Consumerization verändert die Arbeitswelt Avanade-Studie belegt: Persönliche Endgeräte erobern den Arbeitsplatz

Redakteur: Ulrike Ostler

93 Prozent der deutschen Angestellten nutzen persönliche Smartphones oder Tablet-PCs auch beruflich. Gleichzeitig investieren Unternehmen, um den Trend zu unterstützen.

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Abbildung 1: Die Mitarbeiter nutzen ihre smarten Endgeräte vornehmlich für E-Mails. (Bild: Avanade)
Abbildung 1: Die Mitarbeiter nutzen ihre smarten Endgeräte vornehmlich für E-Mails. (Bild: Avanade)

Für das Systemhaus Bechtle war es ein gutes Jahr, sagt Roland König, Geschäftsführer des Systemhauses und Leiter des Geschäftsfelds Virtulaisierung. So erhielten die Mitarbeiter zum Ende des Jahres einen i-Pad geschenkt. „Zwar könne nicht jeder sofort etwas damit anfange, räumt König ein, doch auf eine längere Sicht werde die intuitive Bedienung des Endgeräts die Arbeitsweise der Mitarbeiter verändern:

Die Verquickung von Beruf und Privatleben nehme ohnehin zu. Bei seiner privaten Umfrage im eigenen Unternehmen habe sich herausgestellt, dass junge Mitarbeiter bis zu 30 bis 40 mal pro Tag in Facebook und anderen sozialen Netzen unterwegs waren.

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Doch umgekehrt könne unter anderem durch die neuartigen Devices immer und überall gearbeitet werden, zumindest in Teilbereichen. Die Überprüfung der E-Mails und die Erledigung der Reisekostenabrechnung unterwegs und zuhause seien typisch. Zudem erschließe die intuitive Bedienung auch IT-Unerfahrenen neue Möglichkeiten und für die Anwerbung junger Fachkräfte sei das hippe Device ein deutlicher Wettbewerbsvorteil.

Die Mitarbeiter nehmen Einfluss

Klar, bietet sich eine solches Device nicht in jedem Unternehmen gleichermaßen unmittelbar an. Und dennoch: „Der Trend, persönliche Geräte am Arbeitsplatz zu nutzen, setzt sich durch.“ Das ist ein zentrales Ergebnis der Studie „Dispelling Six Myths of Consumerization of IT“ von Avanade, ein weltweiter Anbieter von Business-Technologie-Lösungen und Managed Services.

An der globalen Umfrage zu den Mythen dieses IT-Trends, die von Wakefield Research, einem unabhängigen Analystenhaus, im Oktober und November 201 erhoben wurde, haben sich 605 C-Level-Unternehmens- und IT-Verantwortliche beteiligt. Weltweit gaben 88 Prozent der Befragten an, dass ihre Mitarbeiter persönliche IT-Technologien und -Geräte für berufliche Zwecke nutzen würden. Unter den deutschen Studienteilnehmern bejahten dieses 93 Prozent.

Willi Backhaus, Director Workplace Enablement Services ASG bei Avanade, kommentiert: „ Fortschrittliche CIOs und IT-Organisationen haben sich von reinen Verwaltern der Consumer-Technologie zu aktiven Wegbereitern dieser innovativen Geräte, Anwendungen und Dienste gewandelt. So reagieren sie auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter und neue Anforderungen.“

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Die Rekrutierungsstrategie BYOD

Consumerization der IT ermögliche es Unternehmen, die Rolle der IT zu verwandeln – von einer funktionsfokussierten und Risiko-eindämmenden Position hin zu einer strategischen und treibenden Kraft, die den leistungsstarken Umfang heutiger Consumer-Technologien nutze, um den Unternehmenserfolg zu forcieren.

„Bring your own device“ (BYOD) oder „Bring dein eigenes Gerät” soll vor allem junge Mitarbeiter ansprechen und die Attraktivität des eigenen Unternehmens bei neuen Bewerbern erhöhen. Die Avanade-Erhebung belegt aber, dass bislang weniger als ein Drittel (32 Prozent) aller Befragten die Rekrutierungsstrategie zugunsten des BYOD-Trends geändert hat, um jüngere Bewerber zu gewinnen.

Die Nutzung persönlicher Geräte am Arbeitsplatz ist demnach noch kein gängiges Mittel für die Mitarbeiterwerbung oder Mitarbeiterbindung. Bei den deutschen Interviewten sagten 43 Prozent, dass ihr Unternehmen eine neue Rekrutierungsstrategie verfolge und BYOD zur Ansprache junger Bewerber nutze. Insgesamt glauben jedoch nur 20 Prozent aller befragten Führungskräfte, dass persönliche Computing-Technologien Vorteile für Rekrutierung und Mitarbeiterbindung mit sich brächten.

Arbeit gibt es immer und überall

Geht es um die augenscheinlichsten Einflüsse von Consumerization auf ihre Unternehmenskultur, erklärten 58 Prozent aller befragten IT-Verantwortlichen: Der größte Vorteil sei, dass ihre Mitarbeiter überall arbeiten könnten. 42 Prozent sind der Meinung, dass Mitarbeiter gewillter seien, außerhalb ihrer Kernarbeitszeit zu arbeiten.

Unter den deutschen Befragten sagten sogar 57 Prozent, dass Angestellte durch BYOD lieber Überstunden leisteten. Die Hälfte der deutschen Führungskräfte (50 Prozent) sieht die Ortsungebundenheit als größten Vorteil.

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Nicht nur Apple treibt den Trend

Allgemein werden iPhones oder iPads zwar oftmals als Synonyme für die Consumerization genannt, die Avanade-Studie hat aber herausgefunden, dass neben Apple auch andere Anbieter diesen Trend vorantreiben (siehe: Abbildung 4). So geben die Umfrageteilnehmer an, dass die beliebtesten und am häufigsten genutzten Geräte ihrer Mitarbeiter Android-Smartphones (35 Prozent), BlackBerry Smartphones (32 Prozent) und Apple Laptops (26 Prozent) seien. Bei den deutschen Befragten gehören Android-Smartphones mit 54 Prozent zu den beliebtesten persönlichen Arbeitsgeräten der Mitarbeiter, gefolgt von BlackBerry Smartphones (36 Prozent), Windows Tablets (25 Prozent) und Apple iPhones sowie iPads (jeweils 25 Prozent).

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Eine weitere landläufige Annahme lautet, dass derartige Geräte zumeist dazu genutzt würden, E-Mails zu lesen und Soziale Netzwerke aufzusuchen. Die Avanade-Untersuchung stellt fest, dass Mitarbeiter ihre Smartphones und Tablets nicht länger nur für diese inhaltskonsumierenden Aktivitäten verwenden, sondern heute vermehrt berufsrelevante Unternehmensanwendungen nutzen.

Zu den weltweit am häufigsten genutzten Applikationen und Diensten gehören, so die Auswertung aller Antworten, Customer Relationship Management (45 Prozent), Applikationen zur Zeit- und Aufwandmessung (44 Prozent) sowie Enterprise Resource Planning (38 Prozent). Bei den deutschen Umfrageteilnehmern nennen 39 Prozent CRM, 32 Prozent Zeit- und Aufwandanwendungen und 32 Prozent ERP als wichtige Dienste, die mit persönlichen Geräten aufgerufen würden (siehe: Abbildung 6).

Weitere Ergebnisse im Überblick

Obwohl vielfach konstatiert wird, dass Unternehmen die Consumerization der IT nur zögerlich umsetzen, hat die internationale Avanade-Untersuchung herausgefunden, dass sie den Wandel durchaus vollziehen. Und dies auf höchster Führungsebene.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie auf einen Blick:

  • Die große Mehrheit aller Befragten (88 Prozent) sagt, dass Mitarbeiter persönliche Computing-Technologien für berufliche Zwecke nutzten. Dies bejahen 93 Prozent der deutschen Befragten.
  • Die Mehrheit der C-Level-Führungskräfte (65 Prozent) erklärt außerdem, dass die Consumerization der IT eine Top-Priorität in ihrem Unternehmen darstelle. Unter den deutschen Befragten sind es sogar 80 Prozent.
  • Durchschnittlich stellen Unternehmen 25 Prozent ihres IT-Budgets für das Management der IT-Consumerization zur Verfügung. Bei den deutschen Unternehmen sind es durchschnittlich 29 Prozent.
  • Die Mehrheit aller befragten Unternehmen (60 Prozent) passt ihre IT-Infrastruktur an, um die persönlichen Geräte der Mitarbeiter miteinzubeziehen. Unter den deutschen Befragten sind es 63 Prozent.

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