Linux, was nun? Ein Kommentar

Big Data = Linux

| Autor / Redakteur: Igor Ljubuncic* / Ulrike Ostler

Wer kann bei einem solchen Blick schon widerstehen? Tux, das Linux-Maskottchen, durfte heuer den 25-jährige Geburtstag des Open-Source-Betriebssystems feiern.
Wer kann bei einem solchen Blick schon widerstehen? Tux, das Linux-Maskottchen, durfte heuer den 25-jährige Geburtstag des Open-Source-Betriebssystems feiern. (Bild: © tibbbb/ Fotolia.com)

Linux ist in diesem Jahr 25 Jahre alt geworden. Das Open-Source-Betriebssystem zeigt sich gereift, doch nicht überaltert, wenngleich dem ein oder anderen zu viel Code und Overhead drinsteckt. Igor Ljubuncic, Principal Engineer bei Rackspace, sieht dennoch keine Alternative für den Eintritt ins Big-Data-Zeitalter.

Das Linux-Ökosystem muss aus zwei Blickwinkeln betrachtet werden. Zum einen gibt es die Unternehmenswelt, die vor allem durch eine geringe Anzahl von dominanten Spielern (zum Beispiel Red Hat und Suse) mit einem Fokus auf die Betriebssystems-Entwicklung bestimmt wird.

Zum anderen gibt es den Linux-Bereich, der einen starken Fokus auf eingebettete-Systeme und Anwendungen legt. Dieser wird von Suchmaschinen-Giganten wie Google, App-Store-Riesen wie Android und eben auch von einflussreichen Playern aus dem Bereich Internet der Dinge beeinflusst.

Die größten Herausforderungen kommen jedoch aus diesem Ökosystem, an dem die zunehmende Aufteilung nicht mehr nachhaltig ist und eine Konvergenz in Richtung Standards drängt. Diese werden höchstwahrscheinlich von den großen Spielern diktiert.

Einfluss der Suchmaschinen- und Appstore-Giganten

Bisher jedoch dominieren nur sehr wenige Unternehmen, die sich erfolgreich ins breite Feld der Datennutzung und Analyse gewagt haben, den Informationsmarkt. Dazu gehören Riesen wie Facebook. Unternehmen, die es schaffen, dieses Konzept frühzeitig in ihr Geschäft zu implementieren, werden Richtungsgeber für die zukünftige Technologieindustrie.

Nicht zuletzt die wachsende Datenflut und die Schnelligkeit ihrer Analyse wird tatsächlich zunehmend für alle Unternehmen zur Aufgabe. Gemäß dem aktuellen „Cisco Visual Networking Index“ steigt der IP-Datenverkehr in Deutschland von 2015 bis 2020 von 21,3 auf 52,7 Exabyte jährlich an. Laut IDC werden dann weltweit 1,7 Megabyte pro Sekunde an Daten produziert. Doch weniger als ein Prozent dieser Daten wird analysiert und damit für Geschäftsprozesse genutzt.

Doch gerade auf Big-Data-Analysen basieren aber viele künftige Business-Modelle, wie heute bereits Amazon, Facebook oder Google beweisen. Denn die Sammlung möglichst vieler Informationen und deren sinnvolle Auswertung führen zu einem enormen Wissensvorsprung und damit auch riesigen Wettbewerbsvorteil für Unternehmen.

Vorbilder im Supercomputing

Darüber hinaus hat es ein großes Potenzial als Katalysator der Datenflut in der Big Data Revolution zu fungieren und diese zu erschließen. Dafür müssen die Rechenzentren auf diese Entwicklung vorbereitet werden, indem sie für hochperformante Rechenprozesse skaliert werden. Eine Möglichkeit dafür stellt die Einrichtung von Hochleistungs-Servern dar. Einen Benchmark für erfolgreiche Lösungen liefern aktuelle Supercomputing-Listen.

Dabei zeigt sich, dass bereits 494 Supercomputer der aktuellen Top500-Liste auf Linux basieren. Das Betriebssystem wird auch weiterhin dominant im Supercomputer-Bereich bleiben. Denn das offene und nahezu beliebig erweiterbare Modell des Kernels ermöglicht, dass Linux die Schlüsselkomponente für das zukünftige Performance-Wachstum darstellt.

Zudem lassen sich damit auch mehrere Rechenzentren im Cloud- und Intercloud-Ansatz miteinander verbinden. Gerade dies wird im Zeitalter des Internets der Dinge eine immer wichtigere Rolle spielen, in dem alles mit allem verbunden wird und dadurch die erzeugte Datenmenge weiterhin exponentiell steigt. Für deren Auswertung und Absicherung sind leistungsfähige und extrem hochskalierbare Datacenter-Betriebssysteme wie Linux eine entscheidende Voraussetzung.

Klare Sache

Damit ist klar: Linux wird höchstwahrscheinlich synonym mit dem Konzept des Big Data agieren, denn die Wissenschaft der Daten wird ein untrennbarer Teil unseres Lebens werden.

Für die weitere Entwicklung aber gilt, dass letztlich der Kern der Betriebssystem-Entwicklung streng kontrolliert bleiben und konzentriert sich sowohl kurz- als auch langfristig auf das Geschäft wird. An diesem Modell ist vermutlich nicht viel zu ändern, obwohl die Zusammenarbeit der Betriebssystem-Entwickler und den Big-Data-Virtuosen in verschiedenen Bereichen steigen wird.

* Igor Ljubuncic ist Principal Engineer bei Rackspace.

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