Unternehmensanwendungen effizient betreiben

COBOL-Anwendungen ohne Mainframe

| Autor / Redakteur: Rolf Becking * / Florian Karlstetter

Vom Mainframe auf offene Systeme

Heute läuft der überwiegende Teil der COBOL-Anwendungen weiterhin auf Mainframes, wo IBM mit zSeries und z/OS der eindeutige Markführer ist, während andere Hardwareanbieter nur Nischen besetzen beziehungsweise auslaufende Systeme weiterbetreuen. zSeries bietet Anwendern hohe Rechnerleistung gepaart mit Hochverfügbarkeit. Die Systeme sind ideal für die Massendaten-Verarbeitung, aber sie sind auch entsprechend teuer, nicht nur in der Anschaffung – man bewegt sich hier durchweg im sechsstelligen Bereich –, sondern auch im laufenden Betrieb. Für viele Mainframe-Betreiber ist das heute ein Kostenproblem.

Allerdings hat sich COBOL in den letzten beiden Jahrzehnten von der Mainframe-Plattform gelöst. Durch die hohe Standardisierung der Sprache ist es nämlich möglich, ein COBOL-Programm in der Regel ohne Veränderung auf jeden beliebigen Rechner zu portieren. Einzige Voraussetzung ist, dass es für das Zielsystem einen COBOL-Compiler und eine Runtime-Umgebung gibt. Damit lassen sich COBOL-Applikationen ohne großen Aufwand vom Mainframe auf Windows, Unix – mit Implementierungen wie AIX, Solaris oder HP-UX – und Linux portieren. Hersteller wie Micro Focus bieten im Umfeld von Windows, Unix und Linux Software an, die auch die z/OS Subsysteme CICS, IMS und JCL der IBM-Welt unterstützen. Damit lassen sich COBOL-Applikationen, weitestgehend 1:1 vom Mainframe auf offene Plattformen migrieren, wo sie dann auch die angesprochenen Vorteile von COBOL weiter nutzen und ausbauen können.

In der Praxis müssen beim Plattformwechsel neben der Code-Portierung natürlich noch Anpassungen vorgenommen werden, beispielsweise beim Wechsel von DB2 auf andere Relationale Datenbank-Systeme wie Oracle oder Microsoft SQL Server, oder für die Weiterverarbeitung von Druckausgaben aus dem JCL-Batch. In den meisten Fällen wird auch die Datenhaltung vom EBCDIC Codeset des Großrechners auf ASCII, ANSI oder UNICODE in der Zielumgebung umgestellt. Aber solche Adaptionen sind minimal angesichts der Tatsache, dass man die komplette Programmlogik erhalten kann. Auch große und komplexe Anwendungen lassen sich auf diese Weise in überschaubarer Zeit auf eine Server-Plattform portieren.

Durch die rasant gestiegene Prozessorleistung sowie die verfügbaren Speicherkapazitäten der Server-Systeme sind auch hinsichtlich der Performance, der Stabilität und der Verfügbarkeit echte Alternativen zum Mainframe entstanden – zu einem Bruchteil der Mainframe-Kosten. Implementierungen von COBOL-Anwendungen auf Servern sind in der Regel sogar um einiges schneller als ihre Mainframe-Vorgänger, weil die Applikationen aufgrund der andersartigen Architektur nun die Prozessoren exklusiv nutzen können.

weiter mit: Modernisierung von COBOL-Applikationen

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