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Mit endlosem Zoff und Frust gewachsen, aber nicht erwachsen

15 Jahre deutsche Wikipedia

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Auch die Wikisyntax ist eine Zumutung. Dieses Einsteigerhindernis hat nun immerhin Wikimedia Deutschland nach zahlreich wiederholten und wohl verhallten Aufrufen zur Mitarbeit erkannt. Jetzt können Anfänger wenigstens einen neuen „VisualEditor“ verwenden, der es leichter machen soll.

Von Kollegialität und Hilfsbereitschaft keine Spur

Wer sich überwindet, doch zu schreiben, kann leicht recht merkwürdige Dinge erleben. Zuerst wird ein formaler Fehler kritisiert, also Überarbeitung; dann der nächste, also noch eine Überarbeitung etc. Anschließend werden Fußnotenbelege als irrelevant kritisiert, zum Beispiel weil IT-Online-Publikationen sich an eine kleine Gruppe richten, also irrelevant sind. Ersetzt man den beanstandeten Verweis durch einen aus der Frankfurter Allgemeinen, ist das ebenfalls irrelevant, weil solch ein Artikel in der FAZ eine Ausnahme ist. Schließlich wird der ganze Beitrag wahlweise als generell unwichtig bezeichnet oder als PR denunziert. Dabei wird die Kritik immer unsachlicher, und es wird klar, dass der/die Kritiker von der Sache keinerlei Ahnung haben. Aber er dürfte zur Seilschaft eines übermächtigen Admins gehören, der ihm, aber nicht dem Verfasser jede Unsachlichkeit nachsieht und mit Verweis auf die Kritik die Freigabe immer weiter verzögert. Da nützen auch positive Kommentare von anderen Wikipedianern nichts. Bis der Autor aufgibt.

Was Wikipedia-erfahrene Klugscheißer und Blogwart-Admins schon bei solchen „Edit-Wars“ angerichtet haben, lässt sich kaum ermessen. Dass der Frauenanteil unter den Wikipedia-Autoren so niedrig ist, nach Schätzungen zwischen neun und 16 Prozent, dürfte auch seine Gründe im rüden Umgang haben. Eine Google-Suche nach Kritik an Wikipedia bringt Millionen Verweise, und die dort geschilderten Erlebnisse reichen locker als Lektüre für mehr als eine lange Zeit als Rentner. Nur dem Anspruch von Wikimedia Deutschland nach können bei Wikipedia „alle mitschreiben“.

Keine seriöse Qualitätssicherung

Das tiefere Problem bei Wikipedia ist, dass auch alle mitreden können, dass kein vernünftiges, qualifiziertes Review-Verfahren besteht. Einträge in der englischen Wikipedia haben noch lange keine Aussicht, in der deutschen aufzutauchen, ein deutliches Zeichen für Willkür. Für die Qualifizierung zum Admin gibt es ein Wahlverfahren, aber das ist weniger repräsentativ als die Ergebnisse einer Fachschaftswahl.

Der Ärger, für den Wikipedia bei Interessierten und an der Basis sorgt, verlängert sich in die Führung. Immer wieder gibt es an der Spitze Querelen und Rücktritte, manche erzwungen. Bei der Mutter des Ganzen, der Wikimedia Foundation, ist der deutschsprachige Ableger alles andere als angesehen. Immerhin bringt er gut Geld in die Kasse. 8,6 Millionen Euro waren es bei der letzten Kampagne im Dezember 2015, immerhin 330.000 mehr als ein Jahr zuvor. Gut ein Drittel davon bleibt bei der Wikimedia Deutschland.

Kostenlose Mitarbeit füllt die Kassen

Der große Gewinner ist die Foundation in den USA. Die verfügt jetzt über 78 Millionen Dollar, rund ein Drittel mehr als nur zwölf Monate vorher. Das zieht natürlich Kritik auf sich. Die Wikimedia Foundation verteidigt sich, sie müsse Geld für Server, IT-Personal, Software-Entwicklung und die Verwaltung ausgeben sowie für alle Fälle eine Kriegskasse haben.

Ein Projekt unter den elf anderen Wikimedia-Projekten verschlingt gerade, auch beim Berliner Ableger, besonders viel Geld: Wikidata. Eine Datenbank soll Wissen maschinenlesbar machen. So ließen sich neue Informationen, zum Beispiel Zahlen aus Statistiken oder Wahlergebnisse, automatisch in Wikipedia-Artikel übernehmen und darüber hinaus in anderer Weise analysieren. Solche Daten wären schon eine Menge mehr wert als Wikipedia-Texte, deren Qualität grundsätzlich zweifelhaft ist.

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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 Ludger Schmitz

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