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Europäische Rechenzentren könnten jährlich 300 Millionen sparen Colt beweist: 12 Schritte und schwupps schmilzt der Stromverbrauch um 1/5

| Redakteur: Ulrike Ostler

Ein Fünftel weniger Strom! Vor drei Jahren startete Colt ein Energie-Effizienzprogramm für seine Rechenzentren. Jetzt berichtet der Co-Location- und Service-Anbieter darüber, eröffnet so Adaptionsmöglichkeiten für die gesamte Branche und streicht gleich einmal den „International Data Centre & Cloud Award“ ein.

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Colt setzt vor drei Jahren ein Programm zum Energiesparen in seinen Rechenzentren auf. Der Erfolg zahlt sich für die Umwelt und die hauseigene Kasse aus.
Colt setzt vor drei Jahren ein Programm zum Energiesparen in seinen Rechenzentren auf. Der Erfolg zahlt sich für die Umwelt und die hauseigene Kasse aus.
(Bild: Colt)

Im Jahr 2010 rief Colt das Energie-Effizienz-Programm für seine 20 Rechenzentren ins Leben. „Seither sank der Energieverbrauch um 18 Prozent“, erläutert Arno van Gennip, verantwortlich für den Betrieb von sieben Colt-Rechenzentren in Zentraleuropa, „gemessen anhand der durchschnittlichen CO2-Dichte und der Energiekosten aller Rechenzentren.“

Insgesamt erreichte das Unternehmen damit in den vergangenen drei Jahren Einsparungen im Stromverbaruch von 43 Gigawattstunden (GWh). Das entspricht einer Reduktion von 15.000 Tonnen an CO2-Emissionen.

Arno van Gennip, verantwortlich für den Betreib sieben Colt-Rechenzentren in Zentraleuropa, äußert sich verwundert über die bisherige schlechte und vernachlässigte Design-Qualität von Racks; der Aufbau und die Ausstattung sei in der Vergangenheit viel zu aufwendig und kompliziert gewesen.
Arno van Gennip, verantwortlich für den Betreib sieben Colt-Rechenzentren in Zentraleuropa, äußert sich verwundert über die bisherige schlechte und vernachlässigte Design-Qualität von Racks; der Aufbau und die Ausstattung sei in der Vergangenheit viel zu aufwendig und kompliziert gewesen.
(Bild: Colt)
Doch auch in Heller und Pfennig zahlt sich das aus, „trotz Strompreiserhöhungen und Umlagen für erneuerbare Energien“, führt van Gennip aus. Er handelt sich um einen Betrag von 4 Millionen Euro pro Jahr!

Bei Colt und anderen steigt die RZ-Last

Colt bietet eine Information Delivery Platform für die Anlieferung, Verarbeitung, Speicherung und Verteilung geschäftskritischer Daten. Das Unternehmen betreibt in 22 Ländern ein 43.000 Kilometer umfassenden Netzes, zu dem Metropolitan Area Networks von 39 bedeutenden europäischen Städten mit direkten Glasfaserverbindungen zu 19.000 Gebäuden und 20 Carrier-neutrale Rechenzentren von Colt gehören. Im Jahr 2010 setzte Colt nicht nur eine Energie-Effiienzprogramm auf, sondern führte auch die Colt Data Center Services ein, um innovative, hochwertige Rechenzentrumslösungen an einem Colt- oder firmeneigenen Standort anzubieten.

Damit teilt Colt mit der europäischen Rechenzentrumsbranche den Bedarf nach mehr Energie-Effizienz. Denn der Energieverbrauch macht aktuell einen Anteil von insgesamt 30-50 Prozent der Betriebskosten aus. Allein die Steigerung des Stromverbrauchs wird von derzeit 60 TWh auf 104.000 GWh (104 TWh) bis 2020 prognostiziert, etwa in der Erklärung des gemeinsamen Forschungszentrums der EU im November 2012.

Nun geht Colt aufgrund der Effizienzsteigerungen in den vergangenen drei Jahren davon aus, dass für die europäische Rechenzentrumsindustrie eine erste Reduzierung des jährlichen Energieverbrauchs um 5 Prozent (3 Terawattstunden, TWh) ohne signifikante Investitionen ein realistisches Mindestziel darstellt – bei einer geschätzten durchschnittlichen Laufzeit von neun Jahren.

Nachgerechnet

3 TWh entsprechen laut Eurostat-Berechnungen aus dem Jahr 2011 für deutsche Haushalte und deren Stromverbrauch, dem jährlichen Stromverbrauch von etwa 870.000 deutschen Haushalten. Damit lässt sich also eine Zahl erreichen, die die leicht über der einer Stadt wie München liegt.

Durch eine branchenweite Reduzierung in diesem Umfang ließen sich die jährlichen Betriebskosten um mehr als 300 Millionen Euro und die CO2-Emissionen der gesamten Branche um mehr als 1,2 Millionen Tonnen senken (Basierend auf dem Branchendurchschnitt von 0,4 Tonnen CO2 pro MWh).

Als Befürworter des europäischen Code of Conduct on Energy Efficiency hat Colt das Energie-Effizienzprogramm für seine Rechenzentren europaweit auf eine Fläche von 30.000 Quadratmeter ausgedehnt, inklusive den drei deutschen Standorten Hamburg, Berlin und Frankfurt am Main. Neben einer Reihe von Rechenzentrumsprojekten mit einem kurzfristig relativ hohen Einsparpotential wurden die Reduktionen vor allem durch mittelfristig angelegte Infrastrukturprojekte erreicht.

Mit einfachen Maßnahmen fängt es an

Diese basierten auf einer gezielten Kosten-Nutzen-Rechnung, bei der ein überzeugender Beitrag zum Umweltschutz und Einsparungen bei den Betriebskosten über die verbleibende Nutzungsdauer der installierten Anlagen hinweg ausschlaggebend waren. Zu diesen Infrastrukturprojekten gehörten die Modernisierung von Kühlern, Kühlanlagen und USV-Systemen (unterbrechungsfreie Stromversorgung).

Angesichts des Laufzeitprofils und der Art der Rechenzentrumslandschaft in Europa können solche Reduzierungen durchaus branchenweit umgesetzt werden. Trotz der Annahme vieler Branchenvertreter braucht ein Mehr an Energieeffizienz keine hohen Investitionen.

Der Chief Engineer, Data Centre Infrastructure Services bei Colt, so der offizielle Titel von van Gennip, erläutert: „Viele Einsparungen konnten wir mit sehr einfachen Mitteln erzielen, die sich schon innerhalb von zwölf bis achtzehn Monaten bezahlt machten.“ Dazu gehören Maßnahmen wie verbesserte Lüftungsanlagen, präzisere Messsysteme und höhere Toleranzen bei Kühltemperatur und Luftfeuchtigkeit.

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