Gartner bestätigt Trend zu Open-Source-Produkten Bewegung bei den relationalen Datenbanken

Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Ulrike Ostler

Die Verhältnisse am Markt für Datenbank-Managementsystem (RDBMS) bleiben im Umbruch. Das Marktforschungsunternehmen Gartner sieht in seinem neuesten „Magischen Quadranten“ für Datenbanken vier Open-Source-Vertreter in der Spitze mitmischen.

(Bild: Ludger Schmitz / BY 3.0)

Das also ist die Elite auf dem Datenbankmarkt, jedenfalls nach der Beurteilung von Gartner im neuen „Magic Quadrant for Operational Database Management Systems“: An der Spitze der Bewertung nach „Ability to Execute“ und „Completeness of Vision“ findet sich Microsoft knapp vor Oracle. Mit etwas mehr Abstand folgen das Datenbankangebot von Amazon Web Services sowie IBM und SAP.

Aus Herausforderern werden "Leader"

Doch im „Leader“-Feld finden auch noch zwei Anbieter aus der Open-Source-Welt: MongoDB, eine dokumentenorientierte NoSQL-Datenbank, und EnterpriseDB. Dieses Unternehmen steht hinter dem relationalen DBMS Postgres und bietet dafür Erweiterungssoftware sowie Support, Services und Schulungen an. Nach dem Kriterium „Ability to Execute“ nennt Gartner auch noch MariaDB, eine Fortentwicklung von MySQL, und die Firma Percona genannt. Letztere unterstützen sowohl MariaDB als auch MySQL, das bei Oracle ein Schattendasein führt. MariaDB und Percona liegen im Feld der „Challengers“.

Es ist das zweite Mal, dass Gartner Open-Source-Datenbanken hoch bewertet. Erstmals hatten die Marktforscher 2014 im Magischen Quadranten für Datenbanken den Open-Source-Vertretern eine ähnlich hohe Bewertung eingeräumt. Damit korrigierte Gartner eine Bewertung aus dem Jahr 2009, welche den jungen Alternativen noch einige Defizite bescheinigt hatte.

Empfehlungen von Gartner

Endgültig im April 2015 hatte Gartner die Beurteilung der Open-Source-Datenbanken komplett revidiert. Damals erschien eine Studie „The State of Open-Source RDBMS, 2015“ mit dieser Einschätzung: „Relationale DBMS (RDBMS) auf Open Source-Basis sind zu sehr ausgereiften Lösungen geworden und können heute von IT-Leitern, Datenbank-Administratoren und Leitern der Applikationsentwicklung als eine Standard-Infrastruktur für die allermeisten neuen Anwendungen im professionellen Unternehmenseinsatz angesehen werden.“

Der Gartner-Report vom April sprach folgende Empfehlung aus: „Ein Open Source RDBMS sollte den Standard-RDBMS eines Unternehmens für neue Aufgaben hinzugefügt werden, und als Ersatz für ein kommerzielles RDBMS, wenn es selbst sowie spezifische Funktionalitäten nicht benötigt werden.“ Diese Empfehlung hat den Hintergrund einer Prognose von Gartner: „2018 werden 70 Prozent der In-house-Anwendungen auf einem Open-Source-DBMS entwickelt. Und 50 Prozent der bestehenden kommerziellen RDBMS-Instanzen werden migriert oder in der Migration sein.“

Es versteht sich, dass die Anbieter von Open-Source-Datenbanken erfreut sind, mit der Beurteilung im neusten Magic Quadrant von Gartner sehr zufrieden sind. MariaDB stellte sogleich fest, im Kriterium „Ability to Execute“ von allen relationalen Open-Source-Datenbanken die beste Bewertung zu haben und verwies darauf, dass die hoch bewerteten Amazon WS „Relational Database Service (Amazon RDS) for MariaDB“ anbietet.

Dauerhafte Topnoten bestätigen die Transformation

„Der Markt hat gesprochen. Entwickler, Systemarchitekten, DBAs und jetzt auch CIOs und CFOs haben ihre Präferenz und ihren deutlichen Bedarf an Open Source-Datenbanklösungen zur Unterstützung ihrer wichtigsten Anwendungen geäußert“ sagte Ed Boyajian, CEO von EnterpriseDB. „Wir sehen durch unsere dauerhafte Platzierung im Gartner Magic Quadrant die Bedeutung dieser Transformation bestätigt.“

Während MariaDB sich vor allem (aber nicht nur) um die Ablösung von MySQL bemüht, das Oracle nur als Open-Source-Lockmittel zu seiner „großen“ proprietären Datenbank „pflegt“, zielt EnterpriseDB gleich gegen die Cash-cow. Ohne den in der Open-Source-Welt mit mehr als Misstrauen bedachten Datenbankriesen zu nennen, erklärt EnterpriseDB-CEO Boyajian: „EDB Postgres ist die erste Wahl für eine relationale Datenbanklösung auf Open Source-Basis, wenn man sich von den Investitionszwängen der großen Anwender traditioneller Lösungen befreien will.“

Oracle bietet Angriffspunkte

Hoffnung macht beiden Unternehmen, EnterpriseDB wie MariaDB, dass Oracle immer restriktivere Lizenzbedingungen und Kontrollen nutzt, insbesondere was die Nutzung der proprietären Datenbank in virtuellen Umgebungen und Multiprozessor-Clustern angeht. Es geht um Gewinnmaximierung – auch die zurückhaltende Entwicklung von MySQL soll Anwender zur Nutzung der proprietären Oracle-Datenbank bewegen.

NoSQL-Konkurrenz klein halten

Gleichzeitig versuchen die Anbieter relationaler Open-Source-Datenbanken ihr traditionelles Feld gegen die Konkurrenz aus dem NoSQL-Lager zu verteidigen. MariaDB kommt aus der langen und unglücklichen MySQL-Geschichte. EnterpriseDB besteht seit fast zwölf Jahren und war immer mit Postgres verbunden. Beide Unternehmen konzentrieren bedeutende Teile ihrer Entwicklungsarbeiten an den Datenbanken auf deren Fähigkeit, unstrukturierte Daten zu verarbeiten.

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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