Ein Mainframe-Betriebssystem im Wandel

50 Jahre VSE

| Autor: Ludger Schmitz

In den 80er Jahren wurde es für IBM schwieriger. Auf der einen Seite kam mit der Unix-Konkurrenz Client/Server-Computing auf. Gleichzeitig stießen immer mehr Applikationen an die Grenzen des Adressraums des Systems und der Maschinen. Das änderte sich erst 1990, als die ES/9000 auf den Markt kam. Deren Prozessoren brachten endlich nicht nur die 370-XA-Architektur, sondern mit der Enterprise Systems Architektur (ESA) gleich eine weit verbesserte. Entsprechend hieß das Betriebssystem nun VSE/ESA.

Big Blue öffnet sich

Gleichzeitig begann IBM, sich zu öffnen. Bisher hatten unabhängige Softwarehersteller (ISVs) genau so lange wie die Anwender auf die neuen Maschinen und Betriebssysteme warten müssen. Die Benachteiligung gegenüber dem IBM-Angebot war wohl gewollt, verzögerte aber das Angebot passender Applikationen. Damit war nun Schluss. ISVs erhielten frühen Einblick, was da kommen würde.

1994 wagte IBM mit dem System „S/390 Parallel Enterprise Server G1“ den Schritt von bipolaren Halbleitern zur damals noch langsamen, aber energiesparenden CMOS-Chips. Dazu passend erschien die zweite Version von VSE/ESA. Eine Subversion im Jahr 1996 behob das „Jahr-2000-Problem“, die Anwender konnten an die Umstellung von zwei- auf vierstellige Jahreszahlen gehen. Nach IBM-Angaben hatte am 1. Januar 2000 kein Anwender Probleme mit dem Jahreszahlenproblem. Die Böblinger Mainframe-Abteilung hatte ganze Arbeit geleistet.

Interoperabilität wird wichtiger

Inzwischen waren VSE-Systeme bei den meisten Anwendern nicht die einzigen, heterogene IT-Landschaften waren entstanden. In den „Nullerjahren“ konzentrierte IBM die meiste VSE-Entwicklung auf Konnektoren für andere Systeme und Interoperabilität mit anderen Systemen. Aus VSE/ESA wurde z/VSE. Dessen nachhaltigste Änderung wurde die Integration von Linux.

Die robusten und starken z-Systeme von IBM haben nicht nur Linux in eine neue Leistungsklasse gehoben, sondern auch VSE, jetzt als z/VSE, zu weiteren Leben verholfen. Nach IBM-Angaben betreiben die meisten Anwender Business-Applikationen auf z/VSE in einer Partition (LPAR) oder unter z/VM neben Linux.

Die Aussichten

Im November dieses Jahres soll die Version 6.1 von z/VSE erscheinen. Es wird neue Versionen von CICS TS und TCP/IP mit sich bringen. Und es wird begleitet vom Kürzel PIE. Die drei Buchstaben stehen für "Protect existing investments, Integrate with other systems, Extend for new workloads".

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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