Aktive Förderer – aktive Nutzer – stille Anwender

Alle DAX-30-Firmen nutzen Open Source

| Autor: Ludger Schmitz

Im so genannten neuen Handelssaal der Frankfurter Börse
Im so genannten neuen Handelssaal der Frankfurter Börse (Foto: Wikimedia, Dontworry / CC BY 3.0)

„The evil is always and everywhere.“ Erst gab es allgemeine Verunsicherung, jetzt hat Open Source allgemeine Verbreitung. Deutschlands größte börsennotierte Unternehmen verwenden allesamt Open-Source-Software. Die ist nicht mehr "evil", aber "everywhere".

Vor, sagen wir einmal, 15 Jahren hätte man darauf wetten sollen, um jetzt den Gewinn dafür einzustreichen, dass Unternehmen damit kräftig Geld sparen: Open Source ist heute in der Creme de la creme der deutsche Industrie angekommen. „Wir haben das erwartet, aber der Nachweis freut uns doch sehr“, sagt Dr. Johannes Loxen, Geschäftsführer der Sernet GmbH, einem Göttinger Open-Source-Spezialisten für Samba und IT-Sicherheit.

Viele Firmen sind offenherzig und aktiv

Dr. Chen-Yu Lin von Sernet hatte sich mal angeschaut, wie es die 30 führenden Unternehmen im Frankfurter Börsenindex DAX mit Open Source halten. Dabei lassen sich drei Gruppen feststellen: Es gibt aktive Förderer sowie aktive und stille Nutzer. Manche kennt Sernet als Kunden ohnehin. Andere haben ihr Engagement öffentlich gemacht, indem sie eigenen Software unter eine Open-Source-Lizenz stellen, Mitglieder in Projekten und Initiativen sind oder Wettbewerbe ausschreiben. Loxen: „Wo all das nicht zutraf, haben wir uns etwas genauer nach sichtbaren Open-Source-Einsatz umgeschaut.“

SAP hatte schon 1999 für Furore gesorgt, als die Walldorfer ihr Kernprodukt R73 auf Linux migrierten und damit dem Open-Source-System eine Art Ritterschlag gaben. Inzwischen ist das Unternehmen unter anderem dadurch aufgefallen, dass es viele Millionen Lines of Code zur Eclipse-Plattform beigetragen hat, die Apache Foundation prominent unterstützt und und und.

Förderung mit mehr als Code und Geld

„Die Förderung drückt sich aber nicht ausschließlich in Code oder Geld aus“, so Lin. So hat die Deutsche Telekom AG ein unter der Creative-Commons-Lizenz (CC BY-SA 3.0) öffentlich zugängliches Open Source License Compendium (OSLiC) erstellt. „Hausintern ist das natürlich eine nützliche Handreichung für die Wissensweitergabe, was bei verschiedenen Nutzungsszenarien bei welcher OpenSource-Lizenz zu beachten ist“, sagt Lin. „Diese aufwändige Sammlung bereit zu stellen hilft wiederum anderen beim Einsatz und damit der Verbreitung von Open-Source-Software.“

Auch deutsche Automobilkonzerne setzen laut Lin auf OSS: BMW zählt mit zahlreichen OSS-Projekten ebenfalls zu den aktiven Förderern. Daimler verkündet auf der eigenen Website, OSS im Einsatz zu haben und hat eine ‚License Declaration‘ veröffentlicht. Loxen ergänzt: „In den Unternehmen spielt Open Source eine immer entscheidendere Rolle, ohne dass dies unbedingt sichtbar oder sich ein Vorstand darüber bewusst sein muss. Open-Source-Software ist ein Motor für mehr Wirtschaftlichkeit. Ohne diese kommt niemand mehr aus.“

Chancengleichheit in Ausschreibungen gefordert

Lizenzkostenfreiheit sei dabei ein zwar immer noch gültiges, aber altes Argument, so der Sernet-Geschäftsführer Loxen: „Wer Sicherheit, kontinuierliche Verbesserungen und offene Quellen ohne Hintertüren als Kriterien anfragt, kommt im Ergebnis automatisch zu Open-Source-Software“

Angesichts dieser zentralen Bedeutung fordert Loxen mehr Konsequenz in Politik und Wirtschaft: „Open-Source-Software hat sich schon längst zu einem Wirtschaftsfaktor in Deutschland und Europa gewandelt. Es wird Zeit, dass bei Vergabe und Beschaffung mehr möglich gemacht wird.“ Das müsse sich darin ausdrücken, dass bestehende Hindernisse in Beschaffung und beim Einsatz beseitigt würden. „Chancengleichheit – das wäre ein Anfang!“

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim

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