Modulare Rechenzentren münden im Unternehmenserfolg, sagt IDC Aus gutem Grund: Kein Verzicht auf das eigene Rechenzentrum in Sicht

Redakteur: Ulrike Ostler

Mittelständler in Europa sehen die eigene IT und hier insbesondere das Rechenzentrum als unverzichtbar an, um dauerhaft die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und auszubauen. Diese Erkenntnis gehört zu einer Studie, die das Marktforschungsunternehmen IDC im Auftrag von Rittal erhoben hat.

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Eindeutiges Votum der befragten Mittelstandsunternehmen für das eigene Rechenzentrum.
Eindeutiges Votum der befragten Mittelstandsunternehmen für das eigene Rechenzentrum.
(Bild: Rittal/IDC)

Wirtschaftlicher Erfolg und IT-Ausgaben gehören unmittelbar zusammen. Denn wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen investieren im Schnitt 20 Prozent mehr in ihre IT als Betriebe mit Umsätzen auf gleichem Niveau.

Diese brachte die IDC-Umfrage vom Mai 2014 unter mittelständischen Unternehmen – mindestens 100 Mitarbeiter oder 30 Server im Einsatz – zutage. Befragt wurden 500 CIOs und IT-Leiter in insgesamt 125 Stunden Interview aus Deutschland, Italien, den Niederlanden, Großbritannien und Schweden.

Wichtig dabei: Es handelte sich nicht um Rittal-Kunden. Zusammengefasst finden sich die Ergebnisse in dem Whitepaper „Wachstumsmotor IT: So fördern effiziente Rechenzentren das Unternehmenswachstum“.

Gehören zusammen: Unternehmenserfolg und IT-Invest

Die Aussagen, die einen Bezug von Erfolg und IT-Ausgaben herstellen, dürften Vertriebler in allen Unternehmen jubeln lassen, die IT-Equipment verkaufen. Dazu gehört auch, dass ein Unternehmen im vergangenen Jahr erfolgreich war, sich das direkt auf das IT-Budget auswirkte. 98 Prozent der Organisationen mit steigenden Umsätzen gaben an, ihre Investitionen in die IT zu erhöhen oder auf gleichem Niveau zu halten.

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Gemeint sind alle Ausgaben in die IT: von der Rechenzentrumsinfrastruktur , über aktive Komponenten bis zur Software und Services. Allerdings ist für die meisten das eigene Rechenzentren der Schlüssel zum Erfolg. 93 Prozent der befragten IT-Manager halten ein eigenes Rechenzentrum für wichtig oder sehr wichtig (siehe: Abbildung 2).

Von den befragten Unternehmen, die im vergangenen Jahr ein Umsatzwachstum verzeichneten, betreiben 97 Prozent ihr eigenes Rechenzentrum. Und nur zwei Prozent von den Unternehmen, die weniger für IT ausgaben, sind gewachsen.

Cloud oder Marke Eigenbau?

Public-Cloud-Angebote tragen die Versprechen in sich, den Kunden eine flexiblere und günstigere IT zu ermöglichen als hausinterne Lösungen. Tatsächlich würden die Befragten auch gerne Kapazitäten der Public Cloud nutzen, doch schrecken zwei Drittel vor „Risiken“ zurück (siehe: Abbildung 3). Allerdings sind hier deutlich geografische Unterschiede erkennbar. In Italien und Deutschland zaudert man, in Schweden ist der Zuspruch zur Cloud hoch. Übrigens bei Rittal selbst steckt 90 Prozent der IT in hauseigenen Rechenzentren. Public-Cloud-Angebote werden etwa für das Lieferanten- und Liquiditäts-Management genutzt.

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Gründe für Investitionen in die IT gibt es genügend. Insgesamt 75 Prozent der Befragten erwarten, dass sich die IT durch Mobile Computing und/oder durch Big Data ändern. Drei Viertel sehen, dass sich Big Data auf die Entscheidungsfindung auswirken wird, so Bernd Hanstein, Vice President Product Management IT-Service bei Rittal, und zwar durch automatische Analysen der bestands- und Bewegungsdaten und durch eine größere Treffsicherheit durch das Durchforsten großer und bisher ungenutzter Datenmengen. „Die Unternehmen wollen, dass neue IT-Systeme helfen, die eigene Marktposition zu stärken“, bringt es Hanstein auf den Punkt.

Fernerhin spielt für die Unternehmen, aber auch für Rittal, so Executive Vice President Dirk Miller, Industrie 4.0 und das Internet of Things (IoT) eine maßgebliche Rolle. „Das ist auch volkswirtschaftlich eine Größe“, sagt er, und verweist auf eine Prognose des Branchenverbands Bitkom und des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO zur Bruttowertschöpfung im deutschen Maschinen- und Anlagenbau.

Die wesentlichen Treiber für IT-Investitionen

Demnach betrug die Wertschöpfung im Jahr 2013 rund 77 Milliarden Euro. Durch IoT und Cyber-physischer Systeme in die Fabriken könnte sich dieses bis zum Jahr 2025 auf rund 100 Milliarden Euro erhöhen. „Jedenfalls haben auch unsere Schaltschrank-Kunden immer mehr Fragen bezüglich IT“, sagt Miller.

Dirk Miller bekleidet bei der Rittal GmbH & Co. KG die Position des Executive Vice President Marketing.
Dirk Miller bekleidet bei der Rittal GmbH & Co. KG die Position des Executive Vice President Marketing.
(Bild: Heiko Meyer/Rittal)

Tatsächlich zeige sich das auch insgesamt in der Nachfrage beziehungsweise im Bedarf an IT-Infrastruktur. Während das traditionelle Geschäft um 1 bis 4 Prozent wachse, betrage das Wachstum im IT-Umfeld 6 bis 10 Prozent.

Daran ändere auch beispielsweise die Virtualisierung nichts. Vor fünf, sechs Jahren, erinnert sich Miller, seinen tatsächlich die genutzten Rechenzentrumsflächen geschrumpft und der Bedarf an Servern kurzzeitig zurückgegangen. „Doch wir löschen ja nichts“, sagt er und längst sorge die Verdopplung des Datenvolumens alle 18 Monate für immer größeren Bedarf.

Die RZ-Ausstattung ist zu alt

Außerdem gibt es eine Wechselwirkung mit neuer Technik. So gibt es jedes halbe Jahr eine neue Generation von Smartphones. Alle drei bis vier Jahre, tauschen Unternehmen, so auch Rittal Server und Storage aus. Die Kühlung ist nach 10 Jahren veraltet und auch die Datenkabel schaffen das Volumen nicht mehr.

Dennoch sind die Rechenzentren, nach denen IDC die Studienteilnehmer gefragt hat, im Schnitt sieben Jahre alt. Also stehen sie kurz- und mittelfristig vor der Notwendigkeit, ihre Datacenter zu modernisieren, komplett neu zu bauen oder Angebote wie Co-Location zu nutzen.

Letzteres sei insbesondere für Betreiber von kleinen Rechenzentren eine Frage; denn während sich in großen Rechenzentren Skaleneffekte positiv auswirkten, werde der prozentuale Aufwand, den sie für Kühlung, Stromversorgung und Datenanbindung treiben müssen immer höher, führt Miller aus.

Das Datacenter ist ein Kühlschrank!

Doch insgesamt sind die Rechenzentren nicht mehr auf dem neusten Stand und das obwohl moderne Infrastrukturen dazu beitragen, die laufenden Betriebskosten zu senken und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Produkt-Manager Hanstein macht das am Beispiel der Kühlung fest. In den jetzigen Rechenzentren ist es zu kalt.

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Im Schnitt fände man eine Temperatur von 15,5 Grad vor – in den Niederlanden sind es durchschnittlich 13,5 Grad und in Deutschland 18,4 Grad. „In asiatischen Ländern findet man sich oft in einem Kühlschrank wieder“, weitet Hanstein die Sicht aus. Zur Info: Die Organsisation Ashrae empfiehlt derzeit einen Rechenzentrumsbetrieb bei 27 Grad und manche Hersteller erlauben im erweiterten Ashrae-Betrieb 40 Grad. „In einem modernen Rechenzentrum, muss man auf der kalten Seite schwitzen“, sagt Hanstein.

Somit ergibt sich in diesem Bereich laut IDC ein enormes Einsparpotenzial. Anstatt etwa komplette Räume zu kühlen, sei es deutlich effizienter, mit direkter Kühlung im Rack oder in einzelnen Gängen zu arbeiten. Dadurch sei eine höhere Gesamttemperatur im Raum zulässig und die Kosten für die Kühlung sänken.

Das Rechenzentrum verschwendet Energie

So ist es auch kein Wunder, dass zwei Drittel der befragten Unternehmen im Datacenter lediglich einen PUE-Wert von über 2,0 vorweisen können (PUE = Power Usage Effectiveness). Der PUE-Wert setzt die im Rechenzentrum verbrauchte Energie ins Verhältnis zur Energie-Aufnahme der Rechner: Je näher der PUE-Wert der Zahl 1 kommt, desto effizienter arbeitet das Rechenzentrum.

Bei einem Wert über 2,0 werden für jede Kilowattstunde Strom, die von den IT-Geräten verbraucht wird, also nochmals über eine Kilowattstunde für die Kühlung und die weitere Gebäude- und Anlagentechnik verbraucht. Industrieweit allerdings gilt ein PUE-Wert von 1,4 als ausgezeichnet, während große IT-Dienstleister mit optimierten Anlagen auch Werte von 1,2 oder weniger erreichen.

Allerdings spielt auch eine uniforme Ausstattung eine große Rolle. Selbst in großen Rechenzentren, etwa der Telekommunikationsbranche fehle das, so Hanstein. Das gebe es Cisco-Switches, die von der Seite gekühlt werden müssen, Server, die den Durchzug von vorne nach hinten benötigen, und SD-System, die Luft von unten brauchen. „Das alles ist verschwendete Energie.“

Redundanz ist unverstanden

Und Energie kostet, kostet immer mehr. „Deshalb müssen die Unternehmen Energie sparen“, so der Produkt-Manager. Doch noch wesentlich mehr Aufmerksamkeit bekommt das Thema Verfügbarkeit (siehe: Abbildung 4). „Sehen Sie das Rechenzentrum als eine Maschine. Funktioniert sie nicht, ist sie nutzlos“, erläutert Hanstein.

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Die IDC-Studie besagt jedoch, dass bestehende Redundanzkonzepte ebenso oft veraltet und nicht zuverlässig genug sind, um das hohe Maß an Verfügbarkeit zu gewährleisten, das Kunden im heutigen wettbewerbsintensiven Marktumfeld erwarten. So fragten sie viele bei der Wahl von USV-Anlagen, ob es genüge, den A-Pfad zu schützen, berichtet Hanstein und gibt gleich die Antwort: „Nein.“ Denn die Anlagen fangen heute auch sämtliche Stromschwankungen ab. „Bleibt der B-Pfad ungeschützt, gehen sämtliche Störungen bis zum Netzteil der IT-Geräte durch.“

Tatsächlich befinden24 Prozent der befragten IT-Administratoren ihre redundanten Infrastrukturen als wichtigsten Bereich, der modernisiert werden muss. Insgesamt schätzen nur 46 Prozent der IT-Experten die Zukunftsfähigkeit der eigenen IT mit sehr hoch ein. Immerhin ist die Mehrzahl (79 Prozent) der IT-Entscheidungsträger der Ansicht, dass keine der abgefragten Herausforderungen unlösbar sei.

Das modulare Rechenzentrum macht es richtig

Ein Heilmittel für eine effiziente Modernisierung sind so genannte modulare Rechenzentren. Dieses Konzept, so IDC, unterstütze die Anforderung von Unternehmen nach mehr Agilität und Skalierbarkeit. So lassen sich kürzere Produktlebenszyklen, die Inbetriebnahme neuer Systeme oder die Implementierung neuer Vorschriften rasch umsetzen.

Bernd Hanstein ist Vice President Product Management IT Solutions bei Rittal.
Bernd Hanstein ist Vice President Product Management IT Solutions bei Rittal.
(Bild: Rittal)

Allerdings: Kennen viele, sehr viele IT-Manager und CIOs diese Vorteile nicht und lediglich 6 Prozent setzen Rechenzentrums-Module ein. Zugleich verzeichnet das Marktsegment laut IDC in den vergangenen Jahren ein Wachstum im zweistelligen Bereich. In der Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) wurden Investitionen im Wert von dreistelligen Millionenbeträgen getätigt.

Neu sind diese Konzepte nicht. Das wohl bekannteste Modul ist das Rechenzentrum im Container; Microsoft betreibt in Chicago ein Rechenzentrum mit vielen Containern. Die Adaption und Innovation modularer Bauweisen bringe Unternehmen Patente auf Rechenzentrumsarchitekturen ein, die man damit zunächst kaum in Verbindung bringen würde, so Hanstein. „Amazon und Facebook zum Beispiel halten Patente auf Datacenter-Architekturen.“

Vordergründige Ziele führen in die Irre

Schuld an dem mangelnden Interesse und somit Know-how über die Vorteile von RZ-Modulen sei aber auch das vergleichsweise einseitige Interesse am Faktor Kosten. „Das hat uns überrascht“, sagt Hanstein; denn die Effizienz der Module, weil vorgedacht, standardisiert, dokumentiert, konfiguriert und schlüsselfertig montiert, müssten eigentlich eine viel größere Rolle spielen.

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Chris Ingle, Vice President, IDC, ergänzt: „Die vorkonfigurierten Module oder Container können im Vergleich zu einem herkömmlichen Rechenzentrumsneubau zudem kostengünstiger sein und lassen sich innerhalb weniger Wochen einrichten.“

Allerdings gibt es noch ein paar mehr Stolpersteine. So besteht etwa ein „Ri-Matrix-S“-System von Rittal aus mindestens sechs Racks. Benötigt ein Mittelstands-RZ weniger, muss es das System dennoch komplett anschaffen, aber nur zum Teil füllen. Die Anschaffung kann sich zwar trotzdem lohnen, aber nur wenn der Betreiber seinen künftigen Bedarf kennt und ein neues Rechenzentrum in Betrieb nehmen will. Für den Mittelstand und Behörden aber, stellt sich, wie auch die Rittal-Manager sagen, eher die Frage nach Co-Location oder Cloud.

Module taugen nicht für jeden

Außerdem können die IT-Hersteller, wie schon bei der Kühlung gesehen, einen Strich durchs Kalkül machen. So erlischt etwa die Garantie, wenn ein Natapp-System nicht in seinem angestammten Schrank bleibt.

Schließlich ist ein standardisiertes System nicht für alle Lasten geeignet. Explizit nennt Hanstein das High Performance Computing (HPC). „Das funktioniert nur in einem begrenztem Umfang“, sagt er. Datenlast sowie Strom- und Kühlbedarf sind zu hoch.

Rittal wolle es seinen Kunden jedoch einfach machen. Zum einen biete der Hersteller die Möglichkeit einer physikalischen Bedarfsanlayse an, die es Kunden und RZ-Beratern erlaube RoI-Vergleiche und Gegenrechnungen anzustellen, und zum zweiten biete das Unternehmen die mit deutscher Gründlichkeit vorgenommenen Messungen an. Zum Beispiel: Wie hoch ist der PUE bei 32 Grad Außentemperatur und 40 Kilowatt Bedarf?

„Wir sind der einzige Hersteller, so die Rittal-Manager Miller und Hanstein, der PUE-Werte versprechen kann.

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