Batterietechnik statt Diesel und neue Verfügbarkeitsklassen



  • Open Standard for Datacenter Availability - OSDA
    Batterietechnik statt Diesel und neue Verfügbarkeitsklassen

    Wer ein zertifiziertes Rechenzentrum betreiben will, konnte bisher den Einsatz von Dieselgeneratoren als Notstromerzeuger kaum vermeiden. Deshalb entwickelt The Green Grid nun einen neuen Standard, der auch Batterien und Erneuerbare als Erzeuger als Notstromreserve zulässt.

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  • Sicher muss zwingend an Alternativen gedacht werden. Ich frage mich immer wieder warum die großen Flächen der DC nicht mit PV-Anlagen ausgerüstet werden. Leider denk niemand ( analog dem PKW-Sektor ) an die problematische Entsorgung von Batterien und die katastrophale Energiebilanz wenn such mal die Herstellung mit Inn die Betrachtung gezogen wird!
    Allerdings finde ich es schwierig wenn das Uptime mit dem Vorschlag kommt. Die EN 50600 (bald ja auch ISO-Norm) beschreibt den „Stand der Technik“.



  • Die im Beitrag gemachten Angaben zum Stromverbrauch von Rechenzentren sind unklar bezüglich ihrer absoluten Größe und ihres Bezuges.
    Ein Jahresverbrauch elektrischer Arbeit in der Größenordnung von 60 GWh entspräche einer durchschnittlichen Leistung von ~7 MW. Sehr viele Rechenzentren haben deutlich höhere Dauerleistungen.
    Bereits i.J. 2015 wurden weltweit ~416 TWh in Rechenzentren umgesetzt, entsprechend ~3% des Welt-Jahresverbrauchs an elektrischer Arbeit.
    Allein Google setzte i.J. 2016 etwa 6,5 TWh um (Quelle: Statista.com)
    Eine Erläuterung der Angaben im Artikel wäre also hilfreich, zumal davon die Beurteilung neuer Technologien bezüglich ihrer Eignung zum Einsatz in Rechenzentren abhängt

    Johannes Demharter



  • Gut recherchierter und strukturierter Artikel zu einem sehr spannenden Thema: Wird es zukünftig möglich sein, Notstromreserven für zumindest kleinere und mittlere Rechenzentren ohne Dieselgeneratoren zur Verfügung zu stellen?

    Aktuell geht dies für zertifizierte Rechenzentren nicht. Allerdings, hat die Non-Profit Organisation The Green Grid, im Hinblick auf den weltweiten Klimawandel, mit dem Vorschlag eines neuen, offenen Verfügbarkeitsstatus (OSDA), der auf dem derzeitigen 4 Tier-Klassifikationen beruht, einen ersten Vorstoß unternommen dies ggf. zu ändern. Flankiert wird der neue Standard durch das MIT in den USA, die an der Weiterentwicklung der Natrium-Nickelchlorid-Akkumulatorentechnnologie forscht.

    Der weitere Entwicklungsprozess dieser neuen Metriken (OSDA) bleibt spannend. Nach meinem Ermessen können sich alle handelnden und interessierten Gruppen in den derzeitigen, offenen Konsultationsprozess entsprechend einbringen…

    Stefan Frenzel
    IT-Führungskraft



  • Sorry, aber das verstehe ich nicht: wenn der Speicher gerade leer ist, und dann der Strom ausfällt, wie kann er dann eine NEA ersetzen? Ich verstehe auch nicht, worin der Unterschied zwischen einer USV-Batterie und dem beschriebenen Batteriespeicher in Bezug auf die Verfügbarkeit des Rechenzentrums sein soll.
    Zu guter letzt behindert auch die DIN EN 50600 keine technischen Innovationen, indem im Normenteil DIN EN 50600-2-2 allgemein eine Zusatzversorgung beschrieben ist, die allerdings in der Lage sein sollte, die Versorgung bei einem Ausfall der Primärversorgung dauerhaft aufrecht zu erhalten. Letztlich muss somit der Errichter anhand der Risikoanalyse entscheiden, ob ein Batteriespeicher aus seiner Sicht eine ausreichende Versorgung bei einem Netzausfall gewährleistet (ich hätte da so meine Bedenken - s.o.).
    Ich habe nichts dagegen, technische Anlagen zur Unterstützung der Energiewende, wie z.B. die beschriebenen Batteriespeicher, in Rechenzentren unterzubringen, wenn dadurch keine Beeinträchtigung der Verfügbarkeit oder Sicherheit des Rechenzentrums entsteht. In einem RZ ist kompetentes Betriebspersonal vorhanden, das solche Anlagen mit betreiben kann. Allerdings würde ich mir wünschen, dass solche Zusatzfunktionen des Rechenzentrums nicht mit dem eigentlichen Zweck vermischt werden.



  • Sehr geehrter Herr Ackermann, sicherlich bedingt ein leerer Speicher und gleichzeitiger Stromausfall einen Ausfall von RZ Leistung. Allerdings bedingt eine fehlerhafte NEA oder deren Schaltmimik einen ähnlichen Ausfall. Wo sind die Grenzen? So weit ich das verstehe, geht es um zusätzliche Möglichkeiten. So etwas fördert die Innovation. Riello Power Systems hat z.B. gerade am Mittwoch zusammen mit RWE den Deutschen Rechenzentrumspreis für eine innovative Speicherlösung mit USV im RZ in Verbindung mit dem Angebot von Regelenergie für das Versorgungsnetz bekommen. Dabei bekommt der Kunde eine erheblich bessere Batterie als die Standardbatterie mit erheblich größerer Kapazität als Standard. Das Hilft dem Netz und dem RZ Betreiber im Bezug auf die allgemeine und die spezifische Versorgungssicherheit. Vermutlich wird unter Umständen sogar die NEA weniger benötigt und weniger Diesel verbraucht. Dabei ist das Thema mit der NEA jedoch einfach etwas das die Zukunft zeigt. Wer jedoch die Teilschritte nicht geht, kann die Erfahrungen nicht machen.
    Wir haben bei Riello Power Systems auch eine USV Lösung, die auf sehr einfache Weise mit Standardkomponenten die PV und Windenergie im USV Netz ohne Verlust von Sicherheit mit einbinden kann. Das geht auch bis ganz groß.
    Verwenden oder zumindest darüber nachdenken werden eventuell zunächst nur die -sagen wir mal- 10.000 kleinen und mittleren Rechenzentren und vielleicht nicht die großen in Deutschland. Die spezifischen Konstellationen müssen ja auch passen und Sinn ergeben. Lassen sie uns einfach froh sein, dass es innovative Ideen und Lösungen gibt und mit dem gesunden Ingenieursverstand die Dinge verwenden und ausprobieren. Alles hat Vor- und Nachteile. Wenn man sich die Lösungen sorgfältig überlegt und die Risiken abwägt, gibt es keinen falschen Weg mit der Falschen Technik. Das ist auch die Grundidee hinter der Überlegung von Green Grid. Also ich freue mich weiterhin auf eine spannende Zukunft. MfG v.liebenhagen(at)Riello-Powersystems.de



  • Ich kann mich dem Beitrag von Kollegen Ackermann nur anschließen. Die ÖVE/ÖNORM EN 50600 macht keinerlei Einschränkungen welcher Art die Zusatzversorgung sein kann/muss. Hier ist die EN 50600-2-2 auch bereits jetzt schon viel flexibler als die Uptime Regeln, die ein Dieselaggregat mit bestimmten Eigenschaften zwingend verlangen.
    Abgesehen davon werden in dem Artikel Dinge vermischt. Durch das Ersetzen des Notstromdiesels durch einen Batteriespeicher ändert sich der CO2 footprint des RZ nicht, weil dieser Speicher ja nicht als Puffer für sauberen Strom verwenden werden kann, da er ja immer voll sein muss, sonst wäre der Netzersatz nicht ständig in vollem Umfang verfügbar.
    Nur die USV Batterien zu vergrößern ist auch keine Lösung weil da fallen die SV Verbraucher durch den Rost. Wenn man also die Verfügbarkeit beibehalten will und ausschließlich sauberen Strom verwenden will, dann braucht man einen zusätzlichen Speicher. Dieser Speicher ließe sich natürlich mit einem Speicher der die NEA ersetzt zusammen fassen, aber in jedem Fall ist er zusätzlich und dann bleibt die Frage ob das sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch noch Sinn macht.



  • Hallo Herr Liebenhagen,
    ich kenne das System von RWE/Riello und finde es sehr gut. Es ergänzt die Absicherung des RZ, will aber keine NEA ersetzen.
    Der Unterschied zwischen einem leeren Batteriespeicher und einer kaputten NEA ist der, dass beim Batteriespeicher das Entladen zum normalen Betriebszustand gehört, während die kaputte NEA eine Störung ist, die schnellstmöglich behoben werden sollte.
    Wenn der Batteriespeicher so dimensioniert wird, dass er wie bei dem System von RWE/Riello immer die notwendige Reserve bereithält, um die Funktion der NEA zu ersetzen, dann habe ich keine Bedenken. Bei RWE/Riello ist das aber nur die IT-Last, die für einige Minuten Reserve benötigt (da es ja dabei um die USV geht), während die NEA die volle Last des Rechenzentrums für viele Stunden (oftmals bis zu 72h) tragen können soll. Das ist m.E. mit einem Batteriespeicher nicht wirtschaftlich sinnvoll machbar.

    Wie auch immer die technische Lösung aussieht, der Artikel behandelt ja die Anpassung der Green Grid Unterlagen. Die DIN EN 50600 hat die Offenheit für derartige Innovationen bereits von Beginn an vorgesehen und kann ohne Anpassung angewendet werden.
    Gruß, Ludger Ackermann


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