Für Bastler und professionelle Anwender

45 Betriebssysteme für den Raspberry Pi

| Autor: Sebastian Gerstl

RecalBox: Schnell eingerichtet und einfach zu handhaben

Die GUI Emulation Station bildet die Benutzeroberfläche von Recalbox und Retropie, zwei Projekte, die beide den Raspberry Pi in eine Emulationsplattform für zahlreiche klassische Spielesysteme verwandelt. Unter der Haube weisen die beiden Betriebssysteme allerdings einige Unterschiede auf.
Die GUI Emulation Station bildet die Benutzeroberfläche von Recalbox und Retropie, zwei Projekte, die beide den Raspberry Pi in eine Emulationsplattform für zahlreiche klassische Spielesysteme verwandelt. Unter der Haube weisen die beiden Betriebssysteme allerdings einige Unterschiede auf. (Bild: Screenshot / Recalbox.com)

Das Kodi Media Center ist auch Bestandteil des „Recalbox“-OS, ein mit zahlreichen Emulatoren gespicktes System, das sich zu 100 Prozent an Zocker und Retro-Fans richtet. Neben dem auf seine wesentlichen Grundfunktionen beschränkten, bewährten Mediaplayer hält dieses System über 30 Emulatoren parat, darunter klassische Konsolen wie das „Atari 2600“, die originale „Sony Playstation “oder die Adventure-Umgebung „ScummVM“. Über das heimische Netzwerk können Anwender so genannte ROM-Dateien in den Emulator ihrer Wahl laden.

Aus rechtlichen Gründen hält Recalbox keine Spiele von anno dazumal parat, für die Bespeisung mit Spielen muss der Anwender überwiegend selbst sorgen. Dem Image liegen aber einige lizenzfreie Public-Domain-Titel bei, mit dem neugierige Zocker das System schnell testen können. Aus Performance-Gründen ist es empfehlenswert, mindestens einen Raspberry Pi 2, besser noch einen Raspberry Pi 3B zu verwenden. Die aktuell jüngste Recalbox-Version ist recalbox 18.07.13 (Stand 13. Juli 2018).

Ein Vorteil von Recalbox ist die leichte Anwendbarkeit: Ein Image ist ohne größere Konfiguration aufgespielt, die Übertragung von Spielen auf das SBC erfolgt über ein grafisches Interface per Webbrowser am PC.

RetroPie: Unterstützung von über 50 Konsolen- und Heimcomputer-Familien

Ebenfalls an Retro-Gamer richtet sich das Raspberry-Pi-Image „RetroPie“. Diese Variante verzichtet auf das Kodi Media Center, bietet dafür allerdings auch Support für Emulatoren die Recalbox nicht bietet, beispielsweise für „Commodore Amiga“.

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Dies geht aber auch mit einer etwas aufwändigeren Konfiguration einher. Das Projekt besteht schon länger als RecalBox und unterstützt auch Raspberry Pi Zero- und Raspberry Pi 1 Varianten. RetroPie unterstützt gegenwärtig 52 verschiedene klassische Computer- und Konsolensysteme beziehungsweise Familien (Stand 14. April 2018, Version 4.4) per Emulation – darunter auch solch obskure Rechner wie der „Dragon 32“ oder die „Oric“-Familie an Heimcomputern („Oric-1“, „Oric Atmos“, „Stratos/IQ164“ und „Oric Telestrat“).

Oberflächlich sehen sich RecalBox und Retropie sehr ähnlich. Der Eindruck täuscht: Beide Systeme verwenden nur mit EmulationStation dasselbe grafische Front-End.

Während Recalbox effektiv eine Ready-to-Use-Lösung darstellt, gilt RetroPie als das vielseitigere System, das allerdings auch umständlicher in Handhabung und Konfiguration ist. RetroPie verfügt als das ältere Projekt dafür auch über eine überaus aktive Community und lässt sich auf Wunsch direkt als Standalone-Boot, aber auch im Nachgang zu einem bereits bestehenden Raspbian-OS dazu installieren.

Lakka: Open Source System in vertrauter GUI-Umgebung

Lakka“ ist ebenfalls ein OS, dass sich auf die Emulation klassischer Konsolen und Heimcomputer spezialisiert hat. Es geht allerdings einen etwas anderen Weg als die zuvor beschriebenen RetroPie und Recalbox.

Lakka ist ein Open-Source-OS. Es verwendet als Front-End RetroArch, dessen GUI von der Optik und Handhabung her etwas an das Betriebssystem der Playstation 3 erinnert. Lakka wurde mit den Ziel entwickelt, möglichst schlank und schnell in RetroArch zu laden. Lakka unterstützt dabei sowohl ARM- als auch x86-basierte Plattformen und ist somit als schlanke Linux-Distrubution auch für den Einsatz auf älteren, schwächeren PCs geeignet.

Anders als RetroPie und Recalbox, die zum Teil auch andere Bibliotheken verwenden, stützt sich Lakka einzig und allein auf Emulatoren auf Basis der libretro-API-Cores. Das schränkt die Vielseitigkeit ein, soll aber der Stabilität zuträglich sein – auch wenn für manche Systeme wahrscheinlich bessere Software verfügbar ist. Lakka gilt dafür als eine äußerst schnell zugängliche Variante, was auch am vertraut wirkenden GUI liegen mag.

Gegenüber den beiden Konkurrenten hat Lakka den zusätzlichen Vorteil, dass das OS in einer Vielzahl an Builds verfügbar ist, die auf die speziellen Ausstattungsmerkmale einzelner Single-Board-Computer zugeschnitten sind. So liegen eigene Varianten für Raspberry Pi Zero, 1, 2 oder 3 vor, um deren jeweilige Hardwareressourcen ideal auszuschöpfen.

Auch wenn die Retro-Gaming-Stationen eine relativ junge Entwicklung sind, hat ihre Popularität dazu beigetragen, dass sowohl Recalbox als auch Lakka als empfohlene Startplattformen in NOOBS (Stand: Juni 2017 in Version 2.4.1, bestätigt November 2018 in Version 3.0.0) integriert sind.

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