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„Cloud-Services müssen die Wertschöpfung erhöhen“

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Wo liegen die Gründe für die mangelnde Netzwerk-Performance?

Kessler: Große Rechenzentren sind in der Regel an mehrere Carrier-Netze angebunden und können hohe Bandbreiten liefern. Beim Kunden sieht die Situation aber meist ganz anders aus. An viel zu wenigen Orten in Deutschland lassen sich hochperformante Anbindungen preisgünstig realisieren. Häufig entscheiden sich die Eigentümer von Immobilien für nur einen Netzanbieter und wollen keine Vielfalt. Ohne Wettbewerb zahlt der Mieter aber einen höheren Preis. Umgekehrt widmen Unternehmen, bevor sie Büroräume anmieten, der Netzanbindung viel zu wenig Aufmerksamkeit. Die Auswahl wird unter vielerlei Gesichtspunkten getroffen. Welche Carrier im Haus sind, gehört so gut wie nie zu den abgefragten Punkten. Das wundert mich immer wieder. Auch die Entfernung des Cloud-Rechenzentrums zum Standort des Kunden kann zu Performance-Einbußen führen. Wird der Service in den USA bereitgestellt, so ergibt sich hierzulande eine Latenz zwischen 120 und 170 Millisekunden. Wegen der vielen Netzwerkübergänge kommt es außerdem zu enormen Durchsatzschwankungen.

Jenseits der hochstandardisierten Public-Cloud-Dienste à la Amazon gibt es einen Markt für Managed Services, die stärker individualisiert und auf konkrete Kundenbedürfnisse ausgerichtet sind. Warum stoßen solche Angebote auf wachsende Nachfrage?

Kessler: Mit Managed Services reagieren die Anbieter auf die Anforderungen der Kunden. Unternehmen investieren in Private-Cloud-Umgebungen - auch solche, die bei Service-Providern dediziert für sie betrieben werden - fast 20 Mal so hohe Summen wie in Public-Cloud-Angebote. Fast alle Unternehmen haben in ihrer IT eine Historie, von der sie sich nicht auf die Schnelle lösen können: Die Geschäfte müssen weiterlaufen. Amazon liefert dagegen fast ausschließlich Insellösungen, die sich aus technischen Gründen, aber auch wegen Compliance-Anforderungen, oft gar nicht an bestehende IT-Umgebungen anbinden lassen. Sobald man mit der Verzahnung beginnt, wird es heikel. Dadurch entsteht ein enormer Markt für individualisierte Lösungen.

Wie sehen die Szenarien in der Praxis aus?

Kessler: Das Szenario wird in den meisten Fällen ein Hybrid-Ansatz sein oder eine sanfte Migration. Unsere Kunden schätzen sehr, dass wir ihnen einen Migrationspfad aufzeigen, aber genauso, dass wir auch das Thema Software-Lizenzen beleuchten. Beispielsweise betragen die monatlichen Mietkosten von Microsoft-Betriebssystemen in Cloud-Umgebungen oft das Mehrfache der reinen Infrastrukturkosten. Mit dem richtigen Know-how und dem passenden Lösungsansatz kann ein Provider seinen Kunden dabei helfen, viel Geld zu sparen. Ich würde jedem Unternehmen raten, sich vor dem Schritt in die Cloud breit zu informieren und sich individuell beraten zu lassen.

Erfahren Sie, wie Systemhäuser auf den wachsenden Bedarf an Managed Services reagieren sollten.

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