Siegeszug der Chromebooks?

Chromebooks als optimale Low-Cost-Alternative – oder doch nicht?

| Autor / Redakteur: Axel Oppermann / Jürgen Sprenzinger

Chrombooks: Im Unternehmensumfeld noch argwöhnisch beäugt – doch im Bildungswesen bereits begehrt.
Chrombooks: Im Unternehmensumfeld noch argwöhnisch beäugt – doch im Bildungswesen bereits begehrt. (Bild: Courtesy Google)

Der Siegeszug von Chromebooks wird auch in Europa und Deutschland kaum aufzuhalten sein. Jedenfalls nicht bei Privatanwendern und sehr wahrscheinlich auch nicht in Bildungseinrichtungen. Die seit 2011 verfügbaren mobilen Computer, die auf dem Betriebssystem Chrome OS von Google aufbauen, erfreuen sich großer Beliebtheit.

Die Gründe sind vielfältig: Günstiger Preis, niedrige Anforderungen an die Hardware, da Daten und Einstellungen in erster Linie in einer Cloud gespeichert werden, und eine zunehmende Vielzahl an attraktiven angebotenen Geräten. Die Geräte stammen von Dell, HP, Samsung & Co. Auf den Geräten werden quasi keine Daten gespeichert. Der Nutzer meldet sich mit seinem Konto an und erhält so auf jedem Chromebook den Zugang zu seiner gewohnten Arbeitsumgebung. Eine zunehmende Zahl an Anwendungen erhöht die Attraktivität.

Einfluss auf die Bildungseinrichtungen

Gegenwärtig kann davon ausgegangen werden, dass Chromebooks einen großen Einfluss auf die Ausstattungen in Bildungseinrichtungen nehmen werden. In Deutschland werden Chromebooks im Unternehmensumfeld gegenwärtig überwiegend argwöhnisch beäugt. Auch wenn erste größere Installationen und umfassende Tests in Unternehmen wahrnehmbar sind, wird oftmals – ob gerechtfertigt oder nicht – Unsicherheit und fehlende Kompatibilität zum Industriestandard im Bereich der professionellen Client-Systeme, namentlich Windows, moniert. Zumindest für die zweitgenannte Aussage fallen zunehmend die Argumente weg.

VMware und Google wollen Unternehmens-Desktops für die Mobile-Cloud-Ära modernisieren

VMware will mit einem Desktop as a Service (DaaS) einen Cloud-Zugriff auf Windows-Anwendungen, -Daten und -Desktops auf Chromebooks ermöglichen. Nutzer können auf ihre Windows-Anwendungen, Daten und Desktops mit der VMware-Blast-HTML5-Technologie von einem Web-basierten App-Katalog von ihrem Chromebook aus zugreifen. Darüber hinaus können Unternehmen mittels VMware Horizon DaaS zwischen einer Virtual Desktop Infrastructure (VDI) oder Remote-Desktop-Services- (RDS-) Verbindung wählen.

Bei diesem Ansinnen beabsichtigen Google und VMware, eng zu kooperieren. Ziel der Zusammenarbeit ist es, Enterprise-Kunden einen Zugriff auf Legacy-Anwendungen zu geben, der sowohl höhere Sicherheit als auch niedrigere Gesamtkosten ermöglicht.

Zunächst steht die gemeinsame Lösung Unternehmen als On-Premise-Service zur Verfügung, soll aber zukünftig als full-managed DaaS-Subscription-Angebot von VMware und anderen vCloud-Service-Provider-Partnern in der Cloud oder in Hybrid-Umgebungen angeboten werden.

Und?

Die angekündigte Partnerschaft ist eine starke Weiterentwicklung für das Chromebook-Universum und wird die Nachfrage auch in deutschen Unternehmen deutlich erhöhen. Der weitere starke Ausbau der Partnerlandschaft würde einen weiteren Wert darstellen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Google den Schalter auf Business-IT endgültig umlegt. Chromebooks sind ein Treiber für das Enterprise-Business. Das Geschäft mit den Unternehmenskunden ist eine ausschlaggebende Größe für Googles Relevanz im Cloud-Markt.

Ob mit oder ohne DaaS-Lösungen: Es gibt zahlreiche Szenarien, die einen flächendeckenden Einsatz von Chromebooks im Unternehmen wertvoll erscheinen lassen. Damit sind nicht zwingend mobile Szenarien gemeint. Vielmehr bieten die Systeme auch zahlreiche Optionen für stationäre Arbeits- und Produktivitätsszenarien, die einen geringen Anspruch an Rechenleistung und Funktionsumfang haben. Hier kann validiert werden, wo im eigenen Unternehmen entsprechende Nutzen gehoben werden können.

Es ist jedoch davon auszugehen, dass deutsche Unternehmen – mit Ausnahme von Innovatoren – diese Chance nicht schnell adaptieren werden. Das ist keine Wertung – sondern eine Feststellung.

Über den Autor:

Axel Oppermann, Senior Advisor bei der Experton Group
Axel Oppermann, Senior Advisor bei der Experton Group (Bild: Experton)

Axel Oppermann ist als Senior Advisor bei der Experton Group tätig und seit 2000 im IT/TK-Beratungsumfeld aktiv. Sein Interessensschwerpunkt liegt im Bereich der Analyse und Bewertung der strategischen Einführung ICT-basierter Produkte und Dienstleistungen. Thematischer Fokus seiner Arbeit sind (Enterprise) Applications, Software-Lizenzmanagement sowie Lizenzstrategien & Servicekonzepte. Der Autor unterstützt Anwenderunternehmen im Bereich der strategischen Einsatzplanung, IT-Beschaffung, Allokation und Lizenzierung von Software. Der Schwerpunkt liegt hier bei Produkten aus dem Hause Microsoft. ICT-Anbieter werden in Fragen der strategischen Marketingberatung betreut. Insbesondere die Bereiche Marktsegmentierung, Wettbewerbsanalysen und Wettbewerbsstrategien bilden hierbei den Tätigkeitsschwerpunkt.

Axel Oppermann hat einen Abschluss als Bankkaufmann und absolvierte ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Kassel mit Schwerpunkt Markt und Allokation. Er publiziert in der Wirtschafts- und Fachpresse (Handelsblatt, Computerwoche, etc.) zu den Themen Microsoft im Besonderen und IT-Themen im Allgemeinen.

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