Red Hat Virtualization 4

CHANGING THE VIRTUALIZATION LANDSCAPE

| Autor / Redakteur: Thomas Drilling / Ulrike Ostler

Red Hat Virtualization 4 integriert Server-Konsolidierung mit der Cloud
Red Hat Virtualization 4 integriert Server-Konsolidierung mit der Cloud (Bild: Red Hat)

Aus Red Hat hat seine Enterprise-Virtualisierungslösung RHEV auf Version 4 aktualisiert und signalisiert mit der Umbenennung in Red Hat Virtualization (RHV) nicht nur eine neue strategische Ausrichtung. Version 4 bringt zudem ein Füllhorn an Neuerungen, die klassische Virtualisierung mit der Cloud und Containern integrieren.

Bislang hörte Red Hats Enterprise Virtualisierungs-Suite für Server UND Desktops auf die Bezeichnung Red Hat Enterprise Virtualization. Die Verkürzung auf Red Hat Virtualization ist nicht nur zungenfreundlicher, der Verzicht auf das Enterprise-Suffix drückt auch aus, dass man die Zielgruppe für RHV nicht mehr besonders herausstellen muss. Nach den Vorstellungen von Red Hat sind das mittlere, vor allem aber große Unternehmen, die bei der Transformation ihrer IT-Prozesse weit voran geschritten sind oder fortschreiten wollen.

REV, RHEL und OpenStack

RHEV oder RHV haben zwar nominell weniger Marktanteile als VMware, Microsoft und Citrix, schaut man nur auf die Anzahl von Unternehmen, die mit Red Hats Lösung in die traditionelle Virtualisierung einsteigen, man darf aber nicht übersehen, dass RHEV (oder allgemein Linux mit KVM) fast immer die Basis von OpenStack-Clouds bilden, auch wenn OpenStack heute alle marktrelevanten Hypervisor unterstützt.

Darüber hinaus ist RHEV Basis aller Cloud-Produkte von Red Hat und Red Hats Container-Plattform, wenn man auseinanderdividiert, dass der RHEV-Hyperivsor wiederrum auf einer abgespeckten Version von Red Hat Enterprise Linux basiert. Insofern ist RHEV-H/RHV-H auch ein echter Typ1-Hypervisor, weil er bare-metal installiert wird und nur dem Einsatz als Hypervisor dient. Ein klassisches Linux-System mit KVM kann je nach Kontext z. B. (mit Virt Manager) auch als Typ-2-Hypervisor betrachtet und genutzt werden.

A brief history

Red Hats Virtualisierungslösung ist seit 2009 am Markt und nach umfangreichen internen Umbaumaßnahmen seit ungefähr 2012 mit der Version 3.1 alltagstauglich. Konzeptionell und in Sachen Funktionsumfang braucht sich sich RHV heute nicht hinter Hyper-V und Xenserver (VMware vSphere kann hier als Marktführer nicht der Maßstab sein) verstecken; allein an der Marktdurchdringung haperte es.

Da Red Hat bei RHEV aber im Gegensatz zu VMware und Citrix nicht auf Verkaufszahlens angewiesen ist, weil Red hat Enterprise Linux der Hauptdevisenbringer für das Unternehmen aus North Carolina ist, konnte sich die Entwickler über die Jahre den Luxus erlauben, RHEV ohne Druck weiterzuentwicklen und vor allem strategisch geschickt im Markt zu verankern. Während z. B. Hyper-V bei vielen kleinen Unternehmen quasi durch die Hintertür, als Beipack von Windows Server die Tür zur Serverkonsolidierung öffnet, fand RHEV bisher als zentrale Komponente der Cloud-Produkte von Red Hat, allen voran der eigenen OpenStack-Distribution, Einzug ins Unternehmen.

Da Red Hat zudem den Hypervisor seiner Virtualisierungslösung bereits 2009 der Linux-Community übergab, konnte sich dieser als Bestandteil des offiziellen Linux-Kernels auch außerhalb von RHEV in zahlreichen Produkten schnell verbreiten und hatte nach nach kurzer Zeit den seit 2004 verfügbaren Xen-Hypervisor abgehängt, der bis heute nicht zum Linux-Kernel gehört, wenngleich sich beide über den Standard-Virtualiaisierungsmanagement-Stack der OpenSource-Welt mit libvirt, virsh und/oder Qemu nutzen und verwalten lassen.

Die Komponenten von RHV

Red Hat Enterprise Virtualization ist 2008 aus der Übernahme des israelischen Unternehmens Qumranet hervorgegangen. Allerdings handelte es sich bei der Lösung ursprünglich um ein Windows-Produkt, sieht man mal vom Hypervisor ab. Red Hat brauchte mehrere 2´er-Versionen, um über die Jahre proprietäre Code-Bestandteile (C#) durch Open-Source-Code zu ersetzen. Eine für ein Open-Source-Unternehmen, wie Red Hat pikante Folge des Deals aus 2008 bestand bis RHEV 3.0 nämlich darin, dass das Management-System zwingend IE7, .Net und ein Active Directory voraussetzte. Ab der Version 3.1 enthält RHEV eine komplett neu geschriebene, auf Java basierende Web-Anwendung, die auf Red Hats JBoss-Middleware als Applikationsserver aufsetzt. Den gesamten Management-Stack hat Red Hat in Form des oVirt-Projekts ebenfalls der Community übergeben, sodass interessierte Unternehmen auf Basis von OVirt und CentOS- oder Fedora-basierten Hypervisors-Hosts theoretisch auch ein kostenloses RHEV-Szenario implementieren könnten.

RHV und oVirt

RHEV (und auch RHV) besteht neben dem eigentlichen KVM-Hypervisor und im Gegensatz zu einfachen, auf KVM basieren Virtualisieruns-Stacks wie Virt-Manager, aus einer Virtualisierungsmanagement-Komponente samt Webinterface und dem SPICE-Protokoll, das insbesondere im VDI-Part von RHEV eine zentrale Rolle spielt, sowie einer Vermittler-Komponente VDSM.

Die Hypervisors (oVirt-Nodes) kommunizieren mit Hilfe eines Stacks aus libvirt und VDSM, im oVirt-Kontext auch „oVirt Host Agent“ genannt mit dem Managementsystem oVirt-Engine. Mit Hilfe der in Python geschriebenen „oVirt Guest Agents“ informieren die Gastsysteme beispielsweise die oVirt-Engine darüber, welche IP-Adresse sie besitzen, welche Anwendungen auf ihnen laufen oder wie viel Speicher sie benötigen.

In Red Hat Enterprise Virtualization hört der für den Betrieb als Hypervisor optimierte Kernel mit minimalem Footprint auf die Bezeichnung „Red Hat Virtualization Host“ (RHV-H) und das Management-System samt Ressourcen-Manager und Managementoberfläche auf den Namen „Red Hat Virtualization Manager“ (RHV-M). Im Unterschied zu VMware und Hyper-V sind sämtliche Komponenten von Red Hats Enterprise Virtualisierung in Form des oVirt-Projektes als freie Software verfügbar. Die oVirt-Entwickler haben inzwischen Version 4.0.3 veröffentlicht. Aktuell unterstützt RHV 4 beim Red Hat Enterprise Virtualization Manager (RHV-M) RHEL 7.2 und damit eine JBoss EAP 7, Java OpenJDK 8 und Postgresql 9.2.

Neuer Name, neues Programm

Mit der Umbenennung der neuen Version Red Hat Virtualization 4 will das Unternehmen signalisieren, dass RHV sowohl traditionelle Workloads virtualisiert, als auch Container-basierten Workloads in hybriden Clouds als Fundament für Sicherheit und Skalierbarkeit dient. Aber auch am Fundament hat sich viel getan:

  • So hat Red Hat die Hypervisor-Komponente (RHV-H) unter der Bezeichnung „Next-Generation Host” komplett überarbeitet, sodass sich dieser nun wie eine Appliance „verhält“. Das bedeutet schlicht ein deutlich vereinfachtes Operations-Management, eine vereinfachte-Paket-Installation und eine vereinfachte Integration von Thirdparty-Treibern.
  • Zwei wesentliche Neuerungen des RHV-H sind zudem die Integration des von RHEL bekannten Anaconda-Installers und das Cockpit Plugin, ein Tool das ein Host-spezifischen Tuning und Troubleshooting erlaubt. Neuerungen gibt es auch beim Gastsystem-Support. So unterstützt RHV hier jetzt auch RHEL Atomic Host. Ferner sorgt eine neue freie API für eine bessere Unterstützung externer Netzwerke von Drittanbietern. Dadurch wird eine Zentralisierung und Vereinfachung des Netzwerkmanagements möglich. So kann der Red Hat Virtualization Manager mit externen Systemen kommunizieren, um Netzwerkeinstellungen zu definieren, die auf virtuelle Maschinen angewendet werden können.
  • Zudem hat Red Hat einen Browser-basierten Image-Uploader eingeführt, der KVM-Images direkt oder per URL in den Storage hochladen kann. Darüber hinaus hat der Hersteller das System-Dashboard erweitert, das eine globale Übersicht der beanspruchten Ressourcen wie CPU, Memory und Storage-Consumption erlaubt.
  • Neu sind auch erweiterter Migrations-Richtlinien. Sie erlauben ein Feintuning der Live-Migrations-Einstellungen einer VM auf Cluster-Ebene, wie z. B. die maximal beanspruchbare Bandbreite. Darüber hinaus kennt RHV jetzt auch Tags und Labels, die sich einer VM als charakteristische Eigenschaften anheften lassen, was letztendlich manuelle Operationen beschleunigt.

Neue System-Dashboards in RHV 4
Neue System-Dashboards in RHV 4 (Bild: Red Hat)

Erhöhte Sicherheit

Bei der Absicherung des Zugangs setzt RHV 4 auf sVirt, das Mandatory Access Control (MAC) auf Basis von SELinux anwendet. Das sorgt für eine höhere Sicherheit bei VMs und Hypervisor, da physische und virtuelle Umgebung vor Schwachstellen geschützt werden, die als Angriffsvektor gegen den Host oder andere VMs genutzt werden könnten.

Cloud Integration

Neben den fundamentalen Virtualisierungsfunktionen verbessert Red Hat in RHV 4 auch den Support für OpenStack und Linux-Container. So unterstützt RHV 4 Red Hats OpenStack Platform 8 und bietet nativen Support für Neutron Open vSwitch networking services. Zudem unterstützt RHV 4 neben Private- und Hybrid-Cloud-Umgebungen mit OpenStack auch Linux-Container-basierte Workloads. Die o. e Unterstützung für Red Hat Enterprise Linux Atomic Host als Gastsystem erlaubt das Ausführen von Gast-Agenten als Container auf der Atomic Host VM. Außerdem wurde der operativen Footprint von RHV-H minimiert, indem Services nahtloser zwischen traditionellen und Cloud-Workloads bereitgestellt werden können.

Verfügbarkeit

Die neue Version von RHV wird sowohl als eigenständiges Paket, als auch als Teil der Red Hat Cloud Suite angeboten, die unter anderem Red Hat OpenStack Platform, Openshift, Red Hat CloudForms, Red Hat Satellite und Red Hat Ceph Storage enthält.

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