Automatisierung der Rechenzentrumsprozesse Cloud-Computing: die technischen Grundlagen und Services effizient bereitstellen

Autor / Redakteur: Dirk Schiller* / Ulrich Roderer

Viele Unternehmen haben inzwischen ihre Cloud-Bedenken über Bord geworfen und möchten vor allem in Private-Cloud-Projekte investieren. Doch wie können sie diese effizient bereitstellen und welche Voraussetzungen haben sie dafür zu erfüllen?

Firmen zum Thema

Cloud Services stellen Ressourcen und Anwendungen auf Knopfdruck bereit. Automatisierte Prozesse im Rechenzentrum sind zwingend erforderlich.
Cloud Services stellen Ressourcen und Anwendungen auf Knopfdruck bereit. Automatisierte Prozesse im Rechenzentrum sind zwingend erforderlich.

Cloud Services stellen Ressourcen und Anwendungen auf Knopfdruck bereit. Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, sind automatisierte Prozesse im Rechenzentrum zwingend erforderlich. Doch vor der Einführung müssen Unternehmen die vorhandenen und notwendigen Abläufe kennen. Dazu gehören alle Teilschritte von der Anforderung im Webportal bis zur Bereitstellung mit Speicher, Anwendungen, Rechten, der Integration in das Systemmanagement sowie einer automatisierten Kostenverrechnung. Im Anschluss ist zu prüfen, inwieweit die bestehenden Systeme die notwendigen Prozesse bereits unterstützen.

Virtualisierung

Die erste Voraussetzung, um den Anwendern Dienste aus der Private Cloud anbieten zu können, ist eine weitgehende Virtualisierung der Infrastruktur (Server, Storage, Netzwerk). Diese haben bereits die meisten Unternehmen eingeführt, wenn auch meist aus anderen Gründen. So sorgt sie über den automatischen Lastenausgleich der virtuellen Ressourcen für eine deutliche Einsparung der benötigten Kapazität von Anwendungs- und Storage-Servern. Zudem kann sie höchste Ausfallsicherheit bieten, da sofort auf andere Ressourcen umgeschaltet wird, ohne dass der Anwender etwas davon bemerkt.

Standardisierung

Die zweite Voraussetzung ist noch nicht so häufig realisiert: die Standardisierung von Betriebssystemen und Hardware. Um durchgehend automatisierte Prozesse zu erreichen, müssen zum Beispiel die Versionsnummern der Betriebssysteme identisch sein. Sobald sie verschiedene Patch-Level oder gar Unterschiede in den Schnittstellen für Automatisierungstools oder Remote-Zugang aufweisen, sind Ausnahmeregeln nötig. Damit steigen Komplexität und mögliche Fehlerquellen. So ist der über die Zeit gewachsene, oft heterogene Bestand zu vereinheitlichen, wodurch entsprechende Investitionskosten entstehen. Doch diese amortisieren sich relativ schnell durch die deutlich effizienteren und flexibleren Prozesse der Automatisierung.

Kapseln

Um die komplexe Cloud-Technologie überschaubar zu halten, müssen IT-Komponenten wie Server, Storage und die Virtualisierungsplattformen innerhalb von festgelegten, funktionalen Blöcken gekapselt werden. Die Kapselung erhöht den Virtualisierungsgrad und Betriebsabläufe lassen sich strukturieren und vereinheitlichen. Ein recht neues Angebot sind gekapselte Infrastrukturen, die Server, Storage und Netzwerk in einem System enthalten.

Diese Lösungen lassen sich wie ein Komplettpaket im Rechenzentrum installieren und stellen schnell entsprechende Services bereit. Mit solchen homogenen, einheitlich-funktionalen Blöcken lässt sich die Automatisierung am besten umsetzen – der Virtualisierungsgrad erreicht damit nahezu 100 Prozent. Das Kapseln der IT-Infrastruktur führt daher zu einer schnelleren Umsetzung, einem standardisierten Betrieb sowie zu einer besseren Auslastung der Ressourcen und Energieeffizienz. Unternehmen sollten bei der Auswahl eines Anbieters Faktoren wie Support, Offenheit der Gesamtlösung, Reife und Marktdurchdringung der einzelnen Produkte sowie den Umfang des Portfolios in den einzelnen Produktgruppen berücksichtigen.

Automatisierung

Bei der Automatisierung der IT-Infrastrukturen gilt, dass sie auch außerhalb des Cloud-Szenarios zahlreiche Vorteile bringt. So müssen beispielsweise IT-Administratoren keine zeitraubenden und unproduktiven Routinetätigkeiten mehr ausführen und können ihren Fokus verstärkt auf strategische Prozesse legen. Vor allem in Zeiten des Generationenwechsels und Fachkräftemangels wird der effiziente Einsatz der wenigen verbleibenden Experten immer wichtiger.

Gleichzeitig verringert Automatisierung die Fehlerquote und verkürzt den Zeitaufwand deutlich, etwa bei Bereitstellungen von Services, Rechtevergabe oder dem Wiederhochfahren von Servern. So profitieren Unternehmen von einem stabileren und sichereren Betrieb des Rechenzentrums und reduzierten Ausfallzeiten sowie weniger Komplexität und Kosten.

Doch welche Prozesse eignen sich für die Automatisierung? Dazu zählen vor allem zwei Bereiche: besonders kritische Prozesse wie das Wiederhochfahren nach einem Störungsfall sowie häufig wiederkehrende Prozesse wie die Prüfung, Kategorisierung und Bearbeitung von Incidents. Ein dritter Bereich, der häufig unterschätzt wird, sind seltenere, aber immer wiederkehrende komplexe Prozesse wie die Bereitstellung von kompletten Services. Diese können automatisiert innerhalb von Minuten oder Stunden abgewickelt werden, während dies manuell Wochen oder sogar mehrere Monate dauert. Die Automation der reproduzierbaren Einzelschritte, deren anschließende Orchestrierung sowie die entsprechende Anpassung der Betriebsorganisation führen zu höherer Qualität, Transparenz und Produktivität sowie zu vereinfachtem Asset- und Lifecycle-Management der IT-Ressourcen, verbessertem Datenmanagement und Kostentransparenz.

Organisation

Außer den technischen gibt es aber auch einige organisatorische Voraussetzungen für die Automatisierung. So müssen die verschiedenen Abteilungen eines Unternehmens oder einer Organisation übergreifend zusammenarbeiten. Denn die Prozesse betreffen nicht nur Netzwerk, Storage und Server, sondern auch die Rechtevergabe und Verwaltung im Active Directory, die interne und eventuell externe Leistungsberechnung bis hin zu den benötigten Stromquellen. Dazu müssen die notwendigen Wenn-dann-Beziehungen geklärt werden, um die Automatisierung zu ermöglichen.

Die technische Umsetzung ist dann über die grafischen Oberflächen der Automatisierungs- und Orchestrierungstools relativ einfach. Doch nicht jedes Tool ist für alle Unternehmen geeignet. Hier gilt es, aus den unterschiedlichen Angeboten der Anbieter die jeweils passende Lösung zu finden und insbesondere herauszufinden, welche Prozesse wie automatisiert werden sollen oder können. Der Aufwand bei der Einführung ist dann je nach vorhandenen Strukturen und Anforderungen sehr unterschiedlich und sollte aufgrund der Kosten für Hardware und Software sowie Beratung nicht unterschätzt werden. Jedoch profitieren die Unternehmen dann nicht nur von mehr Stabilität und Sicherheit der Prozesse, sondern auch höherer Nachvollziehbarkeit und Servicequalität.

Erst der letzte Schritt besteht in der eigentlichen Einführung der Cloud-Services. Dazu sind die bereitzustellenden Servicekataloge aus modularen und industriellen Bausteinen zu entwickeln. Schließlich ist auch ein Produktmanagement für Rechenzentrumsservices einzuführen, um einen serviceorientierten Betrieb sowie ein agiles Produktionsmodell zu erreichen. So stehen die Anwendungen für den Nutzer schneller, flexibler und anpassbarer zur Verfügung.

Reifegradanalyse

Doch wann ist ein Unternehmen reif für Cloud Computing? Um dies zu beantworten, ist eine Analyse der Cloud-Reife bei allen Schritten auf dem Weg in die Cloud notwendig. Dabei werden anhand eines Katalogs mit rund 250 praxiserprobten Fragestellungen sämtliche Bereiche untersucht – vom Zugang zum Rechenzentrum über das Service Management bis zur Energieeffizienz. Der Katalog liefert bereits praxisbezogene Antwortmöglichkeiten. So lässt sich die Cloud-Reife für technische und organisatorische Bereiche in fünf Stufen festlegen und objektiver beurteilen. Damit können Unternehmen einfacher feststellen, ob sie Cloud nicht nur wollen, sondern auch bereit dafür sind.

Doch können die Mitarbeiter mit der neuen Verantwortung auch umgehen, da sie sich ihre Anwendungen nun selbst zusammenstellen? Das lässt sich allgemein mit ja beantworten, denn die meisten besitzen bereits aus ihrem Privatleben entsprechende Erfahrungen mit Cloud-Diensten wie webbasierte E-Mail und Bild-/Dokumentenspeicher oder Soziale Netzwerke. Zudem sorgt der Trend zur Konsumerisierung der IT dafür, dass sie sich zunehmend ihre eigenen Geräte oder Anwendungen zusammensuchen, die sie für die Arbeit benötigen, und diese einfach nutzen – auch gegen entsprechende Regelungen des Unternehmens. Wer also verhindern möchte, dass die Mitarbeiter für ihre beruflichen Dokumente Dropbox nutzen, sollte einen entsprechenden Private-Cloud-Dienst anbieten.

Dirk Schiller ist Leader Cloud Solutions, Computacenter AG & Co. oHG

(ID:34350790)