Unternehmensanwendungen effizient betreiben

COBOL-Anwendungen ohne Mainframe

| Autor / Redakteur: Rolf Becking * / Florian Karlstetter

Modernisierung von COBOL-Applikationen

COBOL ist jedoch auch nicht bei der Portierung von Mainframe-Applikationen stehen geblieben. Modernisierung bedeutet neben Plattformwechsel die

  • Modernisierung der Benutzeroberfläche und
  • die breite Integration aktueller Technologien.

Moderne Applikationen benötigen natürlich auch eine zeitgemäße Oberfläche, mit einem 3270-Bildschirm ist kein Nutzer, aber auch keine Geschäftsleitung mehr zufrieden. Das Look-and-Feel von COBOL-Anwendungen muss sich selbstverständlich am heute üblichen Standard orientieren. Für die Windows-Welt bestimmt Microsoft das Angebot mit WinForms, WebForms und WPF (Windows Presentation Foundation). COBOL-Programme können solche Systeme problemlos einbinden. Script-Sprachen wie HTML5 und Java-Technologien bieten zusätzlich vielfältige Möglichkeiten für alle offenen Plattformen.

Zur Integration aktueller Technologien zählt insbesondere das Bereitstellen von Geschäftslogik in Form von Services im Rahmen einer Service-Orientierten-Architektur (SOA). Bei COBOL funktioniert das in beiden Richtungen: Anwendungen können sowohl Service aufrufen, auch wenn sie mit einer anderen Programmiersprache erstellt wurden, als auch Funktionalität als Service für andere Anwendungen bereitstellen. Dafür müssen nur passende Module gekapselt und mit standardisierten Schnittstellen versehen werden. Bei "regelkonformem" COBOL-Code ist der Aufwand dafür begrenzt, so dass Unternehmen bestehende COBOL-Anwendungen ganz oder teilweise in eine SOA überführen können. Moderne COBOL-Compiler bieten fertige Lösungen zum Erstellen und Konsumieren von Services sowie zur einfachen Verarbeitung von XML.

In der offenen Welt von Windows, Unix und Linux sind für COBOL-Compiler Schnittstellen zu anderen Sprachen, insbesondere zu C, Visual Basic, zur Windows API und zu Java, unverzichtbar. Sprachen, die zu nativem Code – Objekt-Code auf dem jeweiligen Betriebssystem – übersetzt werden, wie zum Beispiel C, können relativ einfach von COBOL aufgerufen werden oder selbst COBOL-Programme aufrufen. Der neueste COBOL-Compiler Visual COBOL von Micro Focus ist in der Lage, den jeweiligen Code für die Zielplattform beziehungsweise das jeweilige Framework zu generieren, also nativen Code unter Windows, Unix und Linux zum Beispiel für die Verbindung zu C, Microsoft Intermediate Language (MSIL) für das .NET-Framework unter Windows sowie Java Byte Code für die Java Virtual Machine (JVM). Dadurch kann ein COBOL-Programm sowohl in der .NET Common Language Runtime als auch in der JVM laufen und unterscheidet sich zur Laufzeit fast nicht mehr von einem Java oder C#-Programm. Die Syntax des objektorientierten COBOL (OO-COBOL) ermöglicht dabei die Definition und den Aufruf von Klassen und Methoden über die Sprachgrenzen hinweg.

COBOL unterstützt zwar schon seit der Veröffentlichung des Standard 2002 neben den herkömmlichen prozeduralen ganz offiziell auch objektorientierte Konzepte, allerdings sind klassische COBOL-Programme nicht objektorientiert aufgebaut und sie enthalten keine entsprechende Syntax. Doch auch für diesen Fall führt COBOL seine Tradition integrativer Konzepte fort und bietet eine Lösung in Form eines Wrapper-Moduls in OO-COBOL, das das klassische COBOL-Programm aus einer objektorientierten Umgebung aufruft.

Die Zukunft von COBOL kann vor diesem Hintergrund als gesichert angesehen werden. Es ist nicht allein die bloße Menge an in COBOL programmierter, funktionierender Software, die Unternehmen von einem Wechsel abhält – dies wäre ein unzureichender Grund, um einer Programmiersprache die Treue zu halten. Tatsächlich kann COBOL selbst einiges in die Waagschale werfen: Die hohe Standardisierung und die daraus resultierende Portabilität sowie die Verfügbarkeit von COBOL auf verschiedenen Rechnersystemen sichern den Anwendern heute größtmögliche Flexibilität und eine Unabhängigkeit bei der Wahl der Plattform. Die Anpassungsfähigkeit an aktuelle technologische Bedürfnisse, insbesondere die Integrationsfähigkeit in die Java- und .NET-Welt, macht einen Sprachwechsel in der Tat überflüssig.

Der Autor

Rolf Becking ist Senior Technical Account Manager bei Micro Focus.

Inhalt des Artikels:

Was meinen Sie zu diesem Thema?

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 30949170 / Mainframes)