HOSTING & SERVICE PROVIDER SUMMIT 2015 wirft seine Schatten voraus Beirat Blatz: „Ein verteiltes Rechenzentrum aus Gründen der Sicherheit“

Autor / Redakteur: Kriemhilde Klippstätter / Ulrike Ostler

Matthias Blatz, geschäftsführender Gesellschafter der Heidelberg iT Management GmbH & Co. KG, hat das „verteilte Rechenzentrum“quasi erfunden. Es bietet seinen kleinen und mittelgroßen Kunden Sicherheit, die sich sonst nur Großfirmen leisten. Im Interview erläutert er das Konzept - vom Stromverbrauch bis Virtualislierung und Backup.

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Matthias Blatz, geschäftsführender Gesellschafter von Heidelberg iT Management hat das verteilte Rechenzentrum „erfunden“. Das Konzept wird derzeit erweitert.
Matthias Blatz, geschäftsführender Gesellschafter von Heidelberg iT Management hat das verteilte Rechenzentrum „erfunden“. Das Konzept wird derzeit erweitert.
(Bild: Heidelberg iT Management)

Seit vielleicht einem halben Jahr geistert der Begriff „verteiltes Rechenzentrum“ durch die Fachmedien.

Was ist ein verteiltes Rechenzentrum?

Matthias Blatz: Die Idee ist tatsächlich neu. Die Ausgangsfrage war, was ist sinnvoller: Mehr Sicherheit in das Rechenzentrum zu stecken durch Aufbau von mehr Redundanzen - die eh schon vorhanden sind - oder wie kann man höhere Verfügbarkeit darstellen zu einem wirtschaftlich sinnvollen Betrag?

Also die Grundidee war, mehr Sicherheit zu schaffen?

Matthias Blatz: Ein Standort kann so sicher sein wie er will, wenn er abgeschnitten wird, dann steht er nicht mehr zur Verfügung.

Das ist aber doch kein neues Konzept, Spiegelrechenzentren haben sich doch schon lange eingebürgert.

Matthias Blatz: Für Konzerne und Großunternehmen schon, aber deren Konzepte funktionieren bei Mittelständlern und kleinen Unternehmen eben nicht, da diese Architekturen für Mittelständer oft wirtschaftlich nicht darstellbar sind. Wir bieten aber genau diese Lösung dem kleinen Mittelständler als Service an.

Was meinen Sie?

Matthias Blatz: Wir bieten unseren Kunden eine Aufteilung ihrer IT/ITK-Systeme auf unterschiedliche Standorte an und sorgen für die Kommunikation untereinander (dediziert und Protokolle unabhängig). Auf Grund der räumlichen Nähe und der von uns vorhandenen Infrastruktur ist unsere Lösung selbst für kleine Unternehmen attraktiv.

Ein wichtiger Aspekt.

Matthias Blatz: Der Kosten-Nutzen-Effekt ist dann am besten, wenn die RZs zentral und nah beieinander liegen. Oft geht es auch nicht anders, wenn der Anwender zum Beispiel auf schnelle Antwortzeiten angewiesen ist, dann sollte das zweite Rechenzentrum nicht unbedingt Hunderte von Kilometer weit weg liegen.

Wie haben Sie das für Ihre Kunden gelöst, Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und reibungslosen Betrieb unter einen Hut zu bekommen?

Das Konzept für "verteilte Rechenzentren", wie es Heidelberg iT Management für kleine und mitteständische Unternehmen anbietet und umsetzt.
Das Konzept für "verteilte Rechenzentren", wie es Heidelberg iT Management für kleine und mitteständische Unternehmen anbietet und umsetzt.
(Bild: Heidelberg iT Management)

Matthias Blatz: Unser Konzept ist ganz neu und gerade im Aufbau. Im Prinzip besteht unser verteiltes Rechenzentrum aus einem Cloud-Rechenzentrum, das aber in Wirklichkeit aus verschiedenen Rechenzentren und Server-Räumen besteht, die auf verschiedene Lokalitäten in Heidelberg verteilt sind. Die Standorte sind mit Glasfaser verbunden, so dass unterschiedliche Dienste – nicht nur über das Internet - angeboten werden können.

Wie ist die Idee dazu entstanden, einfach aus der Erweiterung der Standorte?

Matthias Blatz: Nein, abgesehen von dem Redundanzgedanken ging es eigentlich darum eine Möglichkeit zu finden, wie die Abwärme eines Rechenzentrums sinnvoll genutzt werden kann. Wir haben verschiedene Tests gemacht und viele Lösungen untersucht und eigentlich nur ein Konzept gefunden, das wirklich funktioniert.

Welches?

Matthias Blatz: Die Abwärme ohne jegliche Wandlung, sozusagen verlustfrei, zu nutzen.

Wie sieht Ihre virtuelle RZ-Architektur aus?

Matthias Blatz: Wir haben derzeit in Heidelberg vier Standorte, wovon zwei kleinere Lokalitäten sind, die aber in den kommenden zwei Jahren erweitert werden sollen. Die nächsten Server-Räume werden da entstehen, wo in der Nachbarschaft Wärme gebraucht wird.

Also der Klassiker, das Schwimmbad, das von der RZ-Abwärme beheizt wird?

Matthias Blatz: Bei uns ist wird es eine neue Sporthalle sein.

Da wird aber dann die Abwärme nicht umgewandelt sondern einfach in die Halle geblasen.

Matthias Blatz: Genau, eine Umwandlung rentiert sich wegen der Verluste beim Wandel kaum, wenn die Abwärme eines Server-Raumes so um die 30 bis 35 Grad Celsius hat. So planen wir derzeit auch unser neues Rechenzentrum, welches dadurch ohne eigenständige Heizung gebaut werden kann und nur durch die Abwärme der Bürobereiche beheizt wird.

Die Nutzung der Abwärme ist das Eine, die Sicherheit der andere Grund für das neue Konzept des verteilten Rechenzentrums.

Matthias Blatz: Durch die Virtualisierung hat man mehr Möglichkeiten, die Sicherheit zu vereinfachen und zu steigern. Dadurch, dass wir Glasfaserkabel verwenden, können wir für unsere Kunden auch dedizierte Netze aufbauen, bei denen in einem Raum die Haupt-Anwendungsserver stehen und im nächsten Raum beispielsweise die Mail-Server. Im dritten Raum kann dann das Backup für beide Räume stehen, inklusive einer kompletten Spiegelung der virtuellen Server.

Es ist also nicht nur ein gespiegeltes Rechenzentrum sondern ein kaskadiertes Rechenzentrum?

Matthias Blatz: Genau, wir bieten alle Varianten an, die der Kunde sich wünscht und bezahlt. Mit unseren Disaster Recovery Lösungen auf Veeam Basis können wir selbst im Disaster-Fall die Systeme innerhalb von weniger als zehn Minuten wieder zu Verfügung stellen, obwohl die Systeme räumlich getrennt sind. Dies funktioniert natürlich nur auf Grund unserer eigenen und direkten Datenautobahn zwischen den Standorten.

Haben Ihre Rechner-Räume auch unterschiedliche Verfügbarkeits-Level?

Matthias Blatz: Ja, da haben wir abgestuft – auch wegen der Preisgestaltung. Wir erfüllen die Sicherheitsstandards bis zum vorletzten Level – auch weil wir da eine etwas andere Sichtweise haben. In unserem Hauptrechenzentrum sind wir seit 2001 online ohne Totalausfall – das können in Deutschland nicht viele von sich behaupten.

Was ist Ihr Geheimnis? Die anderen Betreiber sind ja doch auch Profis, oder?

Matthias Blatz: Ich glaube daran, dass unser Vorteil darin liegt, dass wir alle Leistungen selbst erbringen können und alle Kernkompetenzen in der eigenen Hand haben. Wir haben das gesamte Kern-Know-how im Haus. Natürlich vergeben wir auch Aufträge nach außen, aber das Know-how muss bei uns im Haus bleiben.

Wie muss man sich das vorstellen?

Matthias Blatz: Wir haben eigene Verfahren entwickelt, um unsere Systeme, wie zum Beispiel unsere USV-Anlagen zu testen, ohne dass wir auf Grund zu hoher Spannungsdifferenzen den Ausfall einzelner Systeme befürchten müssen. Diesbezüglich haben wir auch eigene Mindeststandards definiert, die zusätzlich für eine erhöhte Verfügbarkeit sorgen.

Dann müssen Sie aber permanent alle Eingangsgrößen messen.

Matthias Blatz: Das machen wir auch. In Zukunft werden wir nicht nur bei den Anbindungen und am Server-Schrank sondern an jedem Server den Stromverbrauch messen, auch um die Kosten weiter berechnen zu können. Die Stromkosten sind ja in den letzten Jahren enorm gestiegen.

Also, Sie prüfen im Rechenzentrum alle Details ab und optimieren danach.

Matthias Blatz: Ja, beispielsweise nutzen wir Luftbefeuchtung in den Server-Räumen – einfach weil dadurch die Brandgefahr sinkt und das Risiko der elektrostatische Aufladung minimiert wird. Ich glaube, alle Firmen, die ihre Wertschöpfung im Haus haben, sind langfristig am besten dran.

Dabei fordern doch alle derzeit, dass die Wertschöpfungsketten auf Zulieferer und Kunden ausgeweitet werden sollen.

Matthias Blatz: Ja, aber das Know-how für unsere Kernaufgaben muss im Haus bleiben. Zudem ist ja auch Spezialisierung gefragt. Bei uns bedeutet das, dass wir die Applikationen nicht anrühren, da müssen die Kunden beim Softwarehersteller Dienste buchen. Für unser Kerngeschäft ist es aber wichtig, dass wir selbst Internet-Service-Provider sind, damit wir unseren Kunden sofort helfen. Wenn ihre Server beispielsweise auf einer Black-List gelandet sind, können wir selbst nicht nur bei der Löschung der Einträge auf den entsprechenden Black-Lists unterstützen, sondern wir können den Server andere IP-Adressen vergeben, sodass diese schnellst möglichst wieder erreichbar sind.

Wie weit reicht Ihr Radius in der Region?

Matthias Blatz: Wir haben weltweite Kunden, inklusive das Militär in einzelnen Projekten. Der Fokus liegt aber auf Betrieben, die ihre Firmenzentrale unter einer Stunde Fahrzeit entfernt von uns haben und deren Anbindung via Glasfaser oder Funk wirtschaftlich darstellbar ist.

Spielt der Standort in puncto Sicherheit auch eine Rolle?

Matthias Blatz: Natürlich. Nehmen Sie zum Beispiel Frankfurt, wo die Einflugschneise direkt über so manchem Rechenzentrum liegt. Oder drohende Gefahrenquellen in den Innenstädten durch Fliegerbomben aus dem zweiten Weltkrieg, Hochwasser …

... da ist Heidelberg aber auch nicht gefeit vor…

Matthias Blatz: … doch, auf Heidelberg ist nachweislich nur eine Bombe gefallen – und die auch nur aus Versehen.

HOSTING & SERVICE PROVIDER SUMMIT 2015

Matthias Blatz gehört zu dem elitären Kreis an Partnern der Vogel IT-Akademie, die mit ihr und den Fachportalen DataCenter-Insider sowie CloudComputing-Insider, plus dem Channel-Magazin IT-Business die Veranstaltung Hosting & Service Provider Summit 2015 planen (siehe: Video). In diesem Jahr wird die Veranstaltung für und mit Hoster sowie Managed Service Provider am 21. und 22. Mai in Frankfurt am Main stattfinden, in der Villa Kenndy.

Sie können sich bereits anmelden, aber auch noch – bis zum 20. Februar 2015 – unter "Call for Speaker" an der Themenwahl beteiligen.

* Kriemhilde Klippstätter ist freie Autorin und Coach in München.

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