AWS Enterprise Summit 2015 „Cloud ist in Deutschland angekommen“

Rund 600 Kunden und Interessenten kamen am 24. März zum AWS Enterprise Summit in das Frankfurter Messe-Kongresszentrum CCM, um sich über aktuelle technologische Entwicklungen bei dem Cloud-Dienstleister zu informieren und anhand zahlreicher Kundenbeispiele zu prüfen, ob auch für sie AWS eine Alternative zur eigenen Infrastruktur sein könnte.

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Reger Andrang herrschte beim AWS Enterprise Summit in Frankfurt.
Reger Andrang herrschte beim AWS Enterprise Summit in Frankfurt.
(Bild: Rüdiger)

„Die Cloud ist in Deutschland angekommen“, davon ist Martin Geier, Geschäftsführer Amazon Web Services Germany, überzeugt.
„Die Cloud ist in Deutschland angekommen“, davon ist Martin Geier, Geschäftsführer Amazon Web Services Germany, überzeugt.
(Bild: Rüdiger)
Cloud ist keine Technologie mehr, für die sich nur disruptive Unternehmen interessieren – vielmehr erkennen Firmen aller Branchen und Größen mittlerweile, dass sie sich dem digitalen Wandel stellen müssen. „Die Cloud ist in Deutschland angekommen!“, rief Martin Geier, Geschäftsführer von Amazon Web Services Germany GmbH ins neugierige Publikum. Dafür, welche Vorteile der Umstieg auf die AWS-Cloud-Plattform bringen kann, gab es in Frankfurt zahlreiche Beispiele.

Von der Skalierbarkeit der Plattform profitieren viele IoT-Anwendungen ganz besonders. So bietet die Nokia-Tochter „here“ Lokalisierungstechnologien und auf ihnen basierende Services an. „Wir mussten unsere Datenbasis innerhalb eines Jahres von 2 auf 5 PByte ausbauen, das wäre auf eigener Infrastruktur viel zu teuer geworden“, erklärt etwa Daniel Alaron-Rubio, CTO und Head der Core Platform Group des Unternehmens. Mit Hilfe von Amazons Non-SQL-Datenbank Dynamo könne sein Unternehmen nun in Echtzeit zehn Milliarden Records innerhalb eines Index durchsuchen.

Die Philipps-Tochter CityTouch realisiert auf der AWS-Plattform einen webbasierenden intelligenten Stadtbeleuchtungsservice, eine Kombination aus intelligenten, sensorbestückten LED-Straßenlampen sowie zentraler Steuer- und Auswertelogik. Die Lösung ermöglicht den Betreibern der Straßenbeleuchtung, diese individuell zu steuern und so Energie zu sparen. Kaputte Lampen werden angezeigt und können zeitnah repariert werden. Ortsspezifische Beleuchtungsprofile sorgen dafür, dass es während der Hauptverkehrszeit heller ist als mitten in der Nacht im Wohngebiet. Im Einsatz ist die Lösung schon in vielen Städten, beispielsweise in Buenos Aires.

Performance-Gewinn bei Finanz-Simulationen

Für andere Kunden ist Geschwindigkeit das wichtigste Argument für den Umstieg in die Cloud: Der Finanzdienstleister Talanx rechnet seine nach Solvency II notwendigen Finanz-Simulationen jetzt in einem Viertel der Zeit. Unilever bringt Produkt-Websites dank AWS in zwei Tagen statt in zwei Wochen online.

Die Aesculap Akademie, ein Tochterunternehmen des Melsunger Medizintechnikkonzerns B. Braun, hat ihre weltweite Website inkl. der Online Buchungssystems für medizinische Fort- und Weiterbildungen zu AWS verlegt. „Der wichtigste Grund dafür ist, dass wir unseren Kunden jetzt einen besseren Service bieten, weil wir die weltweite Performance unserer dynamischen digitalen Kursangebote auf Basis der ersten Vergleichsmessungen um durchschnittlich 300 Prozent gegenüber dem bisherigen Hosting im eigenen lokalen Rechenzentrum verbessern konnten“, sagt Timo-Klaus Barthelmes, zuständig für digitale Innovationen im Marketing. Das liege vor allem an CloudFront, dem Content Distribution Network von Amazon, das, so Barthelmes, auch mit dynamischen Inhalten fertig wird.

Medienunternehmen wie ProSiebenSat1 basteln mit AWS an den digitalen Geschäftsmodellen von morgen. Die Fahrzeug-Handelsplattform Autoscout24 verabschiedet sich angelegentlich des Einstiegs in die AWS-Cloud gleich von der gesamten Microsoft-.net-Infrastruktur. „In der Cloud bekommt man vieles, was man sonst selbst machen müsste, und daran möchten wir jetzt partizipieren“, sagt Simon Hohenadl, Head of Customer IT.

Softwaremarkt online

Über seine anfängliche Rolle als reiner Infrastrukturdienstleister ist AWS längst hinausgewachsen. Über 40 Services sind im Angebot, darunter mit Dynamo eine eigene Non-SQL-Datenbank und für IoT-Lösungen die Streaming-Software Kinesis. Einziger vergleichbarer Konkurrent auf den deutschen Markt ist derzeit Microsoft Azure. Doch, so ein AWS-Partner auf dem Summit, der auch Microsoft-Azure-Infrastrukturen realisiert: „Wenn der Kunde beispielsweise Office 365 nutzt und auch sonst viel von Microsoft nutzt, raten wir zu Azure, ansonsten zu AWS. Microsoft muss sein bestehendes Softwaregeschäft schützen, AWS dagegen kann frei von solchen Rücksichten operieren.“

Über 700 Applikationen im AWS Marketplace

Das zeigen diverse Neuigkeiten, die in Frankfurt verkündet wurden. So steht der Cloud-Softwaremarktplatz AWS Marketplace mit derzeit etwas über 700 Applikationen nun auch Kunden aus der Rechenzentrums-Region Frankfurt zur Verfügung. Die im Frankfurter Raum befindlichen Rechenzentren befindliche Infrastruktur wurde mittlerweile vom TÜV Austria entsprechend dem IT-Grundschutz des Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifiziert. „Unsere Kunden haben uns gegenüber in den letzten Monaten betont, dass sie das wichtig finden“, sagt der deutsche Geschäftsführer Martin Geier. Damit sind sie auch für sogenannte kritische Infrastrukturen entsprechend dem in der Beratung befindlichen IT-Sicherheitsgesetz geeignet. Die Betreiber solcher Infrastrukturen müssen zukünftig aller Wahrscheinlichkeit nachweisen, dass ihre IT-Infrastruktur ausreichend sicher ist – auch die beim Dienstleister. Besitzt der das IT-Grundschutzzertifikat, gilt im Zweifel die Vermutung, dass die Sicherheit ausreichend war.

Die Software AG gab bekannt, man werde nun alle Applikationen außer die für Großrechner über AWS bereitstellen. SAP und Storage-Spezialist Netapp haben eine spezielle Lösung für hybride Clouds entwickelt, mit der Anwender SAP-Daten zwar im eigenen Hoheitsbereich auf einem Filer halten, sie aber trotzdem innerhalb der AWS-Cloud analytisch mit SAP HANA bearbeiten können. Dazu wird eine redundante Filer-Konfiguration aufgebaut: Eines der Speichersysteme steht direkt beim Kunden, eine beim Provider in unmittelbarer Nähe der AWS-Cloud. Die SAP-Software Landscape Management Service (LMS) sorgt dafür, dass nur veränderte Datenblöcke zwischen den Filern transportiert werden, so dass es nicht zu Zeitverzögerungen kommt.

Das Rezept für funktionierende Sicherheitsmaßnahmen

AWS-Security-Chef Bill Murray rät zur Komplettverschlüsselung.
AWS-Security-Chef Bill Murray rät zur Komplettverschlüsselung.
(Bild: Rüdiger)
Um Anwender davon zu überzeugen, dass Sicherheit für AWS ganz oben steht, erhielt in der Eröffnungsveranstaltung Bill Murray, bei AWS Director of Security Programs und ein ehemaliger FBI-Mann, breiten Raum. Er hat folgendes Rezept für funktionierende Sicherheitsmaßnahmen: „Sie müssen einfach sein, funktionieren und sich wiederholen lassen.“ So werden kaputte Festplatten bei AWS grundsätzlich in millimetergroße Schnipsel geshreddert und dann zum Sondermüll-Entsorger gegeben.

Zugang zu Rechenzentren erhalten nur Mitarbeiter, die absolut dort hinein müssen, alle drei Monate wird die Zugangsliste geprüft und gegebenenfalls aktualisiert. Jeder einzelne AWS-Mitarbeiter wird vor der Einstellung sicherheitsüberprüft. „Wenn wir bei der Sicherheit Fehler machen und das Vertrauen der Anwender verlieren, sind wir weg vom Fenster, deshalb machen wir lieber keine“, sagt Murray. Seinen Kunden empfiehlt er zu verschlüsseln – dann könne niemand Unbefugtes an die Daten.

Zur Präsentation von Bill Murray (Director of AWS Security Programs).

„CloudFront ist unseres Wissens derzeit eines der wenigen CDN, das auch dynamische Inhalte unterstützt“, erklärt Timo-Klaus Barthelmes, Head of Digital Innovation bei Aesculap, einem Tochterunternehmen des Medizintechnikherstellers B. Braun Melsungen.
„CloudFront ist unseres Wissens derzeit eines der wenigen CDN, das auch dynamische Inhalte unterstützt“, erklärt Timo-Klaus Barthelmes, Head of Digital Innovation bei Aesculap, einem Tochterunternehmen des Medizintechnikherstellers B. Braun Melsungen.
(Bild: Rüdiger)
Um AWS hat sich mittlerweile ein ganzes Ökosystem von Dienstleistern gebildet, die Kunden beim Weg in die AWS-Cloud helfen. In Frankfurt präsentierten viele von ihnen: Firmen wie der Glasfaser-Provider Level 3, das AWS-zertifizierte Schulungsunternehmens TecRacer und diverse Integratoren. Ob AWS Geld verdient und wie viel, wissen auch sie nicht zuverlässig.

Darüber gibt es Ende April zum ersten Mal Aufschluss. Dann veröffentlicht die Mutterfirma Amazon die Quartalszahlen zum ersten Quartal 2015. Sie sollen zum ersten Mal separate Angaben zu AWS enthalten.

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Über den Autor

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

Freie Journalistin, Redaktionsbüro Rüdiger