Neue NEA-Vorschriften legen Rechenzentren lahm?



  • Die 44. BImSchV und die Anwendung auf Netzersatzanlagen
    Neue NEA-Vorschriften legen Rechenzentren lahm?

    Im Juni des vergangenen Jahres wurde die 44. BImSchV (Bundes-Immissions-Schutzverordnung) veröffentlicht und erregt seitdem viel Aufmerksamkeit. Es kursieren unterschiedlichste Aussagen zu den möglichen Auswirkungen: Ganze Rechenzentren sollen aufgrund veränderter Grenzwerte nicht in Betrieb gehen können. Für Aufklärung sorgt Christoph Riedel, Sicherheitsberater bei der von zur Mühlen‘sche (VZM) GmbH.

    zum Artikel



  • Pauschale Aussagen zu diesem stark Interpretierungsbedürftigen Regelwerk sind gefährlich. Gerade die Aussage Anlage unter 1 MW sind immer von der 44. BImSchV befreit ist nicht korrekt.

    Da gibt es doch noch ein paar Regelungen die zum Wirken kommen auch wenn die Einzelanlage kleiner als 1 MW sind, zum Beispiel 4. BImSchV §1 Abs. 3.

    Sollten Sie weiter gehende Fragen zu dem Thema haben und Interesse an unserem 44. BImSchV- Schnellcheck sprechen Sie mich bitte einfach an.

    Sie finden mich bei Xing und LinkedIn.

    Schöne Grüße

    Fridtjof Chwoyka



  • Das Thema ist leider nicht ganz so trivial und kann nicht pauschal beantwortet werden. Die Umweltämter und Genehmigungsbehörden entscheiden hier sehr unterschiedlich. Dies ist selbstverständlich auch auf die Berücksichtigung der speziellen Anforderungen des jeweiligen Standortes der Netzersatzanlage zurück zu führen.

    Der Einbau von Rußfiltern um einen Grenzwert von einem Milligramm pro Kubikmeter im Abgas ist technisch machbar. Dies zieht jedoch auch andere Konsequenzen nach sich.
    Darüber hinaus wird hier verschwiegen, dass ein Rußfilter zur Erfüllung des Grenzwertes von einem Milligramm pro Kubikmeter neben dem zusätzlichen Platzbedarf auch eine zusätzliche Investition von 6-stelligen Beträgen je Netzersatzanlage mit sich bringt.

    Beste Grüße

    Thomas Reyentanz



  • Sehr geehrter Herr Chwoyka,
    vielen Dank für Ihren Kommentar. Die 4.BImSchV definiert, was genehmigungsbedürftige Anlagen sind. §1 Abs. 3 der 4.BImSchV behandelt „gemeinsame Anlagen“, das bedeutet, befinden sich z. B. mehrere Anlagen auf demselben Betriebsgelände, sind sie als gemeinsame Anlage genehmigungsbedürftig, wenn sie gemeinsam die maßgebende Leistungsgrenze erreichen. Legt man die Regelung zugrunde, dass NEA ab einer Größe von 50 MW Feuerungswärmeleistung genehmigungsbedürftig sind, bedeutet das, auch wenn mehrere Anlagen gemeinsam eine Leistung von 50 MW erreichen, handelt es sich um eine genehmigungsbedürftige Anlage. Wir dürfen den Ansatz korrigieren, das hätte Einfluss auf die 44.BImSchV. Vielmehr sagen die Aggregationsregeln der 44.BImSchV (§4) ganz klar aus: „Bei einer Kombination von Einzelfeuerungen werden nur Einzelfeuerungen mit einer Feuerungswärmeleistung von 1 MW oder mehr berücksichtigt“. Das bedeutet, auch bei mehreren Anlagen an einem Standort, greift die 44.BImSchV nur, wenn jede einzelne Anlage eine Feuerungswärmeleistung von mindestens 1 MW hat. Und als Hinweis: Um eine gemeinsame Feuerungsanlage nach 44.BImSchV handelt es sich nur, wenn die Abgase von mehreren Anlagen/ Einzelfeuerungen gemeinsam über einen Schornstein abgeleitet werden oder zumindest die Möglichkeit dazu besteht- und wenn die Anlagen nicht Teil einer genehmigungsbedürftigen Anlage sind. Sollte es weitere Fragen zu diesem Thema oder auch dem Bereich RZ-Planung geben, stehen wir Ihnen gerne auch persönlich mit Rat und Tat zur Seite, sprechen Sie uns einfach an.
    Mit freundlichen Grüßen, C. Riedel



  • Der Kommentar war aus Versehen zweimal veröffentlicht, deshalb einmal gelöscht.
    C. Riedel
    * zuletzt geändert von: C. Riedel am 16.04.2020 um 11:17 Uhr *



  • Sehr geehrter Herr Reyentanz,
    vielen Dank für Ihren Kommentar. Bei der Recherche zu dem Artikel hatten wir die Unterstützung einer verordnungsgebenden Bundesbehörde, welche auf eigenen Wunsch nicht namentlich genannt werden soll, die sich ihrerseits intensiv mit dem Normenverständnis auseinandersetzte, und die Aussagen des Artikels vollends unterstützt. Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal in diese Richtung für die stets sehr freundliche und kompetente Unterstützung. Der Artikel könnte also durchaus auch als Hilfestellung für die Genehmigungsbehörden verstanden werden, wie mit der 44.BImSchV umzugehen ist. Das im Artikel genannte Beispiel des Grenzwerts von einem Milligramm pro Kubikmeter Gesamtstaub im Abgas bezieht sich auf genehmigte Anlagen in einer Umweltzone im Innenstadtbereich von Berlin. Wir wollten damit lediglich die technische Machbarkeit darlegen und danken für den Hinweis auf die selbstverständlich damit verbundenen Mehrkosten. Mit freundlichen Grüßen, C. Riedel



  • Guten Tag,

    eine gemeinsame Anlage i.S.v. § 1 (3) der 4. BImSchV liegt gemäß Zf. 2 nur dann vor, wenn die Einzelanlagen auch mit gemeinsamen Betriebseinrichtungen verbunden sind [!].
    Gemäß der Aggregationsregel in § 4 (2) der 44. BImSchV gilt eine Kombination von Einzelfeuerungsanlagen auch dann als eine Feuerungsanlage, wenn die Abgase aus den Einzelfeuerungsanlagen über einen Schornstein abgeleitet werden können [!].
    Mit anderen Worten: Während für die Anwendbarkeit der Emissionsvorschrifen der 44. BImSchV die bloße Möglichkeit (!) einer physischen Verbindung der Einzelanlagen genügt, setzt die 4. BImSchV - zumindest nach ihrem Wortlaut - eine tatsächliche (!) Verbindung mit gemeinsamen Betriebseinrichtungen für ein Genehmigungserfordernis voraus.
    Offen erscheint somit die rechtliche Frage, ob und ggw. inwieweit die Fiktion in der Aggregationsregel der 44. BImSchV auf die Auslegung des Wortlauts der 4. BImSchV übertragen werden kann.

    Freundliche Grüße
    Stefan Röhrig


Log in to reply