Europäische Rechenzentren könnten jährlich 300 Millionen sparen

Colt beweist: 12 Schritte und schwupps schmilzt der Stromverbrauch um 1/5

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Schlampige Racks

Arno van Gennip, Chef von sieben Colt-Datacenter in Zentraleurope erläutert, dass das Programm nunmher seit fast drei Jahren laufe und dass in dieser Zeit der Energieverbrauch um 18 Prozent habe gesenkt werden können.
Arno van Gennip, Chef von sieben Colt-Datacenter in Zentraleurope erläutert, dass das Programm nunmher seit fast drei Jahren laufe und dass in dieser Zeit der Energieverbrauch um 18 Prozent habe gesenkt werden können.
(Bild: Colt)
Begonnen habe das Programm etwa mit der Lenkung von Luftströmen in den Racks. Noch heute zeigt er sich erstaunt darüber, wie schlecht die Server-Schränke konfiguriert waren, zum Beispiel indem die Kabelführung eine effiziente Kühlung behinderte. „Es sollte einfach sein, ein Rack zusammenzubauen“, sagt er. Doch tatsächlich habe es eine Menge Aufwand von Colt und seinen Kunden gefordert, das Design auf Vordermann zu bringen. „Jetzt sieht es besser aus und bringt Ersparnis.“

Dazu kamen aber auch einfachere Maßnahmen, wie das Ausschalten von Beleuchtungen in Gängen und Räumen, in denen sich keine Menschen aufhalten. „Im Rechenzentrum laufen nur wenige herum“, schmunzelt er.

Somit sein ein Großteil der Einsparungen bereits mit Initiativen in der Rechenanlage selbst und mit minimalem Kapitaleinsatz umsetzbar. Allerding muss auch van Gennip einräumen, dass es gar nicht so einfach war, den aktuellen Stromverbrauch zu diagnostizieren. „Messen ist nicht gleich Messen und Wissen nicht gleich Wissen“, beschreibt er ein Problem, das viele RZ-Leiter mit ihm teilen dürften.

Ausprobieren und Vergleichen

Als man jedoch begonnen mit den Maßnahmen zur Steigerung der Energie-Effizienz, sei der Vergleich zwischen den verschiedenen Rechenzentren eine wesentliche Hilfe gewesen. Dazu führte Colt ein monatliches zentrales Reporting ein. So ließ sich evaluieren, welche der Maßnahmen griffen. Bei Erfolg wurden sie auf die anderen Datacenter übertragen. „Wir wurden besser und besser.“

Van Gennip merkt allerdings auch an, dass für Unternehmen mit älteren Rechenzentren Investitionen in die Infrastruktur häufig den Gewinn mindern können. „Unser Rechenzentrum mit dem schlechtesten Energie-Effizienzwert ist eins, das aus dem 90er Jahren stammt und schlichtweg überdimensioniert ist.“ Die besten Effizienzgrade hingegen erreichen die hauseigenen Container-Rechenzentren „ftec“, die durchgängig einen PUE-Wert von 1,21 aufweisen (PUE = Power Usage Efffectiveness).

Auch lasse sich nicht wegdiskutieren, dass Infrastruktur-Equipment, das in die Jahre gekommen sei, ausgetauscht gehöre. Zum Beispiel erreichen ältere UPS-Anlagen für die unterbrechungsfreie Stromversorgung einen Effizienzgrad von vielleicht 77 Prozent, neue Modelle hingegen weisen 95 bis 98 Prozent aus.

Ein Dutzend Schritte zum Download

Während es noch vergleichsweise einfach anmutet, die UPS-Anlagen auszutauschen kann es bei der Kühlung sehr teuer werden. In manchen Fällen, so muss auch van Gennip einräumen, erscheine es betriebswirtschaftlich sinnvoller, über ein neues Rechenzentrum nachzudenken.

Das gelte insbesondere, wenn sich ein solches Projekt zusammen mit ohnehin fälligen Konsolidierungsprojekten für die IT-Infrastruktur verbinden lasse. Auch diese Schicksal ereilte drei der Colt-Rechenzentren. Durch den Austausch der IT und insbesondere durch Virtualisierung erzielt Colt eine Senkung des Stromverbrauchs um 1,5 GWh pro Jahr.

"Wir wollen unser Wissen weitergeben", sagt Arno van Gennip, Chief Engineer, Data Centre Infrastructure Services bei Colt.
"Wir wollen unser Wissen weitergeben", sagt Arno van Gennip, Chief Engineer, Data Centre Infrastructure Services bei Colt.
(Bild: Colt)
Das Energie-Effizienzprogramm von Colt ist nach wie vor ein laufendes Projekt. Doch wen es interessiert, welche Lehren van Gennip und sein Team bisher daraus gezogen haben, und welche sie weitergeben wollen, der sollte sich mit dem Whitepaper zu dem Dutzend einfacher einfache Schritte zur Verbesserung der Stromverbrauchswerte, in Englisch „12 Simple Steps to Improve Power Usage Efficiency“ beschäftigen.

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