Twin Data Center mit Sicherheitsstufe 4 plus sozialem Kern Bei Akquinet heißt es Cloud statt Outsourcing

Autor Sarah Gandorfer

Soziales Engagement gehört bei Akquinet genauso zur Tagesordnung wie IT-Dienstleistung. Über ein Drittel des Umsatzes macht das Systemhaus mit dem Linux-Distributor Red Hat. Jetzt kann das Unternehmen Services aus brandneuen Rechenzentren bieten.

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Martin Weber, Geschäftsführer bei Akquinet
Martin Weber, Geschäftsführer bei Akquinet
(Bild: Akquinet)

Wenn man Akquinet mit einem Satz beschreiben muss, dann hört sich das bei Martin Weber, Geschäftsführer bei Akquinet, so an: „Wir entwickeln Individual-Lösungen aber auch Standard-Software – SAP, 'Microsoft Navision' – für unsere Kunden und betreiben diese in unseren Rechenzentren.“

Das Unternehmen umfasst rund 550 Mitarbeiter, die auf ein Dutzend Standorte verteilt sind, davon einer in Österreich und einer in Polen. Der Hauptsitz ist in Hamburg. Weber arbeitet von Berlin aus. Die Kunden kommen aus der ganzen Welt. Das liegt unter anderem daran, dass eines der Spezialthemen des IT-Dienstleisters ein Administrationssystem für die Container-Industrie in der Hafenlogistik ist. Neben der Logistik-Sparte hat Akquinet den Schwerpunkt auch auf die Branchen Versicherung / Finanzen, den Öffentlichen Sektor, Health Care sowie Maschinen und Anlagenbau gelegt.

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Höchste Sicherheitstufe

Die Rechenzentren von Akquinet sind Level-3-zertifiziert. Die beiden neuen Rechenzentren (Twin Data Center) in Hamburg und Norderstedt kommen im Doppelpack genommen sogar auf die höchstmögliche Sicherheitsstufe Level 4 nach TÜViT. In Deutschland betreibt bisher nur IBM ein Level-4-Datacenter.

Die neuen Rechenzentren haben eine fast identische Infrastruktur und sind angelegt für gegenseitiges Backup. Es wurden besondere Sicherheitsvorkehrungen für beide Gebäude geschaffen, die möglichen Ausfällen durch Schäden, Angriffe oder menschliches Versagen vorbeugen sollen. Alle Sicherheitssysteme existieren in jedem der beiden Gebäude doppelt und völlig unabhängig voneinander.

Dazu zählen die USV-Systeme, Batterien für den Pufferbetrieb, Dieselaggregate für Ersatzbetrieb und das Stickstoff-Brandlöschsystem. Bei einem Stromausfall können sich die Rechenzentren unter Volllast rund 72 Stunden ohne nachzutanken weiter selbst mit Strom versorgen.

Auch der Eintritt von Personen und Waren wird durch ein differenziertes Sicherheitssystem gesteuert. Per Karte gelangen Mitarbeiter und Kunden nur in die Räume, die auch für sie freigegeben wurden. Für IT- und TGA-Mitarbeiter (Technische Gebäude Ausrüstung) wurden völlig getrennte Wegesysteme geschaffen.

Geringer Energiebedarf

Stolz ist Weber außerdem auf den geringen Energieverbrauch der Twin Data Center: Die Gebäude wurden nach den Grenzwerten international anerkannter Standards für den Betrieb energieeffizienter Rechenzentrumskühlung konzipiert. Unter Volllast beträgt der PUE-Wert (Power Usage Effectivness) 1,35. PUE ist ein von der The Green-Grid-Organisation definierter Richtwert.

Er setzt die insgesamt im Rechenzentrum verbrauchte Energie ins Verhältnis zur Energieaufnahme der Rechner. Ein Wert von 1,3 gilt aktuell als Benchmark. Er bedeutet, dass „nur noch“ 30 Prozent der eingesetzten Energie uneffizient verbraucht werden. Zum Vergleich: Für durchschnittliche moderne Rechenzentren sind PUE-Werte zwischen 1,5 und 1,8 gute Benchmarks.

Open Source als Grundlage

„Wir sind auf dem Weg vom klassischen Outsourcer zum Cloud-Anbieter. Einer für Geschäftskunden, der eine Palette von Diensten von Infrastruktur bis Software im Portfolio hat“, führt Weber aus. „Dabei entscheidet der Kunde, ob er einen Teil seiner Infrastruktur als hybride Cloud auslagert oder ob er nichts mehr bei sich im Unternehmen betreiben möchte und alles zu uns verlegt in eine nur für ihn geschaffene Cloud – also eine Private Cloud. Anders als bei einer Public Cloud bei Amazon.“

Dabei setzt Akquinet auf Open Source von Red Hat. „Die Lösungen, die wir entwickeln, sind meist geschäftskritisch. Einen offenen Code haben viel mehr Menschen auf seine Funktionalität geprüft. Zudem garantiert uns der Partner Red Hat, dass die Software getestet ist, und bietet uns bei Problemen Hilfestellung“, erläutert Weber. „Die Standards von Microsoft oder IBM laufen gut in den dazugehörigen Umgebungen der Hersteller. Akquinet ist jedoch ein Verfechter des Best of Breed und arbeitet herstellerübergreifend.“

JBoss heißt die Middleware

So nutzt das Systemhaus sowohl die Linux-Cloud wie auch die „JBoss“-Middelware von Red Hat. Während in der Vergangenheit Open Source genutzt wurde, um bestehende Software zu ersetzten, spielt heute auch der Innovationsvorsprung eine Rolle. Open Source ist in den Augen von Akquinet ein Treiber für Cloud Computing und Big Data. Durch die vielen Entwickler kommen Innovationen oftmals früher auf den Markt als bei proprietärer Software.

Bereits seit acht Jahren arbeitet Akquinet mit JBoss. „Nach der Integration von JBoss in Red Hat 2006 hat sich das Portfolio zunehmend erweitert. Dabei wurde genau auf die Aspekte Wert gelegt, die für unsere Kunden wichtig sind. Zum Beispiel auf den modularen Aufbau und die einfache Integration der Anwendungen in die IT-Architektur“, ergänzt Heinz Wilming, Leiter Competence Center JBoss bei Akquinet.

Es ist zwar schwierig , genau zu sagen, wieviel Umsatz Akquinet mit Red Hat macht, aber Weber versucht es dennoch: „Betrachtet man den gesamten Java-Bereich, beläuft sich der Umatz mit dem Hersteller schon auf ungefähr zehn Millionen Euro im Jahr. Alles, was sich ums Rechenzentrum rankt, in dem Red Hat eingesetzt wird, dürfte um die zwölf Millionen Euro ausmachen. Hinzu kommen beispielsweise auch SAP- Lösungen für Kunden, die auf Red-Hat- Infrastrukturen betrieben werden.“ Den Gesamtumsatz von Akquinet für das noch laufende Geschäftsjahr 2014 prognostiziert Weber auf 60 Millionen Euro.

Integrationskonzept

Akquinet betreibt die vier Rechenzentren als Integrationsbetriebe. Jeder behinderte Mitarbeiter wird gemäß seiner Möglichkeiten eingesetzt. Zudem unterstützt ihn ein gesunder Kollege. Dafür hat der IT-Dienstleister die „Akquinet Outsourcing“ als eine gemeinnützige GmbH gegründet.

Basis bildet hierfür die Nähe zur Stiftung Alsterdorf. Nicht nur im IT-Bereich arbeiten beide Organisation zusammen: Auch Buffets für Kundenveranstaltungen werden von Menschen mit Handicap zusammengestellt und Marketingmaterialien bei „alsterpaper“, dem Druck- und Versandzentrum der Stiftung, produziert.

Automatisierung von Kundenprozessen

Damit Kunden sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können, bietet ihnen Akquinet Beratung und IT-Dienstleistungen. Dazu gehören:

  • Individuelle Lösungen zum Festpreis Machbarkeitsstudien („Proof–of–Concept“)
  • Migrationsunterstützung
  • Performance-Tuning und Optimierung Architekturberatung und Code-Reviews
  • Clustering- und Hochverfügbarkeitslösungen
  • Unterstützung bei der Einführung der Red Hat JBoss Middleware
  • Projektmanagement und Software-Entwicklungsleistungen
  • User Experience Analysen und Beratung
  • Schulungen und Coaching
  • Hosting und Betriebsführungsunterstützung

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