Schutz für Rechenzentren aus dem steten Datenstrom Big Data birgt neue Chancen für das Online-Business

Autor / Redakteur: Michael Heuer / Ulrike Ostler

Jede Sekunde werden in der extrem vernetzten Welt von heute Milliarden an Log-Daten als Resultat unzähliger Online-Aktionen erzeugt. Die Herausforderung, die sich dabei stellt, lautet: Wie kann ich diese Daten sinnvoll nutzen, analysieren und managen? Und warum ist dies überhaupt so wichtig?

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Kein Unternehmen kann sich Big Data entziehen. Wie wird aus dem Fluch ein Segen?
Kein Unternehmen kann sich Big Data entziehen. Wie wird aus dem Fluch ein Segen?
(Bild: iStock/loops7)

Big Data ist überall. Die einzige Alternative, die sich für Unternehmen stellt, besteht darin entweder von der Last erdrückt zu werden oder sich das Potenzial zu erschließen.

Die Flut an Daten hat Auswirkungen auf die massive, gleichzeitig oftmals fragile, geteilte Ressource, die das Internet präsentiert. Wie viel Last verträgt die existierende Infrastruktur? Wie können wir Daten sicher und privat halten? Wie können wir uns auf das exponentielle Datenwachstum vorbereiten?

Die Masse an Daten zeigt, dass die Zahl der Online-Nutzer ebenso wie die der Internet-fähigen Geräte, der Geschäftsanwendungen sowie der Video-Konsum steigen. Gleichzeitig ist eine Zunahme an Ausbeutung, Attacken und illegitimen Daten zu beobachten, die darauf zielen, Server zu überfluten, Geld zu stehlen oder Geschäftsabläufe zu unterbrechen oder sogar souveräne Staaten zu beeinträchtigen. Im Zusammenhang mit den riesigen Datenmengen, die bei geschäftlichen Transaktionen anfallen, sind vier signifikante Handlungsgebiete auszumachen.

1. Die Sicherheit

Aus Big Data lassen sich zahlreiche Informationen ziehen, die zur Schaffung eines sichereren Internets beitragen können. Wichtige Schritte in der Branche wurden mit Sicherheitsservices wie Angriffserkennung getan. Jetzt gilt es allerdings, Daten völlig neu zu betrachten und den legitimen von böswilligem Traffic zu unterscheiden.

Die „Akamai Intelligent Platform“ beispielsweise sammelt kontinuierlich Informationen über eine bestimmte Internet-Adresse, um zu entscheiden, ob eine Anfrage von einem Menschen oder einem gekaperten Computer stammt. Dabei wird anhand von Daten zu Kennzahlen wie Verbindungsgeschwindigkeit, Standort oder Art der angefragten Inhalte der IP-Adresse eine bestimmte Reputation zugesprochen.

Auf dieser Basis lässt sich entscheiden, ob man den von dieser Adresse ausgehenden Traffic zulässt oder herausfiltert. So kann Attack Traffic lange, bevor er auf das Rechenzentrum des jeweiligen Unternehmens trifft, abgewehrt und die Geschäftskontinuität aufrechterhalten werden.

Das Böse soll schnell erkannt werden

An den Daten lassen sich darüber hinaus Muster in der Verbreitung von böswilligem Traffic oder Viren ablesen. Schaut man sich ein konkretes Beispiel an, kann man Schlüsse daraus ziehen, welche Auswirkung ein bereits bekannter „Wurm“ in Bezug auf die Netzwerkstörung hat.

Ein Verständnis verschiedener Szenarien bildet die Voraussetzung, um Maßnahmen zur Isolierung von störenden Attacken zu ergreifen. Und selbst nicht-böswillige Störungen, wie sie von einem geschädigten Unterwasser-Glasfaserkabel ausgehen können, lassen sich damit umleiten, so dass schwerwiegende Ausfälle im Online-Business vermieden werden können.

Die Informationen aus Big Data helfen dabei, böswilligen Traffic vom Rechenzentrum des Unternehmens fernzuhalten. Das Ziel ist, die Attacken direkt beim Angreifer abzufangen und nicht erst innerhalb der Infrastruktur des Online-Business - denn dann ist es im Zweifelsfall schon zu spät.

2. Die Medienvielfalt

Live-Video-Streams von Großereignissen im Web ziehen ein immer größeres Publikum an und im gleichen Zuge steigt die Qualität der Übertragung. Eine Analyse der Daten von Web-Video-Übertragungen bei Events wie der vergangenen Olympiade in London kann Broadcast-Unternehmen dabei helfen, den Einsatz von Kapazitäten für das nächste Ereignis zu planen.

Heute findet Media-Analyse in Echtzeit statt. Broadcast-Unternehmen können genau nachvollziehen, von wo in der Welt aus Nutzer auf die Videos zugreifen. Zudem können sie Daten darüber erheben, wie oft die Videos angeschaut werden und Echtzeitentscheidungen im Hinblick auf Kodierungsraten und Streaming-Qualität treffen.

Zusätzlich ist es möglich, das Maß der Interaktion des Online-Nutzers sowie die Popularität des Inhaltes zu messen. Und es lassen sich Stream-Schwankungen beobachten oder die Auswirkungen von Puffern und Video-Startzeiten auf die Abbruchrate nachvollziehen.

Nutzer zeigen keine Toleranz gegenüber Latenz

In einer Big-Data-Studie zur Video-Qualität, die Akamai kürzlich durchgeführt hat, wurden 23 Millionen Video-Aufrufe analysiert. Dabei zeigte sich ganz klar, wie stark bereits Videos, die lediglich zwei Sekunden zum Starten benötigen, die Abbruchrate in die Höhe treiben.

Selbst ein wiederholtes Puffern von 1 Prozent kann zu einem fünfprozentigen Rückgang des Videokonsums führen – der Verlust für wiederholtes Abspielen der Videos ist sogar noch höher. Diese Informationen sind sehr wertvoll, denn der Markt für die Monetisierung von Online-Video nimmt rapide zu.

3. Mobilität der Nutzer und der Devices

Studien zeigen, dass der Durchschnittsverbraucher in den nächsten drei Jahren mehr als fünf Internet-fähige Geräte haben wird: Smartphones, PCs, Tablets, Spielekonsolen und Appliances.

Bei einer rapide steigenden Anzahl an Geräten, über die Nutzer auf das Internet zugreifen, müssen Unternehmen verstärkt darauf achten, dass sie ihren Kunden ein gleichbleibend gutes Erlebnis bieten. Voraussetzung dafür ist, dass sie die Bereitstellung von Inhalten genau auf das Gerät, den Standort, den Browser-Typ sowie die Anforderungen des jeweiligen Verbrauchers abstimmen. Diese „situational performance“, also die an die ganz spezifische Situation angepasste Performance-Optimierung, markiert den Wechsel vom einfachen Bereitstellen einer Website hin zur Schaffung eines echten Web-Erlebnisses.

Die Herausforderungen im Zusammenhang mit Mobile Computing mögen für manches Online-Business erdrückend erscheinen. Mit aussagekräftigen Daten zum Nutzer und zu den Netzwerkverhältnissen sind jedoch die Voraussetzungen geschaffen, dem Verbraucher immer und überall ein hochperformantes Web-Erlebnis zu bieten.

4. Neues Geschäftsgebaren

Der Autor Michael Heuer sieht vier Chancen und Herausforderungen zugleich in Bezug auf Big Data.
Der Autor Michael Heuer sieht vier Chancen und Herausforderungen zugleich in Bezug auf Big Data.
(Bild: Akamai)
Die Parameter, unter denen ein (potenzieller) Kunde auf einen Webshop zugreift, sind an Vielfalt kaum zu überbieten: mit einem Tablet über WiFi-Zugang, unter Verwendung eines Safari-Browsers und iOS-Betriebssystems, mit einem PC über Ethernet und Chrome-Browser, mit einem Android-Smartphone über 4G LTE, Client-Applikation und Datenauslieferung per HTTP. Für Webshop-Besucher aber ist es wichtig, dass sie ein uneingeschränktes Nutzungserlebnis haben und sie die Website des Online-Retailers aufrufen können – egal, ob sie sich gerade in ihrer Küche oder im Ladengeschäft aufhalten.

In naher Zukunft werden Kunden auf ihr Smartphone digitale Coupons geschickt bekommen, die berücksichtigen, in welchem Gang des Geschäfts sie sich momentan aufhalten und wie ihre bisherige Interaktion mit dem Händler war. Aussagekräftige Daten sorgen dafür, dass Einzelhändler besser in Kontakt mit ihren Kunden treten und sie mit relevanten Angeboten ansprechen können. Am erfolgreichsten werden diejenigen Lösungen sein, die dies am besten unterstützen.

Der Autor:

Michael Heuer ist Vice President und Country Manager Central Europe bei Akamai.

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