deutschland (und ist von Haus aus überwiegend grün). Da die Stromkosten beim Betrieb einer IT-Infrastruktur in einem Rechenzentrum den mit Abstand größten Kostenblock ausmachen, ist das auch nachvollziehbar. Auch die großen Hyperscaler bauen Ihre Rechenzentren u.a. aus diesem Grund gerne in Skandinavien.
    Warum sind dann heute nicht schon alle Anwendungen in skandinavischen Rechenzentren? Nun, einen Grund erwähnst Du im Nebensatz selber: Latenz. Viele Anwendungen lassen sich heute nicht über solche Distanzen betreiben. Selbst die großen Cloud-Anbieter bauen ihre Präsenz in Deutschland weiter aus und begnügen sich nicht mit Rechenzentren in Skandinavien.
    Ein weiterer Grund sind die begrenzten Bandbreiten. Wenn wir alles, was heute aus deutschen Rechenzentren betrieben wird, nach Skandinavien verlagern, dann brauchen wir ein Vielfaches der heute zur Verfügung stehenden Bandbreite.
    Die beiden vorgenannten Faktoren sind übrigens auch Grund dafür, dass Core-Edge-Konzepte im RZ-Bereich mehr und mehr implementiert werden. Und dieses Konzept wird zu noch viel mehr "Rechenzentren" (ob man jedes Edge so bezeichnen kann oder sollte sei mal dahingestellt) in Deutschland führen.
    Und last-but-not-least: Die Anwendern haben immer noch das Bedürfnis, in der Nähe Ihrer Anwendungen und Daten zu sein. Selbst in der Cloud ist der Aspekt der Datenhaltung in Deutschland für viele ein wichtiger Aspekt.
    Auch ich kann hier keinen Ansatz liefern, wie das Stromproblem zu lösen ist. Dazu fehlt mir die Expertise in diesem Umfeld. Aber ich finde, alleine nur das Thema mit alarmierenden Tönen (Deine "Fassungslosigkeit" in allen Ehren) zu adressieren und keine Optionen aufzuzeigen, ist auch unzureichend.
    Heiko Schrader (Penta Infra)