Wann und wie ist es sinnvoll, sich IT als Service dazu zu mieten?

„Zero-Outage“ heißt Cloud-Computing auf T-Systems

| Redakteur: Ulrike Ostler

Dr. Ferri Abolhassan ist Geschäftsführer der T-Systems International GmbH und verantwortlich für die IT-Division. Der promovierte Informatiker ist Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher und Publikationen.
Dr. Ferri Abolhassan ist Geschäftsführer der T-Systems International GmbH und verantwortlich für die IT-Division. Der promovierte Informatiker ist Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher und Publikationen. (Bild: Chris Schuff)

OpenStack, VMware oder Microsoft und Container-Techniken … Die unterschiedlichen Cloud-Varianten im eigenen Rechenzentrum mit denen in „fremden“ Clouds zu verbinden, scheint doch nicht so einfach zu sein, wie es Cloud-Anbieter gerne vermuten lassen. „Wo liegt denn die Crux?“ fragt DataCenter-Insider Dr. Ferri Abolhassan, den Geschäftsführer der T-Systems International GmbH.

Wo liegen die Knackpunkte aus Ihrer Sicht?

Ferri Abolhassan: Es sind nicht zwangsläufig technische Hürden, die genommen werden müssen, da die meisten Cloud-Lösungen inzwischen weitgehend Standardschnittstellen bedienen. Es sollte jedoch vermieden werden, dass die Cloud zur Insellösung im Unternehmen wird. Cloud-Services müssen sich nahtlos in die bestehende ICT-Infrastruktur, in sämtliche Prozesse und in die Organisation integrieren, um auch wirklich einen gewinnbringenden Effekt für das Business zu erzielen.

Hier liegen die eigentlichen Knackpunkte für Unternehmen. Sie müssen bereits vorab eine Vielzahl von Fragen klären: Wie transformiere ich meine bestehende IT? Wie manage ich alle Cloud-Services übergreifend? Wie steuere ich meine Cloud-Provider? Welche KPIs verwende ich dazu? Um diese Fragen zu beantworten, benötigt der CIO im Unternehmen einen umfassenden Blick und einen erfahrenen Partner mit entsprechendem Transformations- und Branchen-Know-how.

Managed Service, Hosting oder Cloud? Gibt es aus Ihrer Sicht Anwendungen oder Anwendungs-Stacks, die sich besser für das eine oder andere Betriebsmodell eignen?

Ferri Abolhassan: Ich würde nicht unbedingt die Form des Betriebsmodells an bestimmten Anwendungen oder Anwendungs-Stacks festmachen. Vielmehr muss ein Unternehmen für sich definieren: Was kann ich inhouse machen und wo ziehe ich gemanagte Services vor? Welche Anwendung benötigt Dynamik und Skalierbarkeit, um das Business optimal zu unterstützen?

Beispielsweise sollte ein SAP-System, das in vielen Unternehmen die Geschäftsprozesse unterstützt, über eine entsprechende Dynamik verfügen, um flexibel auf aktuelle Anforderungen reagieren zu können. Aufgrund der hohen Komplexität und der geschäftskritischen Einsatzzwecke ist der gemanagte Betrieb einer solchen Lösung aus einer sicheren Private Cloud sinnvoll. Werden hingegen dynamische Ressourcen für eigenentwickelte Applikationen benötigt, so scheiden gemanagte Services aufgrund der oft fehlenden Standardisierung schnell aus.

Viele Mittelständler scheinen ratlos und unverständig, was die Digitalisierung der Unternehmen angeht: „Ich mache doch SAP!“ „Wir sind kein Online-Shop.“ „IT ist kein Kerngeschäft“, heißt es. Halten Sie es für sinnvoll, Fördermittel freizuschaufeln, um etwa durch Schulungen diese Dornröschen aufzuwecken und sie fit zu machen, zum Beispiel in Industrie 4.0?

Ferri Abolhassan: Das Thema Digitalisierung ist heute sehr weitreichend und betrifft nicht nur einzelne Bereiche oder Abteilungen. Vielmehr impliziert die Digitalisierung die direkte Vernetzung und enge Kopplung einzelner Prozesse und Akteure über Unternehmensgrenzen hinweg. Dabei agieren Unternehmen nicht nur miteinander, sondern auch mit Kunden und sogar mit Produkten. Ganze Ökosysteme entstehen und werden mitgetragen – durch Trends wie Big Data oder M2M.

Um die Unternehmen hier abzuholen, reichen einfache Schulungen nicht aus. Vielmehr müssen die Hersteller und Dienstleister den Unternehmen aufzeigen, welche Vorteile Digitalisierung überhaupt bietet – und wie wichtig diese ist, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Dienstleister von Beginn an ermöglicht eine schrittweise Transformation – bis hin zu neuen Geschäftsmodellen.

Die Entwicklung im Bereich Industrie 4.0 ist ein gutes Beispiel, das zeigt, welche Möglichkeiten die Digitalisierung bietet. Beispielsweise der Landmaschinenhersteller Claas: Dank einer gemeinsam entwickelten Telematiklösung kommunizieren Mähdrescher und Landmaschinen untereinander – und fahren so die Ernte deutlich effizienter ein, wovon letztlich auch der Endkunde profitiert.

Nach den Snowden-Veröffentlichungen eröffnet nun doch der eine oder andere globale Cloud-Anbieter Rechenzentren in Deutschland oder wegen der geringeren Strompreise auch in den Niederlanden, Irland oder im Norden Europas. Zudem schreibt sich heute jeder Sicherheit ganz groß auf die Fahnen... Also gleichen sich bald ein Cloud-Service wie ein Ei dem anderen und das alleinige Unterscheidungsmerkmal ist der Preis?

Ferri Abolhassan: Nein, definitiv nicht. Die Tatsache allein, dass ein Rechenzentrum in Deutschland steht, macht noch lange keinen sicheren Cloud-Service aus. Hierzu bedarf es deutlich mehr. Erst wenn die Sicherheit der Rechenzentren stimmt und zudem noch Technik, Verfahren, Prozesse, Organisation, Verträge sowie der Betrieb bestimmten Sicherheitsansprüchen genügen, kann von sicheren Cloud-Services gesprochen werden. Hinzu kommt das Thema Ausfallsicherheit.

Denn was nützt es einem Unternehmen, wenn seine IT entsprechend abgesichert ist, aber ständig ausfällt? Ein Beispiel für hochverfügbare Cloud-Technologie sind Twin-Core-Rechenzentren, bei denen sämtliche Lösungen und Anwendungen redundant ausgelegt sind. Um Kunden Hochverfügbarkeit und höchste Sicherheit zu gewährleisten, braucht es zudem global einheitliche Prozesse, ein proaktives Risiko-Management und eine durchgängige Ende-zu-Ende-Betrachtung. „Null Fehler“ auf allen Ebenen lautet hier die Prämisse. Ein Ansatz, den T-Systems beispielsweise in seinem unternehmensübergreifenden Zero-Outage-Programm verfolgt.

An welcher Stelle tauchen Kosten im Mieten von IT-Services auf, die ein Anwenderunternehmen am Anfang gerne einmal übersieht? Zum Beispiel eine Gebühr für die Bereitstellung der Infrastruktur oder Beratungskosten?

Ferri Abolhassan: Es ist die Pflicht des Dienstleisters, dem Kunden transparent aufzuzeigen, welche Aufwendungen durch einen bestimmten Service entstehen. Hin und wieder kommt es vor, dass es sozusagen versteckte, nicht dokumentierte IT-Services im Unternehmen gibt, die nach dem Weg in die Cloud nicht mehr von der unternehmenseigenen IT abgedeckt werden können.

Um dem bereits im Vorfeld vorzubeugen, ist die intensive Beratung vorab und die kontinuierliche enge Zusammenarbeit zwischen Dienstleister und Kunde notwendig. Hierbei gilt es auch, nicht nur die IT, sondern sämtliche Fachabteilungen im Unternehmen einzubeziehen. Erfahrungen aus früheren Projekten und Blueprints helfen zudem, ungeplanten Aufwand zu vermeiden.

Apropos Beratung: Ein Trend scheint zu sein, dass sich (Cloud)-Service-Provider mit Beratungshäusern zusammentun. Welchen Anteil darf oder sollte „Beratung“ an einem Projekt haben, wo es um den Einbau und den Betrieb hybrider Infrastrukturen geht?

Ferri Abolhassan: Welchen Anteil die Beratung an einem Projekt haben sollte, hängt sehr stark davon ab, wo die IT eines Unternehmens zu dem Zeitpunkt steht und welches Ziel verfolgt wird. Der einfache Austausch eines einzelnen IT-Services in einer bereits bestehenden Infrastruktur ist weniger beratungsintensiv als die Einführung einer voll in das Management-System integrierten hybriden Infrastruktur.

Wichtig ist in jedem Fall, dass es einen nahtlosen Übergang zwischen der Beratung und der Umsetzung gibt. Hier müssen die Schnittstellen und Verantwortlichkeiten klar definiert sein. Das gelingt umso besser, wenn die Beratung und die nachfolgende Umsetzung aus einer Hand kommen.

Was können Leiter von Unternehmensrechenzentren aus Best Practices von Cloud-Datacenter-Betreibern lernen?

Ferri Abolhassan: Unternehmensrechenzentren sind heute darauf ausgelegt, unterschiedliche, meist individualisierte IT-Services für das Unternehmen zu produzieren. In einem Cloud-Rechenzentrum hingegen steht der Betrieb einer leistungsstarken und hochgradig standardisierten sowie automatisierten Plattform im Fokus. Diese dient dann als Basis für die ebenfalls standardisierten Cloud-Services.

Demnach ist vor allem die Ausrichtung unterschiedlich: speziell zugeschnitten auf die Business-Anforderung vs. standardisiert für alle. Beide Herangehensweisen verfolgen jedoch das Ziel, den Anteil an Standardisierung, Virtualisierung und Automatisierung so groß wie möglich zu machen. Die damit verbundenen Best Practices sind sicherlich auch für Unternehmen wertvoll. Auf der anderen Seite können Betreiber von Cloud-Rechenzentren vom dedizierten Business-Know-how der Unternehmen profitieren.

T-Systems hat sich kürzlich umstrukturiert und mit drei Sparten – TC, IT und Digital – neu geordnet. Sie verantworten die IT-Division. Welches Ziel hatte diese Neuordnung und inwiefern ist es zukunftsorientiert, sich mit einer Sparte auf das Thema IT zu konzentrieren?

Ferri Abolhassan: Die Umstrukturierung verfolgt eine klare Fokussierung auf die jeweiligen Wachstumsfelder, um den Kundenanforderungen noch besser gerecht zu werden. Das beinhaltet auch eine Stärkung der unternehmerischen Verantwortlichkeit in den jeweiligen Produktsparten – von der Produktentwicklung über den Vertrieb bis zur Umsetzung. So können wir der ganzheitlichen Betreuung unserer Kunden Ende-zu-Ende – vom ersten Beratungsgespräch bis zur Implementierung einer Technologie und darüber hinaus – optimal Rechnung tragen, da Vertrieb und Produktion Hand in Hand agieren.

Die IT-Division ist der Bereich, der sich auf klassische IT-Dienstleistungen, Systemintegration und Outsourcing fokussiert. Die Cloud nimmt hier natürlich eine bedeutende Rolle ein. Schließlich hat sie sich längst zum Business Enabler für Unternehmen und zum Schlüssel zur Digitalisierung entwickelt. T-Systems war der erste Anbieter am Markt mit einem konkreten Cloud-Angebot für Business Applications. Unsere jahrelange Erfahrung mit IT-Transformationen kommt den Kunden demnach zugute.

Dies resultiert – ebenso wie unsere hohen Sicherheits- und Qualitätsmaßstäbe – in zahlreichen erfolgreichen Projekten und Ergebnissen. So erhalten wir auch von unseren Kunden Bestnoten.

Zum zweiten Mal in Folge haben wir 84 TRI*M Indexpunkte in der Kundenzufriedenheitsbefragung erzielt. Um das zu erreichen, muss die IT-Basis stimmen. Sich hier mit einer spezialisierten Division im Sinne der Kunden noch stärker zu fokussieren, ist die zukunftsorientierte Konsequenz.

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