Suchen

Hilfe von fremden Ständen? Ein Kommentar IP-Soft-Manager Kergaßner Auslaufmodell IT-Offshoring

| Autor / Redakteur: Rudolf Kergaßner / Ulrike Ostler

In einer Zeit des Fachkräftemangels vertrauen immer noch etliche Unternehmen auf IT-Offshoring. Das führte in der Vergangenheit zum Erfolg, heute lange nicht mehr.

Firma zum Thema

IT-Know-how und -Schaffenskraft aus fernen Ländern für die eigenen Geschäftsprozesse sind passé, sagt IT-Soft-Manager Kergaßner.
IT-Know-how und -Schaffenskraft aus fernen Ländern für die eigenen Geschäftsprozesse sind passé, sagt IT-Soft-Manager Kergaßner.
(Bild: VBM-Archiv)

Viele Unternehmen, die auf die Auslagerung ihrer IT-Aufgaben in Niedriglohnländer gesetzt haben, sind inzwischen eines Besseren belehrt worden, weil die versprochenen Vorteile wie Kostensenkung, Qualitätsverbesserung oder Geschäftsprozessoptimierung ausgeblieben sind.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass Verantwortliche Koordinationskosten in der Regel deutlich unterschätzen, allein schon aufgrund sprachlicher und kultureller Barrieren. Die bittere Erkenntnis: Offshoring führt vielfach nicht zu Einsparungen, sondern im Gegenteil zu Kostensteigerungen, zum Beispiel durch einen erhöhten Administrations- und Kommunikationsaufwand. Auch der kontinuierliche Anstieg des Lohnniveaus in den klassischen Offshoring-Ländern hat dazu beigetragen, dass der angebliche „Preisvorteil“ zunehmend schwindet.

Auch die angestrebte Qualitätssteigerung bleibt beim IT-Offshoring meist eine Illusion. Überraschend ist das ebenfalls nicht: Entscheidet sich ein Unternehmen bei der Auslagerung von IT-Bereichen oder Geschäftsprozessen für einen Offshoring-Anbieter, dessen Betriebsmodell einzig und allein auf Kostensenkungen ausgelegt ist, können kaum große Qualitätsverbesserungen erwartet werden.

Geschäftsprozessoptimierung in fremden Händen

In der Regel wird nicht einmal die zugesagte Qualität erreicht. Ein Grund hierfür ist, dass Offshoring Services vor allem bei manuell durchgeführten Routinetätigkeiten genutzt werden. Und bei diesen ist die Fehlerrate extrem hoch. Sie liegt bei etwa zehn Prozent.

Nicht zuletzt trägt IT-Offshoring bei den Unternehmen selten zu einer Geschäftsprozessoptimierung bei. Das ist ebenfalls nicht erstaunlich, da es mit Sicherheit nicht die richtige Lösung ist, Leistungsprozesse in kleine Arbeitsschritte zu zerlegen und diese dann über die ganze Welt zu verteilen. Denn der Business-Kontext zu spezifischen Kundenumgebungen geht dabei zu stark verloren.

Insgesamt zeigt sich: IT-Offshoring auf dem Prüfstand kann nicht überzeugen. Unternehmen müssen diesen Weg aber auch nicht einschlagen, denn es gibt Alternativen. Mit neuen IT-Lösungen lassen sich heute gerade die einfachen Routine-Tätigkeiten, die durch Offshoring erledigt werden, automatisiert durchführen. Das kann inhouse oder mit einem Dienstleister in Deutschland erfolgen. Offshoring braucht man dazu nicht.

Die Systeme müssen lernen

Die Lösung sind Expertensystem-basierte, selbstlernende Technologien. Mit ihnen kann ein Großteil der IT-Routine-Tätigkeiten durchgeführt werden, die in der Regel mehr als 60 Prozent aller Tätigkeiten des IT-Personals ausmachen. Die Einsatzfelder solcher Technologien sind nahezu unbegrenzt: sie reichen von Servern und Netzwerken über Betriebssysteme und Datenbanken bis hin zu Middleware-Lösungen und Applikationen.

Typische Anwendungsfälle finden sich in den Bereichen Incident, Change, Release und Problem Management. Der zentrale Vorteil von hochgradig automatisierten Systemen ist die hohe Prozessqualität mit einer Fehlerquote nahe Null – eine Qualität, die IT-Offshoring-Anbieter auch bei hohem Personaleinsatz nicht bieten können. Die folgende Prognose ist deshalb nicht gewagt: IT-Offshoring ist ein Auslaufmodell und wird mittelfristig zum Randthema werden.

Der Autor:

Rudolf Kergaßner, Managing Manager von IPsoft in Deutschland, will mit IPsoft auch hierzulande im Infrastruktur-Management durch IT-Automatisierung im Einsatz von Expertensystemen neue Maßstäbe setzen.
Rudolf Kergaßner, Managing Manager von IPsoft in Deutschland, will mit IPsoft auch hierzulande im Infrastruktur-Management durch IT-Automatisierung im Einsatz von Expertensystemen neue Maßstäbe setzen.
(Bild: IPsoft)
Rudolf Kergaßner ist Managing Director bei IPsoft in Frankfurt am Main.

(ID:37776310)