Neue Chiparchitekturen in Rechenzentren

ARM, Open Power & Co. gegen Intel

| Autor / Redakteur: Filipe Pereira Martins und Anna Kobylinska / Ulrike Ostler

Qualcomm Datencenter-Chips in ARM-Architektur

Als führender Hersteller für Smartphone-Chips musste sich Qualcomm - anders als IBM - um Skaleneffekte bisher keine Sorgen machen. Nachdem Samsung beschlossen hatte, für die eigenen mobilen Endgeräte selbst ARM-Chips zu bauen, musste sich Qualcomm schleunigst nach neuen Absatzmärkten umschauen, und entdeckte das Datencenter. Der erste 24-Core-starke Prototyp eines SoC (system on a chip) von Qualcomm in FinNet-Technologie macht bereits die Runden.

Chiphersteller erhoffen sich einen Boost für den Markt für Datacenter-Technik aus der IoT-Revolution.
Chiphersteller erhoffen sich einen Boost für den Markt für Datacenter-Technik aus der IoT-Revolution. (Bild: Qualcomm)

Technisch gesehen hat Qualcomm mit einem 24-Kern-SoC auf ARM-Basis ein heißes Eisen im Feuer. Qualcomm führt mit einer Low-Power-Charakteristik und adressiert damit primär so genannte Hyperscale-Kunden, zum Beispiel Amazon, Baidu, Facebook, Google und Paypal. Laut Qualcomm eignet sich der 24-Kern-starke ARM-Chip vor allem für Cloud-Workloads im Bereich Big Data, Machine Learning, IaaS (Infrastructure-as-a-Service) und PaaS (Platform-as-a-Service).

Qualcomm arbeitet auch bereits mit Datencenterzulieferern wie Xilinx und Mellanox Technologies, um eine möglichst reibungslose Integration des neuen SoC mit ihren Technologien zu gewährleisten. Mellanox ist ein nordamerikanischer Hersteller von Netzwerkprodukten, der zum bevorzugten Anbieter der US-Regierung und des Pentagons aufgestiegen ist. Xilinx, ein Hersteller von FPGAs (field-programmable gate arrays), möchte programmierbare Chips für spezialisierte Workloads wie Big Data, Machine Learning, IaaS und PaaS beisteuern.

Mehr Performance für Daten

Während der Vorführung des Qualcomm-SoC durch Anand Chandrasekher, Senior-Vizepräsident bei Qualcomm, am 2. Oktober 2015 liefen auf dem Chip unter anderem der LAMP-Stack (Linux, Apache, MySQL und PHP) und OpenStack. „Wir glauben, dass [die Allianz von Xilinx mit Qualcomm und Mellanox] den [Datencenter-]Markt (...) diversifiziert und für verbesserte Performance sorgt“ meint Moshe Gavrielov, der Geschäftsführer von Xilinx.

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Das Fazit der Autoren

Anbieter wie AMD, Cavium, Applied Micro, Marvell, und Broadcom verfolgen im Übrigen dieselbe Strategie. Doch anders als die restlichen Anbieter von ARM-basierten Chips kann sich Qualcomm als der Markt- und Technologieführer leisten, umfangreiche Investitionen aus der erstaunlich gut bestückten Portokasse zu bestreiten.

Qualcomm ist sich nicht nur des beachtlichen Potentials der ARM-Technologie bewusst sondern steht auch noch mit beiden Füßen auf dem Boden der Realität. „Es ist uns bewusst, dass es sich hierbei um eine langfristige Investition handelt, die mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird“, meint Derek Aberle, der Präsident von Qualcomm.

Branchenriesen wie Facebook oder Google seien vergleichsweise leicht für ARM zu begeistern, da sie ihre eigenen Server und ihre eigenen Workloads selbst entwerfen würden, sagt Nathan Brookwood, ein Principal-Analyst bei Insight 64. Cloud-Anbieter wie Amazon (AWS) oder Microsoft (Azure) seien wesentlich resistenter, da sie auf x86-er Workloads nicht so leicht verzichten könnten.

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