HSP Summit 2016

Auch Kleine können Amazon Paroli bieten

| Autor: Michael Hase

Laut Ditlev Bredahl ermöglicht der OnApp-Marktplatz auch regionalen Hostern nahezu unbegrenzte Skalierbarkeit.
Laut Ditlev Bredahl ermöglicht der OnApp-Marktplatz auch regionalen Hostern nahezu unbegrenzte Skalierbarkeit. (Bild: OnApp)

„Gemeinsam sind wir stark!“ – Nach diesem Prinzip fasst Ditlev Bredahl mit der OnApp Federation weltweite Cloud-Ressourcen zusammen. Der Entrepreneur, Keynote-Speaker auf dem Hosting & Service Provider Summit 2016, erläutert sein Marktplatzkonzept.

Vor welchen Herausforderungen stehen Hosting-Provider heute?

Ditlev Bredahl: Das traditionelle Hosting-Modell hat für die Industrie über viele Jahre extrem gut funktioniert. Aber was sich lange bewährt hat, funktioniert heute einfach nicht mehr. Hoster haben ihr Geschäftsmodell auf Preisgestaltung, Support und Verfügbarkeit ausgerichtet. Dann ist jedoch dieser Buchladen – Amazon – auf dem Hosting-Markt aufgetaucht und den anderen enteilt, indem er sich auf Produktumfang, Skalierung und geografische Reichweite konzentriert hat.

Wie kann den Hostern ein globaler Infrastruktur-Marktplatz in dieser Wettbewerbssituation helfen?

Ditlev Bredahl: Unter Wettbewerbsaspekten sind Hoster mit einer großen Herausforderung durch „Mega-Hoster“ konfrontiert – insbesondere durch Amazon Web Services. Kleine, regionale Hoster mit vielleicht nur einem Rechenzentrum oder auch einer Handvoll tun sich sehr schwer, in puncto Skalierung und Reichweite mit den großen Playern zu konkurrieren. Dennoch... Es gibt überall Infrastruktur.

Überall gibt es Rechenzentren, in jeder Stadt auf der Welt. Verbindet man all diese Standorte über einen einzigen Marktplatz, eröffnet sich für jeden Teilnehmer der Zugang zu nahezu unbegrenzter Skalierbarkeit und weltweiten Ressourcen, ohne mit hohem Kapitalaufwand eine eigene Infrastruktur aufbauen zu müssen. Nichts anderes tun wir mit der OnApp Federation.

Ergänzendes zum Thema
 
HOSTING & SERVICE PROVIDER SUMMIT 2016

Sie haben OnApp mit AirBnB verglichen. Das müssen Sie uns erklären!

Ditlev Bredahl: Sowohl bei OnApp als auch bei AirBnB geht es darum, einen Marktplatz für das Infrastrukturgeschäft aufzubauen. In unserem Fall sind es Rechenzentren und Cloud-Infrastruktur. Im anderen Fall sind es Übernachtungsmöglichkeiten und Wohnrauminfrastruktur. Beide Marktplätze verbinden die Anbieter von Infrastruktur mit Menschen, die sie gegen Bezahlung nutzen wollen.

Hierzulande betreiben viele Systemhäuser eigene Infrastrukturen, auf denen sie Managed Services für Kunden bereitstellen. Spielt der IT-Channel eine Rolle im OnApp-Modell?

Ditlev Bredahl: Jeder Service Provider – Systemhäuser eingeschlossen – kann am OnApp-Marktplatz teilnehmen. Wenn man selber Infrastruktur betreibt, kann man sie dort anbieten. Hat man keine Infrastruktur, kann man sie über den Marktplatz beziehen und für eigene Hosting-Services nutzen. Wir bezeichnen das als „Virtual Service Provider“-Modell.

Große Distributoren wie Also, Ingram Micro oder Tech Data haben ebenfalls Cloud-Marktplätze aufgebaut. Sehen Sie darin eine Konkurrenz?

Ditlev Bredahl: Es gibt einen bedeutenden Unterschied zwischen Marktplätzen, die eher Portal- oder Verzeichnisdienste sind, und der Art von Marktplatz, wie wir ihn bei OnApp bauen. Unser Marktplatz, die OnApp Federation, bietet Providern in Echtzeit den Zugang zu Cloud-Ressourcen, die sie einkaufen können, um sie an ihre Kunden weiter zu vertreiben – so wie sie umgekehrt freie Kapazitäten anbieten können.

Für Unternehmen als Hosting-Kunden bedeutet das: Sie gehen zu einem regionalen Provider, bei dem sie regionalen Support, regionale Marktexpertise, Managed Services et cetera bekommen – und erhalten damit zugleich Zugang zu all den weltweiten Ressourcen.

Zur Person

Ditlev Bredahl gründete 2010 in London den Cloud-Marktplatz-Betreiber OnApp, den er seither als CEO leitet. Der dänische Entrepreneur, der sich selbst als Cloud-Revolutionär bezeichnet, war zuvor Geschäftsführer beim britischen Service-Provider UK2 und Online-Direktor beim dänischen Reiseanbieter DTF travel. Von 1995 bis 2003 leitete Bredahl ein eigenes Hosting- und Consulting-Unternehmen, das er schließlich an Sun Microsystems (heute Oracle) verkaufte. Zwischen 1996 und 1999 war er unter anderem als Berater für IT- und Umweltfragen beim EU-Parlament tätig.

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